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Meine 24 Stunden von Bayern

18. Juni 2012 by Stefanie Dehler

Am Ziel der 24 Stunden von Bayern

Am Ziel der 24 Stunden von Bayern

So viel könnte ich erzählen von den 24 Stunden von Bayern, aber einen solch endlosen Bericht lesen nur wenige. Genauso wie nur die wenigsten 24 Stunden unterwegs waren – auch ich habe nach 22 Stunden die Segel gestrichen, dann war es genug. Der Tiefpunkt war schon nachmittags gegen 5 etwa, da passten die Zeitplanung, die Zeitangaben und die tatsächliche Uhrzeit nicht mehr zusammen und ich wollte nur noch zurück zum Eisstadion in Inzell.

Danach lief es aber wieder richtig gut und ich bin extrem euphorisch zur Nachtrunde aufgebrochen- morgens um 6 hat es dann aber gereicht und weitere zwei Stunden hätten da niemandem genutzt.

Aber so: eine großartige Erfahrung und ich kann nur jedem empfehlen, mal eine 24-Stunden-Wanderung mitzumachen. Und wer das nicht will, sollte einfach so im Chiemgau und im Berchtesgadener Land wandern gehen, es ist wunderschön, sehr abwechslungsreich und für jede Schwierigkeitsstufe was dabei. Nächstes Jahr sind die 24 Stunden von Bayern übrigens im Allgäu – und hoffentlich bin ich dann auch wieder mit dabei!

Logo 24Stunden von Bayern

Mehr Fotos kommen übrigens später – ich habe gerade so viel zu tun, bin ab Donnerstag beruflich für ein paar Tage in TirolWest… Mehr Fotos gibts noch in diesem Artikel: Fotos und andere Berichte

Highlights meiner 24 Stunden von Bayern

– die Pause an der Kohleralm – Aussicht auf den Watzmann und leckere Brotzeit mit Hollerschorle nach dem heftigen Aufstieg

– all die freundlichen Leute: die, mit denen ich auf der Strecke geplaudert habe, und die vielen engagierten Helfer und Organisatoren, die sich so gekümmert haben

– der Moment, als die höllische Himmelsleiter überwunden war…

– der Aufbruch zur Nachtrunde gegen 23.20 Uhr – überrascht vom eigenen Fit-Sein und der Vorfreude und im Bewusstsein, etwas ziemlich Beklopptes zu tun

– im Biergarten sitzen, Kräutersuppe essen, dazu klassische Musik mit Jagdhörnern. Gegen 3.15 Uhr nachts!

– alle „Respekt“- Kommentare am Tag danach, mir gegenüber wurde noch nie so oft „Respekt“* erwähnt ;-)

– die traumhaft schöne Landschaft, mit Bergen, Seen, Schlucht usw, und mir waren 30 Grad Hitze letztendlich lieber als Regen oder trübes Wetter!

– das gute Essen den ganzen Tag über: Brötchen frisch aus dem Ofen, Brot mit Gänseblümchen drauf, Heulimo, Krautschnecken mit Speck, Hollerkiachel usw usw einfach, schmackhaft, energiespendend und wohl größtenteils aus der Region, durch die wir gewandert sind

Brotzeit Kohleralm

Die 1. Wanderung, am Tag

Beste Stimmung am Samstag morgen um 8 Uhr an der Eishalle von Inzell, alle sind aufgeregt, die Sonne strahlt, und alle anwesenden Promis von Gunda Niemann über den Hackl Schorch und Max Aicher (dem Namensgeber der Eishalle) und jede Menge Tourismus-Verantwortliche dürfen aufmunternde Worte ins Mikro sagen, es gibt ein paar Bollerschüsse und alle 444 Leute wandern los.

Start der 24 Stunden von Bayern

In Begleitung einer Musikkapelle laufen die erste Zeit noch alle im Pulk, die ersten 5 km sind flach, am Falkensee spielt ein Bürgermeister ein Morgen-Ständchen auf der Trompete. Ich mag ja gemütliches einlaufen, wenn es nicht sofort steil bergauf geht. Nach einer Stunde geht es ein wenig aufwärts und bis etwa 11 Uhr dann richtig steil auf einem schönen kleinen Pfad den Berg hinauf, zum Glück meist im Schatten, zum Glück haben auch andere nach jeder zweiten Serpentine eine Pause gebraucht… Belohnung nach der Strapaze: die wunderbare Kohleralm, mit Blick auf den Watzmann, Kühe laufen herum, jemand spielt Alphorn, es gibt Brotzeit (siehe Foto oben) und überall sitzen Leute im Gras und genießen den Morgen.

Kohleralm

Die Hunde tun mir Leid- die rennen hin und her wie immer, aber wie soll man denen erklären, dass das ganze dieses mal 24 Stunden geht? Allerdings habe ich Hunde auch nur bei der ersten Runde gesehen, später nicht mehr.

Auf dem Wegstück nach der Alm entzerrt sich die Meute, es geht über einen kleinen Pfad durch Latschen, in denen sich die Sonne staut. An ein paar kleinen Kraxel-Stellen staut es sich- für geübte Alpen-Wanderer ist der Weg nur schön aber nicht schwer, wer sonst nur im Mittelgebirge  unterwegs ist, für den sind viele Stellen unangenehm und es geht langsam voran. Bald ist die Zwieselalm erreicht, hier gibts Kuchen und Entertainment mit Mulis von der Bundeswehr, mit Gleitschirmfliegern, und Fernglas-Tests. Anschließend bergab durch den Wald, auf einem Muli-Pfad, bis zu einem Lager der Bundeswehr, wieder gibts was zu Futtern und vor allem zu trinken, außerdem gibts Dehnübungen und in einem Zelt Wadenmassage! Noch ist es nicht nötig eigentlich, bis jetzt ist es „nur“ eine tolle Bergtour mit vielen Menschen, aber Massagen helfen bestimmt auch vorbeugend!

Die nächsten Kilometer wirds anstrengend, denn es gibt lange nichts zu trinken. An einem Römerlager vorbei laufen wir durchs Tal, an einem Schild steht 8 km bis zur nächsten Getränkestation, und diese 8 km sind unendlich lange. Viele Leute haben bei dieser Tour den Eindruck, dass die KM Angaben nicht so ganz passen, manche haben hinterher 37 km auf ihren GPS Geräten getrackt statt der offiziellen 30… Es geht am wundervollen Thumsee vorbei, ein traumhafter Anblick! Vielen halten die Füße ins Wasser, waschen sich Gesicht und Hände,  oder gucken einfach anderen beim Schwimmen zu. Über den Salinenweg geht es weiter – laut Programm sind hier Stadtführer unterwegs, die eine „wegbegleitende Geschichtsstunde“ erteilen – habe ich nicht mitbekommen aufgrund von „Langsamkeit“… Eine steile Treppe führt hoch zum Mauthäusl, wo es endlich Wasser gibt! Und Brot frisch aus dem Ofen, mit Ziegenkäse. Die Treppenstufen runter zum Klo lassen einen schon jammern ;-)  Hier hängt der Zeitplan sehr deutlich- die Verpflegungsstationen haben „Öffnungszeiten“, als durchschnittlicher Wanderer hätte man die Zeiten alle gute einhalten können, aber lauter fitte Leute waren extrem in Verzug… Vom Salzsieden und Oldtimern habe ich auch nichts gesehen.

Fußbad am Thumsee

Es ist jetzt ein ziemliches hetzen, hoffentlich schaffen wir es noch zur Jogurtstation, wie soll das werden mit der 2. Runde, lassen wir die aus – an dem Deichsel-Bohrer bin ich vorbei“gerannt“, was mir für ihn Leid getan hat, aber ich wollte einfach ins Ziel. Die Weißbachschlucht, eigentlich auch toll, ein wild rauschender Bach und ein schmaler Bretter-Weg daneben, aber es ist schwer zu genießen, durch den Zeitdruck. Schmankerl dann noch die „Himmelstreppe“ – 444 Stufen den Berg hinauf. Oh was brennen die Beine! Aber man kann hinterher eine Geschichte zu erzählen – und schließlich ist das Basislager an der Eishalle wieder erreicht, nach etwa 11 Stunden und ca 35 Kilometern.

Himmelstreppe

Die 2. Wanderung, am Abend

Der Tiefpunkt ist für mich dann überwunden, als ich am Eisstadion frische Kleidung anziehen kann und im Sitzen einen großen Salat verspeise. Routenplanung läuft darauf hinaus, doch in den Shuttle Bus einzusteigen und die 5 min zur Kesselalm zu fahren und einige Wander-Km abzukürzen. Was auch die richtige Entscheidung war, denn so bin ich entspannt in die 2. Runde gestartet und habe den Spaß am ganzen wieder gefunden. Die Alpakas, einen Barfußweg, Kindertrachtgruppe habe ich deswegen verpasst… dafür komme ich nach ein paar Wanderminuten zum Wallnerbauern – die Kinder stehen am Weg  und laden uns auf den Hof ein, andere Kinder machen für uns Musik, es gibt Obst und Kakao und es ist für ein paar Minuten ganz herzlicher Urlaub auf dem Bauernhof! Die zweite Runde bin ich übrigens größtenteils allein gelaufen, sehr erholsam, ganz das eigene Tempo, fast alles ist flach und ich habe angefangen ein wenig Podcasts und Musik zu hören.

Wieder ein kurzes Stück weiter: die Schlemmermeile der Alpen Kulinarik! Hütten wie auf einem kleinen Weihnachtsmarkt, in jeder Hütte ein Bauer oder Metzger oder Leute von einem Gasthaus, man bekommt ein Tablett und darf an jeder Hütte eine Kleinigkeit zum Essen abholen. Und alle wollen sich mit einem unterhalten, erzählen von ihrer Heulimo und ihrer Kelterei, von ihrem Brot und ihrer Suppe. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, es ist wunderbar ruhig und entspannt, ich liege durch die Busfahrt auch wieder bestens in der Zeit und mit so gutem Essen kann man nur gute Lanue haben.

Der restliche Weg geht durch die Felder und ein Wohngebiet, auf einem Schild steht ulkigerweise „Brenner“, und Leute, die vor ihrem Haus sitzen, bieten mir einfach so was zum Trinken an. Es dämmert, das Licht ist so schön. Die Stirnlampe bleibt bei allen noch aus, der Weg findet sich so. Erste Sonnwend-Feuer brennen. Kurz vor dem Kurpark treffe ich auf eine Wanderin aus Deggendorf und wir beschließen die Nachtrunde zusammen zu machen. Erst gehts noch durch den Kurpark von Inzell- wunderschön beleuchtet, und schon wieder sitzen da welche mit Harfe und Kontrabass und Trompete und spielen bayrische Weisen. Hier zum ersten Mal Fußschmerzen beim Weitergehen, das soll die nächsten Stunden anhalten: die Füße sind beim Gehen ok, aber wenn man stehen bleibt und dann weitergeht, schmerzen die ersten Schritte höllisch und müssen erst mal ihren Rhythmus wiederfinden… Gegen 22.30 Uhr bin ich wieder an der Eishalle, schreibe schnell einen Blogbericht, hole warme Jacke, frisches Tshirt, Mütze und frische Getränke und voller Euphorie, richtig high, gehts um 23.20 Uhr weiter!

 

Die 3. Wanderung, in der Nacht

Schon zwei Minuten nach Abmarsch an der Arena haben wir uns verlaufen :) Das heißt, wir haben einen Abzweig verpasst und wundern uns erst nach einer Weile, dass gar keine Schilder und bis auf einen gar keine Wanderer mehr zu sehen sind. Im Ort ist es durch die Straßenlampen noch hell, und zum Glück kommt ein Radler vorbei. Er führt uns auf den rechten Weg, lässt uns über eine Leitplanke klettern,einen kleinen Hang hinunter rutschen zum Bach, und nicht lange und wir entdecken wieder Schilder! Ab da auch keine Orientierungsschwierigkeiten mehr, im Wald später hängen sogar Taschenlampen an den Schilder, damit man nichts verpasst.

Wir wandern zunächst durchs Moor. Es ist dunkel, kein Mond, ab und an eine Eule. Und als Beispiel für das Engagement der Leute: 2 Herren zeigen uns hier um Mitternacht wie früher Torf gestochen wurde! Und schenken uns Moor-Seife! Wieder so nette Leute wie überall an diesem Tag. Dann regnet es. Aber noch bevor ich es twittern kann, hört es schon wieder auf, ich habe 22 Stunden umsonst Regenjacke und -hose mitgeschleppt…

Es geht bergauf, durch den Wald, ein breiter Ziehweg, stockdunkel, ab und an ein kleines Lichtlein und Wanderstock-Geklapper, ein kurzes Hallo und wieder werden wir überholt. Und so gut wie immer sind es männliche Wesen mit sehr langen Beinen die uns kurzbeinige überholen ;-) Am Teisenberg hat man eine tolle Sicht auf die Lichter von Inzell, und der ADAC hat Verpflegung für uns. Kekse, Obst, Müsliriegel, man braucht die Energie, aber ich „stopfe“ es mehr in mich rein. Auch hier wieder Musiker, die nur darauf warten, dass jemand anfängt zu tanzen… Der harte Moment des Aufstehens ist brutal!

Gegen 3 Uhr sind wir am Forsthaus Adlgaß, im Garten sind die Tische gedeckt, über einen Bildschirm laufen Bilder von bayrischen Wanderlandschaften und vom Band kommt klassische Musik- Vivaldi, Jagdhörner, wunderschön! Wir essen Suppe – Kräutersuppe und Gulaschsuppe gibts – sehr schöne Stimmung. Da steht auch der Shuttlebus, der nach Inzell zurück fährt. Kein Interesse! Die Euphorie ist allerdings erst mal weg, es heißt jetzt Zähne zusammenbeißen, Rucksack aufsetzen, weitermarschieren.

Im Moor und an vielen anderen Stellen der ganzen Tour hängen viele Schautafeln, ich hätte viel lernen können, aber stehen bleiben wird vermieden… Mehrmals hält neben uns ein kleiner Bus, „Besenwagen“ genannt, und ein Helfer fragt, ob es uns gut geht, oder ob wir vielleicht mitfahren wollen. Das „Nein,danke“-Sagen gibt extra Energie! Die Müdigkeit ist gar nicht so schlimm, wir reden nicht viel, gehen einfach immer weiter, mechanisch.

Gegen 4.20 Uhr fangen die Vögel an zu singen!

Ein Käuzchen ruft, von Minute zu Minute wird es heller, um 4.40 Uhr mache ich die Stirnlampe aus. Es geht weiter auf dem Forstweg durch den Wald. Als wir den verlassen, sehen wir leider keinen Sonnenaufgang, denn die Wolken hängen tief. Schade. Inzell kommt in Sicht. In Einsiedel steht ein Pfarrer und hält einen Gottesdienst! Sehr schöne Atmosphäre, aber langsam schmerzen die Füße bei jedem Schritt und wir schleichen die Wiese weiter Richtung „Ziel“. 5 km sind noch angekündigt, Tee soll es noch geben und Sekt. Aber ein normales Wanderschild weist die Strecke bis Inzell in anderer Richtung mit 30 Minuten aus – und zu 4. entscheiden wir uns für die Abkürzung.

Und dann stoppt ein Besenwagen und wir steigen ein.

Es hat gereicht, ich wollte keinen Sekt mehr und nicht weitere 5 km Talhatscher, ich wollte sitzen. Um 6 Uhr bin ich an der Arena, es gibt Kaffee und Brötchen und Kuchen, Möglichkeit für Finisher-Fotos, immer mehr Leute kommen, alle erzählen erschöpft und fertig und glücklich von ihren Abenteuern, trinken Bier. Es gibt noch ein paar offizielle Worte, das Allgäu wird als nächster Austragungsort vorgestellt und Tickets dafür werden verlost. Ich sitze im ersten Hotel-Shuttle, genieße die Dusche und liege um 9 Uhr ganz schön zufrieden im Bett!

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Großes Danke an Bayern Tourismus für die Einladung, an die Sponsoren und die vielen vielen Helfer! Viele Berichte, Meinungen, Fotos und Links findet ihr auf der Facebook-Seite der 24 Stunden von Bayern und ich versuche, in den nächsten Tagen auch hier noch ein paar Links zu anderen Blogger-Berichten unterzubringen. Und mehr Fotos und mehr wichtige Gedanken.

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*Respekt heißt übersetzt: Wahnsinn, schön für dich, aber ich würde so etwas nie machen wollen, warum macht man so was?

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Hier geht es zu allen meinen Berichten zu den 24 Stunden von Bayern

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, in München, in den Alpen und weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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3 Kommentare »

  1. […] schon der Ehrgeiz gepackt – auch wenn ich nicht so “wahnsinns” Sachen mache wie Stefanie von gipfel-glueck.de mit ihren 24 Stunden von Bayern. Auf alle Fälle hat die Woche in den Bergen wieder Lust auf mehr gemacht – und ich habe […]

  2. […] drei Wochen waren die 24-Stunden von Bayern. Steffi, eine Blogger-Kollegin aus München hat dort teilgenommen und per Twitter berichtet. Bei über 30°C und strahlendem […]

  3. […] Mit drei Zielen bin ich dieses Jahr in die legendären 24 Stunden von Bayern gestartet. Nachdem es letztes Jahr schon fantastisch war, wollte ich dieses Jahr noch folgendes […]

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