Buchtipp: Das Große Los

Buchtipp Das grosse LosWenn ihr dieses Jahr nur ein Buch lest, dann lest „Das Große Los“ von Meike Winnemuth. Aber lest es langsam und mit Bedacht und erfreut euch an den schönen Träumen und Gedanken, die euer Gehirn dabei loslässt.

Bevor ich mehr zu diesem Buchtipp schreibe, ein Einschub. Das Große Los war zuerst ein Blog, Vor mir die Welt. Auch bei der Antarktis Tour von Cas & Jonsey war zuerst das Internet, mit Twitter und Youtube und Google Maps (ich habe im Rahmen der Banff Film Tour davon erzählt), und hinterher der Film. Ich selbst hätte liebend gern in Nepal von unterwegs aus schon mehr gebloggt als den einen Bericht aus Kathmandu. Denn die Frage, schreibe ich von unterwegs ODER erst hinterher, stellt sich meiner Meinung nach nicht, so viel spannender ist das Berichten unmittelbar von einer Tour UND hinterher, in anderem Format.

Sydney
Sydney, 2008

Erzählen von unterwegs zeigt Momentaufnahmen, emotionaler, mehr Details. Bei allem Tagebuchführen und Notizenschreiben geraten manche Begebenheiten in Vergessenheit oder im Nachhinein erscheinen sie unwichtig. Ins Blog, auf Instagram, wirken sie unmittelbar, lassen den Leser direkt teilhaben, unreflektiert, spontan. Hinterher, nach Abschluss der Reise, da schreibt man über das große Ganze, die Zusammenhänge, die man erst mit etwas Abstand begreift. Die einem erst später bewusst werden. Und es ist ein wunderbares Lesegefühl, im Buch Dinge wiederzuerkennen, die man im Blog schon auf Fotos gesehen hat, bei denen man fast Live dabei war. So soll es sein, das Lesen, für mich!

Zurück zum Buch, ich habe mir jeden Abend nur ein Kapitel „gegönnt“, auch wenn ich es in einem Rutsch, in einer langen Nacht hätte durchschwimmen können. Manchmal ergab es sich morgens, dass zwischen Zähne putzen und zur Arbeit losfahren noch 10, 15 Minuten Zeit waren, geschenkte Zeit, um ein paar Seiten weiter zu lesen.

Havanna
Havanna, 2009

Meike Winnemuth ist ein Jahr lang durch die Welt gereist, hat jeden Monat in einer anderen Stadt gelebt und hat ein Jahr lang gemacht worauf sie Lust hatte. Darüber hat sie gebloggt und für andere Medien geschrieben (sie ist Journalistin), mit dem Luxus Zeit zu haben und nicht jeden Pfennig rumdrehen zu müssen. Reiseroute: Hamburg-Sydney-Buenos Aires-Mumbai-Shanghai-Honolulu-San Francisco-London-Kopenhagen -Barcelona-Tel Aviv-Adis Abeba-Havanna-Frachtschiff-Hamburg.

Von der ersten Zeile an macht dieses Buch selbstverständlich höllisches Fernweh. Ich wollte sofort meinen Rucksack packen, die Wohnungstür hinter mir zu werfen, und los. Gleichzeitig kamen aber auch so schöne Erinnerungen aus irgendwelchen Ecken des Gehirns nach vorne gekrochen, Erinnerungen an die jeweilige Stadt (Sydney, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Havanna – 6 von 12, keine schlechte Ausbeute, siehe auch die Fotos) aber auch an mein eigenes 1-Jahr-unterwegs, auch wenn das sehr anders aussah.

Barcelona
Barcelona, ca 2003

Anders, aber mit vielen kleinen Momenten, wie sich morgens so viel Zeit nehmen können für die erste Tasse Tee. Bücher lesen, die man immer schon mal lesen wollte. Mit wildfremden Menschen tolle Gespräche führen oder spaßige Dinge unternehmen. An Orten sein, an denen man sich sofort heimisch fühlt, oder auch wo man hinterher froh ist, wieder weg zu sein. Was mich (schon damals im Blog auch) am meisten gepackt hat, und wo ich jetzt unbedingt hin will: Äthiopien!

Meike Winnemuth hat einen Schreibstil, der mir sehr sehr gefällt (schon immer), ich mag ihre Begeisterung  für die kleinen Dinge und für das große Ganze, und die unzähligen Beschreibungen dieses Glückgefühls, dass einem nur das Reisen bringt, dieses „Was für ein Glück, dass ich hier sein darf, dass ich das erleben darf“. Das man nicht nur auf einer Weltreise erfahren kann sondern auch in ein paar Wochen Nepal oder ein paar Tagen Liverpool oder einem Tag in den Alpen.

San Francisco
San Francisco, 2004

Leider war Winnemuth viel zu wenig in den Bergen. Fast immer am Meer, ohne Frage in tollen Städten, aber eben nicht in den Bergen. Was aber ok ist, denn der Hauptgedanke für mich nach dem Lesen: jeder ist seines (Gipfel-)Glückes Schmied. Man kann viel aus seinem Leben machen, man muss nur herausfinden, was man wirklich will. Und dann checken, was sich aus den Lebensumständen, dem Alltag machen lässt. Nicht jeder kann oder will den Rucksack nehmen und aus dem Alltag hinausspazieren. Ein erster Schritt ist, jeden Abend ein Kapitel aus „Das große Los“ zu lesen.

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Der Knaus Verlag hat mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür! Auf der Verlagswebsite findet ihr Interviews, Ecards und mehr zum Buch. Meike Winnemuth ist derzeit auf Lesereise und Mitte April in München und ich freue mich schon auf die Widmung, die dann mein Buch zieren wird. Wer das Buch bestellen will, bitte sehr: Das große Los bei Amazon*

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Ach, hier gibts noch den Trailer zum Buch:

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*Amazon-Partnerlink. Clickt und bestellt, dann freue ich mich über eine kleine Provision.

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
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4 Comments

  1. Birdie

    Ein wirklich toller Beitrag zum Buch.
    Ich wurde von einer Freundin zu einer Lesung mitgenommen, ohne zu wissen was mich da erwartet.
    Ich war so begeistert von der Lesung das ich mir dann natürlich gleich das Buch kaufen musste. Und ich habe es nicht bereut :)

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