Warum ich dieses Jahr „den“ EOFT boykottiere

Im Herbst ist es Zeit für den EOFT. Als Bloggerin habe ich eine Einladung zur Premiere bekommen, wow. Ich fühle mich so geehrt. Früher habe ich den EOFT immer angekündigt, Trailer vorgestellt, Karten verlost etc etc. Dieses Jahr wird der EOFT von mir boykottiert.

Warum?

In den Filmen gibt es 14 männliche Darsteller, 1 Frau.

Bei der Premiere gibt es 9 männliche „Stars on Stage“, 0 Frauen.

Es geht um ein Film Festival, das laut Presseankündigung die „besten Outdoorsport- und Abenteuerfilme des Jahres präsentiert“.

Warum ohne Frauen?

Erleben Frauen keine „authentischen abenteuerreichen gewagten Outdoor-Erlebnisse“ (Zitat eines Pressetextes)? Wir schreiben das Jahr 2018, nicht 1818. Für Frauen gibt es inzwischen mehr als Kinder Küche Kirche, Frauen gehen auf 8000er, Frauen überwintern in der Antarktis, Frauen sind Hüttenwirtinnen, Bergführerinnen, aktiv bei der Bergrettung. Frauen sind Skispringerinnen. Aber uninteressant für den EOFT?

Sind Frauen nicht genug „Rampensau“? Gehen Frauen zu wenig Risiken ein, sind sie zu wenig lebensmüde, um für den EOFT interessant zu sein?

Ich kenne abenteuerlustige, mutige Frauen, sowohl persönlich als auch durch ihre Geschichten aus Blogs und Social Media Kanälen. Haha, sogar aus Filmen!

40% der Gäste der Kalser Bergführer zum Großglockner sind Frauen**. 42,2 % der Mitglieder des Deutschen Alpenvereins sind Frauen***. Es gibt einen Mädels Jugend Exped Kader mit unglaublich mutigen Mädels. Es gibt im Outdoor Bereich Frauen die bloggen, die für Berg-Zeitschriften schreiben. 52% der Gipfelglück-Facebook-Fans sind Frauen. Aber beim EOFT dürfen Frauen höchstens mal die Pressearbeit machen und als Glücksfee die tollen Gewinne ziehen?

Mich stört das.

Ich habe keine Lust 3 Stunden lang Männer für ihre Abenteuern zu bewundern, unter Ausblendung von Frauen. So als würden Frauen keine Filme machen, in Filmen nicht vorkommen, keine Abenteuer erleben. In meiner Realität kommen in den Bergen (und anderswo) Frauen und Männer gleichberechtigt vor. Auf Berghütten und Gipfeln sind Frauen und Männer zusammen unterwegs. Mit meinem Partner mache ich nicht alle Touren zusammen, aber fast alle. Mit Freunden und Freundinnen. Ein EOFT mit so hohem Männerüberschuss hat mit der Lebensrealität 2018 meiner Meinung nach nichts zu tun.* Und der EOFT wählt nach seinen Kriterien die Filme aus, er hätte also durchaus die Möglichkeit Frauen auf der Leinwand auftauchen zu lassen. Nicht nur als Glücksfee, die Besuchern so aufregende Preise wie DVDs früherer Männer-EOFT-Veranstaltungen überreichen kann. Sind das die Vorbilder für junge Mädchen? Sollen Mädels damit aufwachsen, dass eh nur Männer Abenteuer erleben dürfen und die Frauen überreichen die Trostpreise? Das ist durchaus ein Bildungsauftrag!

Deswegen lasse ich es dieses Jahr bleiben mit dem EOFT. Wenn die Premiere in München stattfindet, nehme ich vielleicht mein Radl,  meine Stirnlampe und erlebe ein kleines Abenteuer vor meiner Haustür. Wo es Tickets gibt, wann in welcher Stadt der EOFT stattfindet, müsst ihr, liebe Leserinnen und Leser, anderswo rausfinden (ist nicht so schwer). Denn ich möchte niemandem den Spaß am EOFT nehmen, ich halte niemanden vom Hingehen ab. Ich selber werde es einfach ignorieren. Und wenn du hingehst: frag doch mal nach, warum Frauen nicht auf die EOFT Leinwand dürfen.

Nächstes Jahr sind vielleicht wieder Frauen dabei. Dann gehe ich gerne wieder hin, werde hier im Blog den EOFT ankündigen und/ oder davon berichten, und ich werde auch wieder „die“ EOFT sagen. Allerdings denke ich diesen Satz seit Jahren, und es ändert sich nichts. EOFT ist Männersache.

PS: Ja, es stimmt, Tamara Lunger war mal auf dem EOFT Plakat. So selten, dass es so erinnerungswürdig ist.

*Die Realität kann man übrigens auf Twitter gut beim Account Wie viele Frauen? erkennen. Und wehe eine Frau kritisiert so reine Männerrunden… es gibt noch viel zu tun.

** Quelle: Mein Bergführer am Großglockner vor zwei Jahren

***Quelle: https://www.alpenverein.de/der-dav/der-dav-in-zahlen-fakten_aid_10232.html, Stand 31.12.2017

Update aufgrund von Nachfragen – selbstverständlich hoffe ich auf ein Feedback des Veranstalters, auch auf Argumente, Gegendarstellung… und die Reaktionen, die stürmisch von allen Seiten hereinbrechen, werde ich dann in einem Folge-Artikel zusammenfassen. Diskutieren erlaubt, Beleidigungen nicht.

2. Update: Ich habe eine sehr ausführliche Antwort vom EOFT bekommen und an diversen Stellen wird heftigst diskutiert – in den Kommentaren zum Artikel wäre es eigentlich am Schönsten, aber heutzutage wird eben woanders diskutiert. Es wird sicher ein ausführlicher Artikel folgen, wenn ich mit dem EOFT ganz konkrete Fragen besprochen habe. Solltest du auch Fragen an den EOFT haben, schicke sie mir gerne als Kommentar oder einen anderen Kanal.

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher, Yoga und Weit-Weg-Unterwegs-Sein.
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23 Comments

  1. Tom

    Ich denke, es liegt auch daran, dass es einfach mehr Männer gibt, die sich mit ihren Projekten in die Öffentlichkeit drängen. Dazu sind Männer vielleicht eher dazu bereit, sich in Gefahr zu bringen, was dann dazu führt, dass spektakulärere Sachen rauskommen. Und EOFT lebt nun mal auch davon, reisserisch in Szene zu setzen – ähnlich RB TV. Und dann hast Du Athleten, an die sonst keiner ran kommt. Adam Ondra beispielsweise klettert einfach eine Liga höher als alle anderen. Da kommt niemand ran. Aber natürlich gäbe es trotzdem genug Möglichkeiten, Projekte von Frauen zu präsentieren.

  2. Tom, vielleicht hast Du mit der Annahme, dass sich Männer eher „in die Öffentlichkeit drängen“ sogar recht; und die Annahme, dass Männer eher bereit seien, sich in Gefahr zu begeben ist eine Annahme, die, wie die mit der Öffentlichkeit, eben aus den tradierten Geschlechterbildern herrührt und womöglich überhaupt nicht stimmt.

    just my 2 cents
    Sven

  3. Tom

    @Sven: Ich kenne beispielsweise nur Männer, die so Blödsinn, wie Wingsuit fliegen oder Free solo klettern machen. Ich glaub dazu muss man einfach übermäßig testosterongesteuert sein. Das sind aber Dinge die bei den EOFT-Machern gut ankommen. Warum Frauen sowas nicht (oder weniger) machen, wird wohl an der geringeren Risikobereitschaft liegen und an ein wenig mehr Hirn beim Beurteilen der Wertigkeit solcher Vorhaben. Ob das aus dem traditionellen Geschlechterbild oder den hormonellen Unterschieden herrührt, sei mal dahingestellt.

    • Stefanie Dehler

      Adam Ondra soll natürlich gezeigt werden, das streite ich ja gar nicht ab. Aber ich mag die Abwechslung. Mal Sommer mal Winter im Film, mal MTB mal tauchen, mal alt mal jung, mal Einzelkämpfer, mal Rudel, mal Mann mal Frau. Wir werden sehen, was sich im nächsten Artikel ergibt. Danke fürs sachlich mitdiskutieren, Sven und Tom!

  4. EC

    Der Shitstorm wenn die Geschlechterrollen vertauscht wären, das wäre großes Kino. Es ist genauso SEXISTISCH, eoft zu boykottieren, weil keine Frauen mit machen…

    aber da sagt ja keiner was ;)

  5. Maren

    Liebe Stefanie, du sprichst mir aus der Seele. Das hat mich in den letzten Jahren schon total genervt bei der EOFT. Habe mir deshalb für dieses Jahr auch kein Ticket mehr gekauft. Es ist eben nicht egal, ob Männer oder Frauen. Sehr viele Studien belegen, dass sich Mädchen und Frauen erst durch weibliche Vorbilder inspiriert fühlen. Medien, und dazu zählen auch Filmfestivals wie die EOFT, haben eine besondere Verantwortung. Das Bild von Frauen, das sie von sich selbst haben und auch das Männer von ihnen haben oder eben nicht, ist extrem geprägt durch die Medien. Welchen Stellenwert Frauen in der Welt, in einer Branche oder eben auch im Outdoorbereich haben, kann die EOFT beeinflussen. Das hat ja weitere Auswirkungen auf die finanzielle Kraft von Frauen durch Sponsorenverträge. Da gibt es im Sportbereich einen immensen Paygap. Das ist 2018 einfach nicht mehr in Ordnung. Viele Grüße, Maren

    • Stefanie Dehler

      Danke Maren, ich weiß deine Worte sehr zu schätzen! Ich hoffe, dass mit diesem Artikel noch ein paar mehr Frauen und Männer auf das Problem dieser Ungleichheit aufmerksam werden und sich damit beschäftigen. Und vielleicht merken, dass da tatsächlich was nicht in Ordnung ist in unserer Gesellschaft. Viele Grüße!

  6. Uta

    Danke Für Dein Engagement – ich könnte Dir nicht mehr zustimmen. Ich würde den Gedanken noch ein bisschen weiter spannen, denn es geht es nicht nur um Frauen oder Männer, auch Jung oder Alt, behindert oder kerngesund wären ein interessanter Gedanke. Deshalb werde ich, wie auch Du , die Veranstaltung ignorieren bis ein bisschen mehr Inklusion und Diversität Einzug halten. Bin gespannt auf Deinen Blog Update zum Feedback der Organisatoren. weiter so!

    • Stefanie Dehler

      Danke für deinen Kommentar, Uta! Natürlich kann man weiterspinnen – und es gab tatsächlich schon Filme mit behinderten SportlerInnen beim EOFT. Und im diesjährigen Programm hat der Film The Frenchy tatsächlich eine Hauptperson, die 82 Jahre alt ist! Vielleicht kann man diesen Film mal außerhalb des Festivals ansehen ;-)

  7. Joe

    Ach, und all die letzten Jahre hat dich das Verhältnis Männer zu Frauen überhaupt nicht gestört?

    Dann schaue doch mal bei den weiblichen Kletterern: wer von denen macht da etwas Aufsehenerregendes und wieviele Männer gibt es in diesem Bereich?

  8. Joe

    Übrigens: das Foto mit deinen bekleideten Brüsten, wo man eben nichts anderes sieht, ist ebenso sexistisch ;-)
    Und genau SOLCHE Fotos werden auch von den Frauen angeprangert. Aber wenn es den Clicks und damit dem Umsatz dient …

    • Stefanie Dehler

      Hier hast du fast recht. Würde mein BH Foto Werbung machen für Handyverträge oder Autos, dann wäre es sehr bedenklich und sollte angeprangert werden. Aber es geht in dem Artikel um Sport BHs, was soll dort sonst auftauchen? Sei froh, dass du noch nie Tipps für wirlich gute Sport BHs gebraucht hast…

  9. Hi Stefanie,

    ich finde deinen Beitrag ganz wundervoll. Um ehrlich zu sein habe ich das so nicht mal bemerkt, beziehungsweise mich noch nicht damit beschäftigt. Ich werde dieses mal zu meiner ersten EOFT gehen, das ist wahrscheinlich der Grund.

    Aber du hast vollkommen recht und es ist eine berechtigte Kritik. Und sicherlich ein sensibles, aber umso wichtigeres Thema.

    Danke, für dein Statement.

    Jasmin

    • Stefanie Dehler

      Hallo Jasmin,
      ich wünsche dir auf jeden Fall viel Vergnügen beim EOFT, sicher werden es eindrucksvolle Filme sein. Es ist der erste Schritt, derartige Ungleichheiten erst einmal zu bemerken, bzw für mich darauf hinzuweisen. Im zweiten Schritt stellt sich dann die Frage, wie Frauen und Männer etwas für mehr Gleichberechtigung und gleichberechtigte Darstellung tun können. Einfach ist es nicht, aber wichtig… Viele Grüße!

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