Wanderbücher- nicht zu empfehlen

Eigentlich wollte ich von Andrew Stevenson keine Wanderbücher mehr lesen. Sein Buch „Trekking in Neuseeland“ war rein inhaltlich schon interessant, aber schon damals ist mir seine arrogante Haltung aufgefallen, die mich beim Lesen gestört hatte.

Neuseeland- arbeiten oder wandern

An einer Stelle während seiner Wanderung übernachtet er in einem Hostel in Neuseeland und regt sich fürchterlich darüber auf, wie junge Leute abends vor dem Fernseher sitzen und amerikanische Serien schauen, wie sie damit doch die Zeit in Neuseeland und überhaupt verschwenden. Ohne zu hinterfragen, dass diese Leute vielleicht den ganzen Tag körperlich hart in der Landwirtschaft gearbeitet haben, 9 Stunde oder mehr Obst ernten oder verpacken oder ähnliches – und dass sie dann abends für nichts anderes Energie haben, als Serien zu schauen. Oder dass man vielleicht auch sein englisch verbessert, wenn man Filme in einer fremden Sprache schaut? Nein, die anderen sind dumm, Stevenson ist schlau und der einzige, der richtig reist und sich richtig auskennt, in Neuseeland und in der Welt und im Leben und überhaupt.

Nunja, neulich bekam ich sein Buch „Mein Weg zum Mount Everest“ in die Hände, was vom Thema einfach äußerst interessant klang; es ist keine Bergsteiger-Expeditions-Beschreibung über Berge im Himalaya, von denen man träumt aber eigentlich weiß, dass man sie nie selber besteigen wird.

Wandertipps Nepal

Im Buch geht es stattdessen um eine Wanderung in Nepal durchs Khumbu Himal, die man selber realistisch nachwandern kann, ohne große Erfahrungen im Bergsteigen, aber mit Gipfelglück, mit touristischer Infrastruktur mit Bett und warmem Essen abends, wenn auch ohne Duschen… Es geht um Routen, Übernachtung in Lodges, was es zu essen gibt, wie mit Träger, Guides, Reiseveranstalter arbeiten, Probleme mit Höhenkrankheit, konkrete Beschreibungen zu einer Wanderung von Lukla aus, in Orte wie Tengboche und Namche Bazar, auf den Kala Patar und den Gokyo Ri, zu den Gokyo Seen. Alles wirklich hilfreich und die Lust, dorthin zu reisen, wächst mit jeder Seite und ich kann es kaum erwarten, in diesem Gebiet in Nepal einmal wandern zu gehen.

Wie man sich unsympathisch macht

Allerdings hoffe ich persönlich, dass ich den Autor Stevenson auf meiner eigenen Reise nach Nepal nicht treffen werde- seine Arroganz war auch in diesem Buch unerträglich! Sehr ausführlich werden die langen Beine, blonden Haare und Taten der weiblichen Wanderer und Lodge-Mitbewohnerinnen beschrieben. Mindestens so oft wie Berichte über seine nächtlichen Ausflüge zum Pinkeln an irgendwelchen Mauern. Und natürlich all die unerträglichen anderen Menschen, die ihm auf der Strecke begegnen. Die alle die falsche Einstellung haben, die alle arrogant sind, die keine Ahnung von Sherpas, Lodgemitarbeitern, Trägern etc haben, die alle zur Show ihre Eispickel mitschleppen, die zu viel reden oder zu wenig, die alles falsch machen. Und dann geht er selber auf einen Gipfel, ohne Taschenlampe, verirrt sich auf dem Weg in der Dunkelheit runter, muss von seinem Träger gerettet werden und kommt sich dabei noch toll vor. Eklig! Natürlich trifft man auf einer Reise Menschen, die einem nicht sympathisch sind, aber muss das so sehr zum Thema eines Buches werden?

Vielleicht sollte Stevenson einfach nur durch Wüsten wandern, statt durch Gebiete, wo auch andere Leute unterwegs sind. Oder einfach das Thema andere Menschen in seinen Büchern ignorieren.Oder keine Bücher schreiben. Oder ich lese einfach keine mehr… Kann mir jemand von euch Bücher, Reiseberichte, Blogs über das Wandern und Trekking in Nepal ermpfehlen?

Trotzdem:

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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2 Comments

  1. Steve

    Hallo Stefanie,ich hätte da zwei Empfehlungen für dich. Einmal einen Trekking Guide mit verschiedenen Touren in Nepal und einmal ein Buch, das von der Art wohl dem von Andrew Stevenson ähnelt, aber sicherlich wesentlich besser geschrieben ist. Bernhard Rudolf Banzhaf – Nepal: Trekking GuideMaren Schneider – Nepal. Dem Himmel so nah: Trekking im Everest-GebietViel Spaß und viele GrüßeSteve

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