Fernweh-Freitag (8): Vulkan-Urlaub am Vesuv

Der Vesuv, Neapel und Pompeji sind nicht unbedingt ein typisches Reiseziel für Wanderer und Bergsteiger. Die typischen Reisenden reisen der Kultur und der Landschaft wegen. Römische Ruinen in Pompeji, Bummeln durch die Gassen auf Capri, ein Road Trip entlang der Amalfiküste, Archäologisches Museum in Neapel, kurzer Landgang vom Kreuzfahrtschiff aus.

Vom Wandern auf Capri habe ich euch schon erzählt. Der heutige Fernweh-Freitag bringt uns aufs Festland, eben auf den Vesuv und in seine Umgebung.

Der Vesuv – ein Hausberg?

Auf dem Vesuv begegnet man fast nur Touristen, Einheimische scheinen sich dem Vulkan nicht unbedingt nähern zu wollen. Ob man da vom Hausberg der Neapolitaner sprechen kann? Dabei ist der Vesuv von vielen Stellen in Neapel sichtbar und sehr präsent, vom Zug der Circumvesuviana Linie aus hat man ihn die ganze Zeit im Blick. Mehr als 10 km sind es nicht zwischen Stadt und Berg, näher als jeder Hausberg an München liegt.

Blick von Pompeji zum Vesuv

Pompeji

Natürlich ist ein Vulkan an sich schon faszinierend, doch die Berühmtheit des Vesuv resultiert aus einer Tragödie, dem vielleicht berühmtesten Vulkanausbruch der Geschichte. Bzw von dem, was wir heute davon sehen und erleben können.

Am 24. August 79 n. Chr. ist der Vulkan ausgebrochen, seine Lava und Asche haben die Stadt Pompeji begraben, die dadurch heute eine der beeindruckendsten Römer-Ruinen-Städte ist. Bereits 63 n. Chr. hatte es ein großes Erdbeben gegeben, die Menschen in Pompeji waren auch 16 Jahre später noch mit dem Wiederaufbau ihrer Stadt beschäftigt. Ein Teil von ihnen konnte beim Ausbruch fliehen, 2000 Menschen erstickten allerdings an den 400 Grad heißen Gasen. Begraben von Asche wurde erstaunlich viel von der Stadt erhalten, Jahrhunderte später ausgegraben und heute spaziert man durch die Straßen, bestaunt Mosaike und ist Geschichte sehr nah.

Garküche und Kneipe in Pompeji – in den runden Löchern köchelte das Essen vor sich hin, eine Art Tresen am Straßenrand.

Gipfelglück Tour auf den Vesuv

Zum Krater zu gelangen ist einfach – weshalb es am Vesuv fast so voll ist wie in Pompeji. Busse und Taxis fahren bis zum Besucherzentrum auf 1.017 m, von dort geht es zu Fuß weiter zum Kraterrand. Die billigste Variante: den blauen Linienbus nehmen, der von und nach Pompeji fährt (eine Strecke 2,60 Euro). Der nächste Bahnhof für den Zug nach Neapel ist Ercolano der Cirumvesuviana Linie, die einen auch nach Pompeji bringt, vom Bahnhof zum Krater und zurück zu gelangen ist aber nicht so einfach.

Kraterrand des Vesuv

Der Weg vom Parkplatz zum Kraterrand ist 1.500 m lang, mit 264 Höhenmetern und relativ steil. Mit Turnschuhen gut zu gehen, Flipflops sind ungeeignet. Der Weg ist aber sehr breit, auch für nicht-Schwindelfreie geeignet, alpine Erfahrung ist nicht notwendig.

Der heutige Krater hat einen Durchmesser von 500 m und ist 300 m tief, der Kraterrand befindet sich heute auf 1.281 m. Mit Bergführer darf man wohl auch in den Krater absteigen. Die Kraterwände sind durchweg sehr steil.

Am Kraterrand

Aber selbst nur am Kraterrand spazieren zu gehen (eine komplette Runde ist leider nicht möglich), ist ein faszinierendes Erlebnis. Es qualmt und stinkt, auf der Asche wachsen blühende Blumen, andere Stellen sind Steinwüste, in unendlich vielen Rot- und Brauntönen leuchtend. Der Blick geht weit, zum Meer, zu den Inseln, hinunter Richtung Pompeji, und die Geschichte des Ausbruchs ist immer im Hinterkopf. Dazu kommt ein wenig “Nervenkitzel”.

Denn Vesuvio bedeutet “der Unerloschene” – ein erneuter Ausbruch kann jederzeit passieren, da hier die Erdplatten von Afrika und Eurasien aufeinander treffen. Der letzte größere Ausbruch war 1944. Es stehen inzwischen so viele Messgeräte am Krater, ich schätze mal, ein Ausbruch käme nicht wirklich überraschend und man sollte sich deswegen nicht von einem Besuch abschrecken lassen.*

Blick vom Vesuv zur Küste, Richtung Pompeji

Heute ist das Gebiet um den Vesuv ein Nationalpark und es gibt zahlreiche Wanderwege – gestartet wird auf Meereshöhe. Im Frühling blüht es im unteren Bereich herrlich, deswegen ist wandern in kühleren Jahreszeiten bestimmt toll. Den meisten Besuchern ist das aber zu anstrengend, wie oft auf der ganzen Welt, auch auf die Zugspitze fahren die meisten Besucher mit Seilbahnen.

Farben und Struktur am Vesuv
Farben des Vesuvs

Neapel ~ Napoli

Neapel selber ist “Alltags-Italien”, kein “Museums-Italien”. Hupende Mopeds, flatternde Wäsche über die Straße gespannt, jede Kirche prachtvoll, Maradonna-Trikots im Schaufenster, Leckereien in süß und herzhaft an jeder Ecke, riesige Pizza!

Das Original.

Insgesamt ist dies keine Urlaubs-Region, die mal als unentdeckten Geheimtipp bezeichnen könnte, ganz im Gegenteil! Aber die Begeisterung der Massen hat schon ihren Grund, die Massen muss man halt ertragen, wenn man diesen faszinierenden Teil der Welt sehen möchte. Pompeji zu sehen stand für mich lange auf “der Liste” – und welch Ironie, dass sich der Besuch noch mit ein wenig Gipfelglück verbinden lässt.

*Sehr gut beschrieben bei www.archaeologie-online.de

Der Dom in Neapel.

Datum der Reise: 26. Mai 2016

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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5 Comments

  1. Sehr schön! Da werden Erinnerungen an meine eigene Reise nach Pompeji und den Vesuv wach, die leider schon viel zu lange zurück liegt. Vor allem Deine Fotos machen gerade große Lust, mal wieder dorthin zu reisen.
    Liebe Grüße
    Thomas

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  3. Hi Stefanie,

    Danke für den interessanten Bericht. Der Vesuv steht bei mir auch noch auf dem Programm. Letztes Jahr waren Bekannte von mir dort und nahmen auch den Linienbus. Sie mussten mehrere Stunden oben warten bevor sie nach dem Aufstieg wieder zurück konnten, weil ein Rad am Bus gewechselt werden musste. Ansonsten hat ihnen die Route sehr gut gefallen.

    Beste Grüsse,
    Mike

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