„Neu“ am Kiosk: das trekking magazin

Hätte ich das trekking magazin vor 10 Jahren in der Hand gehalten, hätte ich begeistert ein Abo abgeschlosen. Aber wir haben das Jahr 2012 und nicht 2002 und deswegen war ich eher enttäuscht, als ich heute mit dem „neuen“ Heft nach Hause kam und es interessiert durchgeblättert habe. Ein neues Magazin muss – für mich – etwas haben, dass andere Magazine nicht haben. Wenn ich 5 Euro für ein 100 Seiten Magazin ausgebe, muss ich einen Mehrwert bekommen.

Folgende Konkurrenz hat das trekking magazin meiner Meinung nach:

Panorama, das Heft bekomme ich als Alpenvereinsmitglied kostenlos und ich lese es sehr gerne!

Alpinwelt, das Heft bekomme ich als Mitglied der Alpenvereinssektion München-Oberland kostenlos, großer Mehrwert: es geht oft um Bergtouren in der Nähe von München

4 Seasons, bekomme ich kostenlos von Globetrotter, weil ich deren Kundenkarte habe. Tolle Artikel, schöne Aufmachung, lese ich sehr gerne

Outdoor, etabliertes Magazin, das ich immer wieder mal kaufe, am Flughafen oder Bahnhof oder so, nicht immer ist alles interessant aber vieles

Alpin – siehe Beschreibung von Outdoor

Demnach sind Outdoor und Alpin direkte Mitbewerber für das neue Magazin, denn für eine lange Zugfahrt würde ich nur eins kaufen, und ich mache im Jahr vielleicht eine oder zwei lange Zugfahrten… Sonst habe ich genug zu tun, Outdoor Blogs zu lesen, Bücher zu lesen und sonstige Dinge zu unternehmen.

Was steht im trekking Magazin und was nicht?

Das Heft hat ein großes Format und auf den ersten Seiten doppelseitig große schöne Bilder, was man von einem solchen Heft erwarten kann. Sehr gut gefallen hat mir der Bericht „Unter den Sternen – Übernachten im Biwak“, die anderen Wanderberichte sind eine schöne Mischung aus Mittelgebirge (Elfringhauser Schweiz, schöne Gegend!), Klassiker in den Alpen (3 Zinnen) und Fernreisen (Türkei, klingt spannend). Bei den „akutell“, kurzen Artikeln zu allerlei Outdoor Themen, war für mich fast nichts neu, solche Infos bekomme ich täglich in Blogs, auf Twitter, auf Facebook etc mit. Die Produktinfos sind größtenteils sehr kurz und klingen nach den Pressemitteilungen der Hersteller – in Blogs kann ich lange detailreiche Tests lesen, andere Magazine vergleichen wenigstens, z.B. die 10 besten Wanderschuhe oä.

Was erwarte ich von einer neuen Outdoor Zeitschrift?

Wenn ich heute eine neues Magazin kaufe, erwarte ich eine Interaktions-Möglichkeit in irgendeiner Art. Kann ich den Autor bei Twitter kontaktieren oder ihm persönlich per Mail Fragen zu seinem Artikel stellen? Gibt es zu einer Tour ein Youtube Video, das ich via QR Code starten kann, und das ich hinterher in mein Blog einbinden kann? Kann ich einen GPS Track zu einer Tour irgendwo downloaden? Ein PDF mit einer Tourenbeschreibung? Kann ich irgendwo – auf der Website, auf einer Facebook-Seite… – meine eigenen Erfahrungen zu einer Tour oder einem Produkt schreiben?

Beim trekking magazin: Alles nein.

Vor 10 Jahren hätte ich diese Möglichkeiten nicht erwartet, heute aber schon. Und deswegen hat mich das Heft enttäuscht- es hat nichts Neues, nichts, was bestehende Magazin nicht auch schon hätten.

Über eine Sache habe ich mich noch geärgert, es gibt auf Seite 53 nämlich eine Seite, die dafür wirbt, dass man trekking magazin abonniert und dabei sogar einen Gleitschirmflug gewinnen kann. Dazu gibt es einen QR Code. Meine Erwartung, wenn ich so etwas scanne: ich komme direkt auf ein Handy-optimiertes Formular, wo ich „ja abonnieren“ ankreuze, das Kleingedruckte noch mal lese und sehr einfach über Eingabefelder meine Adresse etc eingeben kann um das Heft zu abonnieren. Der QR Code im trekking magazin verlinkt auf die Homepage, nicht auf ein Formular, und die Seite ist nicht für mobile Geräte optimiert – ich muss die winzige Schrift vergrößern, scrollen, suchen – so was ist Mist, wenn schon QR Code dann richtig, oder besser gar keinen!

Die Website zum Magazin bietet im übrigen keinerlei Outdoor-Inhalte sondern ist mehr für Werbetreibende gedacht. Ich arbeite nun mal in einer Werbeagentur und habe Kunden, die gut zum Thema wandern und Natur passen. Aber denen kann ich das Magazin nicht guten Gewissens anbieten. Außerdem wollen die meisten eh nur Online Werbung.

Wie soll ich eigentlich als Blogger das Heft behandeln; wenn es das neue Leistungsschutzrecht gibt, kann ich für zitieren und ähnliches abgemahnt werden. Hat das trekking magazin also kein Interesse, dass Blogger das Heft weiterempfehlen?

Mein persönliches Fazit: ich sehe keinen Vorteil gegenüber bestehenden Magazinen, ich sehe für mich keinen Grund, 5 Euro für das Magazin auszugeben. Ich könnte mir vorstellen es zu kaufen, wenn es z.B. ein 10 Seiten Nepal Special gibt und ich 5 Stunden Zugfahrt vor mir habe, es ist nett, ja, aber mehr nicht.

Mir geht es übrigens nicht darum, nur kostenlose Sachen zu lesen, ich bin durchaus willens, 5 Euro auszugeben! Aber die 5 Euro müssen sich lohnen!

Was haltet ihr denn von dem neuen Heft?

 

Briefkasten

Bemerkung am Rande: als ich vom Supermarkt mit dem trekking magazin zurückkam, lag im Briefkasten das neue Alpenvereins-Panorama. Ich geh jetzt mal aufs Sofa, eine tolle Zeitschrift lesen.

 

 

 

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Weitere Zeitschriften Tests:

Land der Berge

Bergsteiger

 

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
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12 Comments

  1. Mir ging es heute beim Lesen genauso. Als Leser von Alpin, Bergsteiger, Panorama und ab und zu Outdoor sehe ich keine Abgrenzung und keinen Mehrwert. Das Heft ist schön gemacht, aber enthält viele Dinge, die ich auch woanders lesen kann. Siehe aktuelle Alpin –> Trekking Schlafsäcke. Aber schauen wir das die nächste Ausgabe bringt. UL Themen wären noch ein interessanter Ansatz.

    Und zu QR Code sage ich nur: http://www.youtube.com/watch?v=V2rVYvylvZc ;-)

    • Stefanie

      An dieses Video habe ich auch gedacht gestern, danke :)
      Eine Erstausgabe müsste meiner Meinung nach ja ein Masterpiece sein und nicht ein „wir fangen mal an und sehen was passiert“… Ich warte dann bis sie mal einen Nepal-Artikel haben.

  2. Danke für den Bericht.
    Ich habe ab und an mal die Outdoor gelesen, aber irgendwann wurde sie uninteressant, da ich durch Blogs und sonstige Plattformen wesentlich mehr Infos bekomme und viel gezielter informiert werde. Aus diesem Grund stand das Trekking Magazin bei mir auch nie auf dem Wunschzettel.
    Ich lese im Moment drei Zeitschriften. DAV-Panorama, berundsteigen, TRAIL-Magazin.
    Den die restlichen Infos kommen aus unzähligen Blogs oder von den jeweiligen Herstellern. Hinzu kommen diverse Foren, die auch immer mit vielen Infos aus erster Hand weiterhelfen.

    • Stefanie

      Es gibt sicher noch andere Leute als uns, die gerne die Infos offline zu sich nehmen – aber auch denen muss ich doch etwas Neues geben, wenn ich ein neues Magazin an den Start bringe. Und nicht etwas, das es eh schon gibt, nur mit anderem Titel.

  3. Vielen Dank für den ausführlichen und guten Beitrag! Da ich ein fast ausschließlicher Online Leser bin komme ich zwar eh kaum in Versuchung ein Printmagazin zu kaufen, aber im Flieger ist ja nix mit online lesen. Da kaufe ich dann doch vielleicht wieder die Outdoor und nicht das neue Trekking Magazin am Kiosk …

    Axel von Outdoorseite.de wollte die Jungs vom Trekking Magazin übrigens auf der OutDoor Messe kurz anquatschen, wurde aber recht schnell „abgewimmelt“ da sie zu beschäftigt waren. Blogger sollen kostenlose Werbung machen, aber man hat nicht mal 5 Minuten Zeit für ein paar Fragen.

  4. Das grundsätzliche Problem bei Printmagazinen ist, dass diese sich möglichst am „Mainstream“ orientieren (müssen) um möglichst viele Leser anzusprechen. Das Ergebnis ist halt der übliche Einheitsbrei: viele bunte Bilder, ein bißchen blabla, ein paar Tests (aber nicht zu kritisch um keine Werbekunden zu vergraulen) und ein paar knallhart recherchierte Tests, z.B. wie halte ich meine Trekkingstöcke richtig.

    Im Netz dagegen findet man oft spezielle Artikel, die aber eben nur wenige interessieren. So hätten meine Tourenberichte auf gipfelstuermer.de wohl auch in keiner Zeitschrift eine Chance. ;-)

    • Stefanie

      Bis die Werbekunden plötzlich andere Ansprüche haben oder – wie viele meiner Kunden – keinen Sinn in Printanzeigen sehen und nur noch gut messbare Onlinesachen machen wollen. Es lebe das Netz :-)

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