Zum Abschied: eine Hommage an Münchens schönste #BiketoWork Strecke

Biketowork = ♡
Biketowork = ♡

Zum vorerst letzten Mal bin ich heute die Strecke Schwabing – Laim – Schwabing gefahren, mit dem Radl zur Arbeit. 10 Kilometer eine Strecke, ergibt nach 5 Jahren mit durchschnittlich 4 BiketoWork Tagen pro Woche…ganz schön viele Kilometer durch München.

Bei Sonne, Wolken, Nebel, Schnee und Nieselregen. Bei strömendem Regen am Morgen bin ich ins Auto gestiegen, bei strömendem Regen erst am Abend bin ich trotzdem nach Hause geradelt, unter Dauerjammern zwar aber geradelt. Auch bei Hagel, Graupel und Schneeregen. Dann sind 10 Kilometer lang. Bei Sonne und blauem Himmel sind sie ein großes Vergnügen.

Als Abschiedsgruß und als Hommage erzähle ich euch heute von den Highlights auf dieser Strecke, auch von den Lowlights, vor allem soll damit aber deutlich werden warum es sich lohnt, jeden Tag automatisch aufs Rad zu steigen.

Ein wenig ist es „Täglich grüßt das Murmeltier“, und doch ist es jeden Tag ein wenig andres.

Sonnenaufgang über Schwabing. Im Januar.
Sonnenaufgang über Schwabing. Im Januar.

Die ersten Meter am Morgen, meist gegen 7:30 Uhr, stimmen dich in den Tag ein. Sind sie Überwindung oder Genuss von Anfang an? Handschuhe, lange Unterhose und Stirnband unterm Helm? Oder ist es der langersehnte erste Tag mit kurzen Hosen? Wind von vorne oder Wind von hinten? Meist herrscht in München Westwind, was Gegenwind am Morgen, Rückenwind am Abend bedeutet. Nach ein paar Metern weiß man, ob es eine leichte Tour wird oder ein Ankämpfen gegen den Wind und eine fix-und-fertig Ankunft am Schreibtisch.

Biketowork auch bei Schnee!
Biketowork auch bei Schnee!

Die Rampe zum Petuelpark ist einer von drei Ein-kleines-bisschen-bergauf-Abschnitten. Meistens grinsend genommen, weil an der Einfahrt zum Petueltunnel fast immer vor Stau gewarnt wird. Sonne in Schwabing heißt übrigens nicht Sonne in Laim, manchmal scheint es, dass man auf der Fahrt nach Süd-West in eine andere Klimazone fährt.

Die Rampe zum Petuelpark.
Die Rampe zum Petuelpark.

Im Petuelpark kommt Fernweh auf, beim Anblick vom Esel und seinem Reiter…

Der Reiter im Petuelpark.
Der Reiter im Petuelpark.

… das Café schläft noch, man erblickt Olympiaturm, BMW- und O2 Gebäude – oder auch nicht, wenn dichter Nebel herrscht.

Café Ludwig am Morgen
Café Ludwig am Morgen

Der Olympiapark ist am Morgen mein Lieblingsabschnitt. Am See vorbei, wo sich mal das Stadion oder das Riesenrad im glatten Wasser spiegeln, mal Wellengang alles aufwühlt. Wo Schneekanonen ein Skirennen vorbereiten, das dann doch nicht stattfindet. Wo die Bäume blühen. Die Tretboote ausgepackt werden. Die Enten ohne rechts und links zu schauen über den Weg spazieren. Wo Heu gemacht wird. Wo Mückenschwärme einen die Luft anhalten lassen. Wo man an Open Air Kino, Marathonabsperrung, Basketballplatz und Tollwood-Gelände vorbeikommt.

Olympiapark im Nebel
Olympiapark im Nebel
Und der Olympiasee an einem perfekten Morgen.
Und der Olympiasee an einem perfekten Morgen.

Der Kiosk mit mysteriösen Öffnungszeiten am Dantebad duftet sensationell nach Croissants, bevor einem ein Lastwagen den Radweg blockiert, dem man nur ein bisschen böse ist – liefert er doch Bierfässer an.

Kurz vor dem Rotkreuzplatz kommt man an der Neuhauser Bücherei vorbei – und Dank eines (Drive-In) Automaten kann man praktischerweise gleich in der Früh schon Bücher zurückgeben.

Praktisch: Bücherei-Bücher zurück geben am Morgen
Praktisch: Bücherei-Bücher zurückgeben am Morgen

Der Westwind erfasst einen voll auf dem Stück zwischen Rotkreuzplatz und Hirschgarten, man liefert sich Hase-und-Igel-Rennen mit dem Linienbus, in den Vorgärten blühen im Frühling immer die tollsten Krokusse und Schneeglöckchen. An der Jugendherberge muss man fast täglich die Urlauber vom Radweg verscheuchen.

Der Tümpel im Hirschgarten
Der Tümpel im Hirschgarten

Kopfsteinpflaster am Eingang zum Hirschgarten – im Gewusel aus Radfahrern, Fußgängern und Enten bin ich jedes Mal froh, wenn ich nicht in den stinkenden Tümpel falle. Innerlich kehrt jetzt etwas Ruhe ein, endlich keine Autos mehr, die Radfahrer beim Rechtsabbiegen übersehen, die viel zu dicht überholen, die beim Parken einfach ihre Türen aufreißen. Morgens im Hirschgarten sind ein paar Jogger unterwegs, die Hirsche und Rehe genießen ihre Ruhe, im Biergarten werden die Tische gewischt. Wiesen im Morgentau, mächtige Bäume, Schlitten-Spuren, Müllberge von Grill-Gelagen am Wochenende.

Hirschgarten an einem frostigen Herbst-Morgen
Hirschgarten an einem frostigen Herbst-Morgen

Schließlich die Laimer Unterführung mit ihren Straßenmusikanten. Die Qualität hat 2016 leider stark nachgelassen, zu viel melancholisches Melodika-Gejaule. Aber durch den Tunnel dröhnende E-Gitarren oder der Spanier mit seiner Gitarre und täglichem Guantanamera haben oft zum Radlglück beigetragen.

Parkplatz - hier wartet das Radl auf den Feierabend
Parkplatz – hier wartet das Radl auf den Feierabend

An warmen, sonnigen Vormittagen fällt es schwer, das Radl 10 Kilometer später vor dem Büro in Laim abzustellen. Einfach weiterfahren, ab in den Süden, Träume müssen Träume bleiben, die Vernunft geht vor, es heißt ja #biketowork.

Schnell noch ein Bild auf Instragram hochladen und auf Twitter schauen, was andere Leute über ihr morgendliches Radlfahren zu erzählen haben. Und am Abend dann die Gegenrichtung.

Der Hirschgarten im Sommer voller Menschen, radeln unter eine Grill-Rauch-Wolke, unter Volleyball-Beschuss, mit einem Stop im Biergarten. Oder wenigstens an der Eisbude.

Wobei es beim Thema Eis sinnvoller ist, noch einen Kilometer weiter zum Rotkreuzplatz zu fahren. Feierabend bei Sarcletti. Oder auf dem Weihnachtsmarkt. Oder im langweiligeren Fall die Einkäufe erledigend, bei Edeka, DM, Kaufhof, Hugendubel, im Himmelblau.

Eis von Sarcletti am Rotkreuzplatz
Eis von Sarcletti am Rotkreuzplatz

Ein herrlicher Anblick im Winter: die Dampfschwaden über dem Dantebad (darüber habe ich hier geschrieben).

Weiter. Freitags laufen manchmal Eishockey Fans durch den Olympiapark. Die sind mir so viel lieber als die rücksichtslosen Fahrer der dummen Sightseeingbahn, die am Handy spielend über den Radlweg rasen.

Blühende Bäume im Olympiapark
Blühende Bäume im Olympiapark
Olympiapark-Bewohner
Olympiapark-Bewohner

Endspurt. Der Petuelpark ist an Winterabenden sehr dunkel, Hunde sind glücklicherweise oft an leuchtenden Halsbändern zu erkennen. Ein Hindernis der anderen Art im Sommer: die sonnigen Plätze des Café Ludwig. Oft steht die Hoibe Tegernseer schon auf dem Tisch, bevor man „och ja, nur mal kurz“ denken kann.

Feierabend im Café Ludwig
Feierabend im Café Ludwig

Das Positive am #biketowork: Frische Luft. Bewegung. Es ist der schnellste Weg durch die Stadt und der schnellste Weg, abends den Kopf frei zu bekommen. Zu viel Büro-Süßigkeiten? Kein Problem, die Kalorien radelt man schnell wieder runter. Kaum Erkältungen. Keine Abgase erzeugend, keinen Lärm (außer wenn man berechtigterweise die Fußgänger zur Raison klingeln muss). Eine Grundkondition. Kein Po-an-den-Sattel-Gewöhnen nach dem Winter.

Das Negative am #biketowork: Die Autos. Bzw deren rücksichtslose Fahrer. Die das Radlfahren in München zu gefährlichem Extremsport machen – und nicht jeder hat das Glück, durch so viele Parks zur Arbeit fahren zu können (siehe die Erfahrungen von Chez @heibie). Schwierig sind auch die Fußgänger, die verträumt auf dem Radlweg herumspazieren und dann noch sauer sind, wenn man sie durch Klingeln darauf aufmerksam macht. Das Schlimmste aber: wenn es morgens trocken ist, und der Regen dann im Laufe des Tages kommt. Man weiß wie schlimm 10 km im Regen sind. Und die Dunkelheit im Winter, die ist brutal. Umso schöner der erste Tag, wenn man ohne Licht nach Hause fährt!

Ja und jetzt wo der Job in Laim Vergangenheit ist, werde ich die Strecke nicht mehr so oft fahren. Wenn ich mir das realistisch überlege, wird es wohl häufiger die Strecke Haus – Café Ludwig – Haus werden. Ohne den Umweg durch die halbe Stadt…

 

Noch ein paar Tipps für eure Biketowork-Touren:

  • im Büro lagern Deo, Haarbürste, Schuhe für tagsüber, eine alte Regenhose – das muss man nicht alles jeden Tag mitschleppen.
  • es lohnt sich in guten Regenschutz zu investieren: Helmüberzug, Schuhüberzug, eine wirklich wasserdichte Fahrradtasche, Neonwarnweste. Und eine wirklich warme Jacke. Es gibt schlechtes Wetter. Aber gute Ausrüstung macht einen tapfer und tougher.
  • anderen Radlfahrern, denen man täglich an der gleichen Stelle begegnet, einfach mal guten Morgen sagen. Lächelnde Begegnungen tun immer gut, auch wenn man nichts von diesen Menschen weiß als einen Teil ihres täglichen Weges, ob sie bei Regen fahren, ab wann sie auf kurze Hosen umsteigen und ähnliches.
  • Morgens nicht lange über das „Ja oder nein“ nachdenken. Ist es trocken? Dann sofort Radlkleidung anziehen.
  • Am Anfang experimentieren bis man die perfekte Strecke gefunden hat. Nach Parks suchen, Schrebergärten, Fahrradstraßen. Eisdielen.
  • Aufpassen. Fußgänger, LKWs, Autos sind gefährlich und rücksichtslos und man darf sie durchaus anbrüllen anklingeln. Trotzdem Nerven behalten.
  • Lernt, freihändig zu fahren. Man sitzt automatisch aufrechter und viel entspannter. Es ist Übungssache!

Weiterlesen

Über das Biketowork im Herbst I

Über das Biketowork im Herbst II (mit Interviewpartnern)

Über das Biketowork im Winter (mit Interviewpartnern)

Über Radltouren, Moutainbiken uvm

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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3 Comments

  1. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im Mai 2016 - soschy on tour

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