Die Alpen unter Druck – die Zukunft der Alpen?

Diskussionsrunde im Alpinen Museum MünchenSchneemaschinen, Abwanderung aus den Tälern in die Städte, zu viel Autoverkehr durch die Städter am Wochenende, Konkurrenz im Winter durch Sonnen-Reiseziele, ein Diskussion mit 7 männlichen Teilnehmern* und keiner einzigen Frau. Die Podiumsdiskussion neulich im Alpinen Museum in München stand zwar unter dem Titel „Die Alpen als Funpark Europas?“ – nur kam dieses Thema außerhalb des Programmheftes eigentlich nicht zur Sprache.

Und diskutiert wurde auch nicht – denn alle auf dem Podium wiederholten im Grunde ihre Argumente und Lieblingsthemen, wann immer sie zu Wort kamen, und ob das Thema nun zur Frage passte oder nicht.

Die Themen und Argumente waren alles andere als neu, erschreckend teilweise, dass man immer noch darüber spricht, warum die Münchner am Wochenende mit dem Auto in die Berge fahren oder warum manche Skigebiete im Sommer ausgestorben und betonhässlich sind. Trotz allem war es ein interessanter Abend, aus verschiedenen Gründen.

– Der Saal im Alpinen Museum war voll, das Interesse wirklich groß- und wenigstens bei den Zuschauern waren auch ein paar Frauen dabei.

– Die Thesen und Argumentationen regen einen doch an (wieder) mal über bestimmte Dinge nachzudenken. Vor allem auch, wo bei mir persönlich das Thema Skifahren gerade erst an Fahrt gewinnt und ich mich zwangsläufig frage, ob ich das alles will, den Kunstschnee und die Gondeln für die Massen etc (dazu kommt mein Statement am Ende des Winters!)

Da es wirkliche Antworten oder Argumente nicht wirklich gab, hier einfach mal in Schlagworten, über was die einzelnen Herren Experten vor sich hin redeten:

  • Sollte es eine Obergrenze für die Anzahl von Hotelbetten + Pistenkilometern geben?
  • Man denke an die Arbeitsplätze durch den Tourismus!
  • Skifahren ist Leidenschaft – wie kommt man schneller auf den Berg, um öfter hinunter fahren zu können?
  • Die Umweltschutzerklärung steht vielleicht im Internet, vielleicht auch nicht, aber es gibt sie.
  • Wer redet denn mal über den Energieverbrauch eines großen Hotels in München, immer wird nur über die Skigebiete geschimpft
  • Die Einheimischen müssen ein gutes Leben haben, das ist der wichtigste Punkt.
  • In Bayern stagniert der Alpen-Tourismus, Kinder fahren nicht mehr Ski, Winterurlaub ist immer mehr Urlaub in der Sonne und in Warm-Wasser-Zielen als im Schnee.
  • Der DAV versucht durch Besucher-Lenkung (z.B. mit Skitouren-Karten) den Druck auf die Alpen zu mindern – hat aber bei Entscheidungen wie bei der Piz Val Gronda Bahn in Ischgl zu wenig Einfluss?
  • Es geht um Ethik für die Natur und Ethik für die Bergbevölkerung – wie viel dürfen Städter und Verbände da mit-diskutieren und mit-entscheiden?
  • Die Freizeitmöglichkeiten in den Alpen im Sommer sind nicht bekannt genug

 

 

– Nur noch Milch von Bergbauern kaufen, nicht von großen Plantagen in Norddeutschland, durch die anwesenden Alpenvereins-Mitglieder ->dies war ein einstimmig angenommener Beschluss (will heißen regionale Produkte überhaupt, denn Norddeutsche mögen bitte weiterhin norddeutsche Milch kaufen)

– Einer der Herren vom Podium hat während des Abends schon von seinem Blog erzählt und er hat auch von dem Abend gebloggt, schauts euch mal an seinen „Einsatz in München“

– In dem Zusammenhang die wirklich gute Nachricht, dass es „Bergsteigerdörfer“ demnächst auch in Bayern gibt, nicht mehr nur in Österreich! Ein tolles Konzept wie ich finde – und wer lieber in die Luxus-Après-Ski-Metropolen fahren will, kann das gerne machen, Platz ist ja für alle da.

– Und auch sonst gabs viel zu lachen – trotz all der Probleme und der Missstände, der unterschiedlichen Positionen waren es halt doch alles Bergsteiger und Alpen-Freunde, die einen schönen Abend haben wollten (wenn sie schon nicht in den Bergen sein konnten…)

Das Ende einer jeden Veranstaltung im Alpinen Museum mit Wein und Brot ist einfach immer nett, dieses Mal waren wir auch nicht in der Bibliothek sondern im Museum selber, und allein dafür hat sich der Besuch gelohnt.

Ich will jetzt hier gar keine weiteren Argumente beisteuern, lieber mal über das ein oder andere Thema einzeln schreiben – aber vielleicht mag jemand von euch Lesern was dazu sagen? Wie sieht die Zukunft der Alpen aus?

 

——-

*Um den Textfluss nicht zu stören, hier die Teilnehmer, Quelle: Programmheft Alpines Museum

Prof. Dr. Thomas Bausch, Hochschule München, Fakultät für Tourismus

Leo Jeker, Kunstschnee-Pionier aus Graubünden/ Schweiz

Hanspeter Mair, DAV-Geschäftsbereichsleiter Hütten, Naturschutz, Raumordnung

Michael Manhart, Ski Arlberg

Dominik Siegrist, Präsident der CIRPA International

Martin Ploderer, Bürgermeister des Bergsteigerdorfes Lunz am See

Moderator war Dr. Georg Bayerle vom Bayrischen Rundfunk

—-

In den kommenden Wochen und Monaten finden im Alpinen Museum weitere Vorträge und Diskussionen zum Thema „Alpen unter Druck. Erschließungsprojekte im Alpenraum“ statt. Nicht immer leichte Kost, aber wichtig und sehr zu empfehlen! Mehr Infos dazu. 

Mehr Veranstaltungen auch hier, Update für den Frühling kommt demnächst noch.

Stefanie Dehler
Folgt mir:

Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
Folgt mir:

6 Comments

  1. Tönt nach einer sehr spannenden Veranstaltung. Die Zeit hat gerade letzte Woche auch einen Artikel dazu gebracht (der Berg meine Freund) – leider nur Print ;)

    Ich bin seit Jahren eine begeisterte Skifahrerin und habe inzwischen viele Skigebiete in der Schweiz und Österreich gesehen (in Deutschland noch nicht) und sehe da auch ganz viele verschiedene Ausbaustadien / Konzepte.

    In der Schweiz zeigt zum Beispiel der Fall Andermatt eindrücklich, wie sich ein Skigebiet (das heute eher ein Geheimtipp unter Freeridern ist) aufgrund Weiterentwicklung im Tourismusbereich Modernisieren muss.

    Auf der anderen Seite ist auch ein Trend in Richtung „Sanfter Wintergenuss“ spürbar – Langlaufen, Winterwandern, Schneeschuhtouren… und das hat sicher auch Potenzial für die Zukunft.

    • Stefanie Dehler

      Und Bayern – zum Beispiel der Tegernsee – hat so wenig Schnee diesen Winter, dass langlaufen und Schneeschuhtouren ziemlich unmöglich sind. Also fahren wir alle mit dem Auto in die Schweiz? Das wird noch sehr spannend die nächsten Jahre, sicher mit guten und weniger guten Beispielen. Ich freue mich jedenfalls immer sehr über deine schönen Schweiz-Winter-Fotos!!

    • Stefanie Dehler

      Und was sagst du einem Hotelbesitzer in dem Ort, der keine Schneekanonen mehr hat? Er muss seine Kinder ernähren, den Kredit abbezahlen usw. Die Antwort ist, so glaube ich, zu einfach!

  2. Interessante Diskussion mit interessanten Thesen. Wobei ich es erstaunlich finde, dass die Alpen im Sommer als leer betrachtet werden. Ich bin kein Bergwanderer, aber immer wenn ich am Wochenende mal in den Bergen war, dann war es brechend voll. Natürlich leerer als im Winter, aber mir zu voll.

    Interessant, dass auch hier anscheinend wieder gute Landbevölkerung/Alpenbewohner gegen böse Städter gespielt wurde. Ob das sinnvoll ist wage ich zu bezweifeln. Aber damit haben ja auch einige Parteien hier in Bayern Eerfolg.

    Auch finde ich die Argumente mit Bergbauernmilch zu kurz gedacht. Die Rinderbeweidung der Alpen hat zum Teil auch zur Zerstörung dortiger Landschaften beigetragen. Hangquellmoore oder Feuchtwiesen leiden sehr unter einer Rinderherde. Da mag es für Münchner sinnvoller sein Milch aus extensiver Weidehaltung aus dem Alpenvorland zu beziehen.

    LG
    Marcel

    • Stefanie Dehler

      Marcel, der Fokus auf die Bergbauernmilch war überzogen dargestellt und hat für viele Lacher gesorgt – ernsthaft daran war, Milch und andere Produkte einfach regional zu kaufen und nicht durch die halbe Republik zu karren, wenn es sie auch vor Ort gibt. Kurze Transportwege!
      Das Beispiel für leer war z.B. Zürs am Arlberg, wo im Sommer alles ausgestorben ist. Im Sommer ballt es sich an gewissen Stellen.
      Viele Fragen, wenig Antworten…aber viele Grüße :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.