Buchtipp: Freitags in der Faulen Kobra

Cover Freitags in der Faulen KobraFreitags in der Faulen Kobra“ ist ein 447-Seiten-Roman, den man in einem Rutsch von vorne bis hinten durchlesen könnte. Um ihn dann zuzuklappen und auf den 3. Band zu warten. Der erste Roman von Stefan Nink, Donnerstags im Fetten Hecht, hatte mich schon sehr begeistert und zum Glück ist das neue Buch genauso großartig. Vielleicht besser, denn ein Buch mit Neuseeland ist immer besser als ein Buch ohne Neuseeland. Und ich habe es nicht in einem durchgelesen, sondern immer mal Pause gemacht, um länger was davon zu haben.

Musik spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle – Musik, die im Teehaus „Zur Faulen Kobra“ in Jodhpur in Indien läuft, Lieder, die Bergführer singen, Songs, die wichtig für das jeweilige Reiseziel sind. Ich habe erschreckend wenige der Lieder gekannt und deshalb mal schnell einen Soundtrack gebastelt, den ihr über Spotify hören könnt.*

Man muss „Donnerstags im Fetten Hecht“ nicht gelesen haben um Spaß an „Freitags in der Faulen Kobra“ zu haben. „Wiederholer“ werden an ein paar Episoden erinnert, erkennen vielleicht auch ein paar Figuren wieder, aber es sind zwei unabhängige Geschichten. Hauptperson ist Siebeneisen, der wieder einmal durch die Welt reisen muss, auf der Suche nach Teilen einer Statue dieses Mal.

Wobei „muss“ nicht ganz stimmt – auch wenn er wieder lauter furchtbare Dramen erlebt, er gönnt sich durchaus mal ein paar Annehmlichkeiten auf der Tour, genießt das Reisen**, hat seine Freundin Lawn dabei und kommt an tolle Orte dieser Welt. Überhaupt, Lawn, die Dame ist schon zu bewundern, dass sie es mit einem Typen wie Siebeneisen aushält, denn er ist im Grunde genauso ein Schlauschwätzer wie Schatten und Wippferführt, das fiel im Fetten Hecht noch nicht so auf. Lawn erträgt das erstaunlich gut – und doch glaube ich, dass sie an einer Stelle ganz bewusst einfach in einen bestimmten Bus steigt… aber ich will nicht zu viel verraten.

Die tanzende Kobra. Foto: Stefan Nink
Die tanzende Kobra.
Foto: Stefan Nink

In „Freitags in der Faulen Kobra“ kommen sogar ein paar Outdoor-Themen vor, auch wenn Siebeneisen rumjammert ohne Ende, so besteigt er doch den Mitre Peak in Neuseeland, auf dessen Gipfel nicht mal ich war (aber ich habe im Milford Sound ja auch die tollen Wasserfälle nicht gesehen, wegen zu gutem Wetter)…

 

Milford Sound in Neuseeland
Milford Sound in Neuseeland

… und er macht eine fantastisch klingende Klippen-Wanderung in Hawaii, den Kalalau Trail, der Hawaii auf meiner persönlichen Wunschliste um einige Stellen nach oben katapultiert hat. Südafrika kommt reiseberichtstechnisch ein wenig zu kurz, die Ereignisse sind aber sehr lesenswert, vor allem im Nachhinein. Nach London kann muss man eh immer mal wieder fahren und die Beschreibung des „Prospect of Whitby“ hat die Dringlichkeit extrem gesteigert. Für Churchill in Kanada und die Nordlichter würde ich eh alles stehen und liegen lassen. Kurz gesagt, das Buch macht höllenmäßig Fernweh, das muss man vorher wissen, wenn man anfängt zu lesen.

Henry the Tuatara, Invercargill, Neuseeland
Henry the Tuatara, Invercargill, Neuseeland

„Freitags in der Faulen Kobra“ ist insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Buch, von Anfang an äußerst lustig und herrlich klugscheißerisch, Alf wird zitiert, von James Cook erzählt, es gibt ein geheimnisvolles Tagebuch und ein Gemälde, Siebeneisens Facebook-Seite darf vorkommen, und Whatsapp hat einen Gastauftritt. Bei Schatten und Wipperfürth in der Faulen Kobra in Indien ist’s so nervig, dass man sich immer freut, wenn die Geschichte wieder zu Siebeneisen wechselt, und doch kann die Geschichte ohne Indien gar nicht funktionieren.

Kurz gesagt, jeder, der Bücher liebt und Reisen, sollte diesen Roman auf jeden Fall lesen. Wer nicht gerne reist, kann das Buch natürlich auch lesen und sich bestätigt darin fühlen, dass es zu Hause doch am Schönsten ist. Und ich hoffe, dass es Siebeneisen sehr bald wieder in die Welt zieht – aber samstags kommt doch schon das Sams?!

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*Pur habe ich bewusst weggelassen, es ist schlimm genug, dass ich die Lieder kannte. Und mich hier damit auch noch oute…Evtl sind auf der Liste oben nicht alle Lieder drauf, Spotify spinnt gerade ein bisschen.

**Drei der Genuss-Stellen habe ich tatsächlich mehrfach gelesen, einfach weil sie so wunderschön geschrieben sind: Siebeneisens plötzliche überraschende Reiselust mit „Hummeln im Hintern“ und „Kribbeln in den Füßen“, eine Morgenstimmung in der Südsee, die mich neulich schon zu einem Fernweh-Freitag inspiriert hat, und eine Nordlicht-Nacht in Kanada. Fette Eselsohren im Buch…

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Ich habe “Freitags in der Faulen Kobra” vom LIMES Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, vielen Dank! Autor Stefan Nink könnt ihr auf Twitter folgen, eine Facebook-Seite gibts von der Faulen Kobra und der Wipperfürth bloggt auch seit einiger Zeit.

Stefan Nink, Freitags in der Faulen Kobra, Limes Verlag, ISBN 978-3-8090-2636-5, € 14,99, 447 Seiten, erschienen März 2014

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Mehr Gipfelglück in Neuseeland

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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