Berchtesgadener Alpen: Schneeschuhtour über das Königstal zum Stahl-Haus

Das Königstal – klingt nach Ägypten, liegt aber versteckt in den Berchtesgadener Alpen, zwischen Jenner und Schneibstein ungefähr. Ich erzähle euch heute von einer traumhaften Schneeschuhwanderung zum Carl-von-Stahl Haus, mit Start am zugefrorenen Königsee, mit stellenweise unberührtem Schnee, herrlichem Sonnenschein, atemberaubenden Ausblicken auf den Watzmann und seine Nachbarn, und das ganz ohne Trubel und Menschenmassen.

Blick zum Watzmann

Einsam war es zwar zu keiner Zeit, aber das Königstal scheint selbst unter den einheimischen Skitouren Gehern nicht sonderlich bekannt zu sein, und verständlicherweise mag auch niemand davon reden zu wollen, wie das so ist bei Geheimtipps – bis dann eine Bloggerin ankommt und alles verrät.

Winterstimmung in den Berchtesgadener Alpen

Der erste Teil der Tour ist gar nicht so geheim – wie sollte das auch gehen am Königssee Parkplatz (604m). Zunächst noch ohne Schneeschuhe steigen wir am Rand der Skipiste unter der Jenner-Bahn hinauf bis zu einem Skitouren Abzweig, dem wir auf einen schmalen Pfad folgen. Es geht durch lichten Wald bis wir auf einen größeren Weg stoßen: die Hochbahn. Immer wieder müssen die Skitourengeher hier ihre Ski tragen, auf dem schattigen Forstweg liegt kaum noch Schnee. Was sich aber ändert, je höher wir kommen. Der Weg ist noch so breit, dass drei Personen nebeneinander gehen können.

Auf der Hochbahn über dem Königssee

Dafür tief unter uns: der Königssee. Zu einem großen Teil scheint er zugefroren, doch Schmelzbäche haben das Eis zum Teil schon aufgebrochen. Lärm schallt heute herauf, aber nicht vom Echo sondern von der Skeleton Weltmeisterschaft, die in Schönau stattfindet.

Blick von der Hochbahn zum zugefrorenen Königssee

Nach ca 1 1/2 Stunden erreichen wir die tief verschneite Königsbachalm (1.200m). Die Bäume sind neuschneebedeckt, alles glitzert in der Sonne. Noch vor den Almgebäuden biegen wir links ab, ohne Schneeschuhe geht es jetzt nicht mehr, der Weg ist nur so breit wie zwei Ski nebeneinander. Wir gehen jetzt steiler bergauf in die Sonne, der Blick zurück zum Watzmann ist unbeschreiblich. Mehrmals kommen wir an Wegweisern Richtung Jenner vorbei, grob schlagen wir auch diese Richtung ein.

kurz vor der Königsbachalm
Blick zurück auf die Königsbachalm

Die Geheimtipp-Tour beginnt dann an einem unscheinbaren Holzwegweiser Richtung Königstalalm. Die Spur ist nun noch weniger begangen als alles zuvor, aber zumindest ist eine Spur vorhanden, ohne sie wäre es für Schneeschuhwanderer schon sehr anstrengend hier.

Wegweiser zur Königstalalm

An der Bärenwand vorbei geht es über einige Serpentinen im Wald höher und höher bis der Wald sich öffnet und nach einer letzten Serpentine die ganze Pracht vor uns liegt – die Südseite des Jenner, das Hohe Brett, das Königstal, Schneibstein, Reinersberg, Windschartenkopf, uvm.

Auf der Königstalalm mit Blick zum Hohen Brett
Königstal

Einzelne Skifahrer sausen unverspurte Hänge hinunter. Trubel von Königssee und Jenner scheinen unendlich weit entfernt. Es wird nun sehr steil für uns, die Schneeverhältnisse erlauben es, den freien steilen Hang ziemlich direkt hinauf zu gehen, bei ungünstigeren Lawinenverhältnissen sollte man aber auf den links abgehenden Pfad am Wald ausweichen.

Steil hinauf – Königstalalm Berchtesgaden

Am Ende des Hangs erreichen wir ein kleines sonniges Plateau, von dem aus wir die nächste Etappe überblicken können. Auf einem herrlich sonnigen Grat führt ein Pfad zum Schneibsteinhaus hinüber und dann weiter zum Stahlhaus direkt hinter der Grenze nach Salzburg.

Grat, Hütten, Berge

Die Terrasse am Stahlhaus (1.736m) ist zwar gut besucht, aber wir finden schnell einen Tisch, ruckzuck stehen Getränke vor uns und ein Teller Teufelseintopf. Am Panorama kann man sich gar nicht satt sehen. Welch Privileg hier sitzen zu dürfen!

Teufelseintopf am Carl-von-Stahl-Haus
Panorama am Stahlhaus

Die beiden Skifahrer aus unserer Gruppe verabschieden sich nun, verständlicherweise haben sie jetzt keine Lust mehr auf die langsamen Schneeschuhwanderer zu warten. Wir überlegen noch – den steilen Weg die Skipisten hinunter kennen wir noch von Ostern (siehe Bericht Schneeschuhwanderung Jenner) und das muss eigentlich “nicht schon wieder” sein. Hinüber zum Jenner und mit der Seilbahn hinunter? Hm.

Wander-Wegweiser im Schnee

Da erinnern wir uns an die vielen Wegweiser am Morgen zum Jenner! Querfeldein geht es einen Hang hinunter bis wir auf den breiten Weg treffen, der von der Königsbachalm zum Jenner führt. Bingo. Unser Aufstiegsweg durchs Königstal war viel schöner, aber dieser Weg ist zum Abstieg jetzt perfekt, und so viel schöner als die Skipiste.

Abstieg vom Stahlhaus – Blick zurück
Tief verschneite Almhütte in den Berchtesgadener Alpen

Am Rückweg schauen wir uns die Almhütten der Königsbachalm von nahem an und genießen die Ruhe auf der Hochbahn, nur vereinzelt kommen noch Ski- oder Schneeschuhwanderer entgegen. Wir queren dann die Skipiste und folgen der Hochbahn bis zu den Häusern von Königssee – und dieser Weg wird sogar im Rother Schneeschuhführer Chiemgauer Alpen mit Berchtesgadener Alpen und Kaisergebirge empfohlen, von wegen Geheimtipp…

Gipfelglück auf dem Weg zum Stahlhaus
Foto: @bergundball

Fazit: Diese Tour wird noch lange in Erinnerung bleiben, solch perfektes Wetter, perfekte Bedingungen hat man selten. Die Tour ist eher für fortgeschrittene Schneeschuhwanderer mit guter Kondition, insgesamt kommt man auf 1.150 Höhenmeter, in ca 6 Stunden (incl Pausen). Die beschriebene Route ist eher eine Skitour, wenn gespurt ist, ist es aber auch für mit Schneeschuhen machbar.

 

Datum der Tour: 25. Februar 2017

Alle Höhenangaben aus dem Rother Schneeschuhführer Chiemgauer Alpen.*

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Skispur in Richtung Königstal
Königsbachalm
Berchtesgadener Alpen-Panorama: Schneibstein, Reinersberg und Windschartenkopf
Jenner Südseite

 

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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