Bergsteiger-Vorträge: Kurt Diemberger und Oswald Oelz

Diemberger, Dehler und Oelz im Alpinen Museum
Gipfelglück zwischen Kurt Diemberger und Oswald Oelz

Welch Fest war der Abend neulich im März, als ich im Alpinen Museum in München einen ganzen Abend den Bergsteiger-Erlebnissen von Kurt Diemberger und Oswald Oelz lauschen durfte! Zwei grandiose Erzähler, bei denen man hofft, dass sie einfach nicht mehr aufhören zu erzählen! Und wie froh ich bin, das Foto mit den beiden zu haben, auch wenn sie mit Bücher signieren viel zu beschäftigt waren und keine Zeit hatten in die Kamera zu schauen.

Bei Kurt Diemberger wusste ich nach dem Vortrag im letzten Jahr ja schon, was mich erwarten würde – und einige andere im Publikum auch, während der Begrüßung erwähnte die Veranstalterin vom Museum nämlich ihre Vorfreude auf Diembergers Film vom tanzenden Müllsack am K2 (glaube ich…) – und alle, die schon einmal bei einem von Diembergers Vorträgen waren, freuten sich direkt mit.

Oswald Oelz war mir bisher relativ unbekannt – sein Name war aber in einem Vortrag von Reinhold Messner vor einiger Zeit mal aufgetaucht. Was Oelz gleich sympathisch machte: seine Augen strahlten mindestens so sehr wie die der Zuhörer, als er sich erst einmal darüber freute, an diesem Abend in einem Atemzug mit Diemberger genannt zu werden.

Umgekehrt schien Diemberger genauso begeistert von Oelz, er lauschte, lachte, klatschte. Zum Beispiel beim Vergleich eines Gipfelerfolgs in der Antarktis – als „ähnlich wie andere physiologische Höhepunkte, nur viel länger“ bezeichnete Oelz seine Tour zum Mount Vinson – und Diemberger war der erste, der begeistert lachte ;-)

Kurt Diemberger
Kurt Diemberger

Den Inhalt nachzuerzählen ist hier gar nicht möglich- deswegen einfach ein paar Stichpunkte und Gedanken. Es ging um Achttausender, um Nepal und Pakistan, um die Alpen, Afrika, Nord- und Südamerika. Um den Everest im Jahr 1978 und im Jahr 2012, um 7 Summits und Nordwände und Kamelritte. Von Experimenten mit Höhenmedizin und ersten Film- und Tonaufnahmen aus dem Himalaya und dem Karakorum. Um Gelassenheit und Risiken, Halluzinationen und Whisky.

Tragik und Komik lagen stets dicht nebeneinander, Sehnsucht nach den hohen Gipfeln, nach Abenteuer und Fernweh deutlich im Saal spürbar. „Aufgeben kann man, wenn man tot ist“, dieses Zitat von Oelz gefällt mir. Nur wer sich durchbeißt, steht irgendwann am Gipfel! Und wenn man Pech hat macht es keinen Unterschied, ob man 2000 Meter eine Wand hinabstürzt oder 4000 Meter. Ein Thema, das immer wieder zur Sprache kommt: die großen Abenteurer haben immer ihr ganzes Geld im Alltag gespart und dann für Expeditionen und Reisen ausgegeben. Halte ich ebenfalls für eine gute Lebensstrategie.

Dilemma Ökobilanz, nach Nepal fliegen ist wenig naturfreundlich. Dazu Oelz (in meinem Worten, aus den Notizen, die ich mir im dunklen Saal auf ein Papier geschmiert habe..): die Menschheit wird nicht ruhen, bis der letzte Tropfen Öl verbraucht ist – also kann ich auch dabei mitmachen, nach Nepal fliegen und dafür im Alltag möglichst nur Fahrrad fahren oder laufen. Eine Ansicht, die ich absolut teile!

Himalya
Der Everest und seine Nachbarn

Ein Unterschied zum ersten Diemberger-Vortrag: jetzt kann ich (ein wenig…) mitreden bei den 8000ern. Ich habe mit meinen Augen den Dhaulagiri gesehen, und friedlich und einsam den Everest vom Flugzeug aus. Mir war im letzten Oktober schon bewusst, dass nach diesem Moment die Welt für mich eine andere ist, und bei den Bildern und Berichten an diesem Abend konnte ich auch durch meine Nepal-Erinnerungen still vor mich hin grinsen.

Das Alpine Museum ist ein toller Veranstaltungsort, der Abend mit Diemberger und Oelz war der letzte einer Reihe von Vorträgen zum Thema „Welten Entdecken“- die anderen der Reihe habe ich leider alle verpennt, da werde ich in Zukunft mal mehr ein Auge drauf haben, denn ich fand die Umgebung viel angenehmer zum Zuhören als die riesigen Kino- oder Konzertsäle. Außerdem gab es hinterher noch ein gemütliches Beisammensein in der Bibliothek des Museums (die ich unbedingt mal mit viel Zeit besuchen muss!)  – ohne Popcorngeraschel sondern mit Wein und Brot!

Ich kann jedem Leser sehr ans Herz legen, mal zu einer Veranstaltung mit Diemberger und Oelz zu gehen, die haben Dinge erlebt und Leute gekannt, die der Wahnsinn sind, und sie können einfach erzählen und damit die Zuhörer an ihren Abenteuern teilhaben lassen.

——-

Das Alpine Museum München hat mich zu dem Vortrag eingeladen, vielen Dank dafür!

—–

Andere Bergsteiger-Vorträge:

Kurt Diemberger

Nehberg, Kaltenbrunner, Dujmovits

Simone Moro

Alix von Melle

——-

Gefallen?Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann freue ich mich, wenn du ihn über Facebook, Twitter oä deinen Freunden weiterempfiehlst. 

Hast du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Stelle sie unten im Kommentarfeld oder über das Kontaktformular.

Du möchtest künftig keine neuen Artikel verpassen? Dann empfehle ich dir den neuen Newsletter, das WhatsApp Abonnement, werde Fan auf der Facebook Seite oder folge Gipfelglück auf Twitter oder Instagram. Einen RSS Feed gibt es natürlich auch. Danke für’s Lesen!

Stefanie Dehler
Folgt mir:

Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
Folgt mir:

2 Comments

  1. Und wieder machst Du der gipfelglücklichen Stefanie alle Ehre. Kurt Diemberger hätte ich liebend gerne bei den letzten Bergsichten in Dresden gesehen. Leider versaute mir das eine Dienstreise. Dafür freue ich mich jetzt mal mit Dir, dass Du ihn erlebt hast.

    Viele Grüße, Bernd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.