Gipfelbuch: Hochkönig 2.941m

Matrashaus Hochkönig
Matrashaus am Gipfel des Hochkönig

Die Wanderung auf den Hochkönig war definitiv ein Highlight dieses Sommers; die Bergtour ist lang und anstrengend und abwechslungsreich, allerdings von München aus nicht als Tagestour machbar, mindestens eine Übernachtung ist nötig.

Bevor ich mit der Tourenbeschreibung beginne, ein paar wichtige Tipps für alle, die auch auf den Hochkönig wollen:

– Unterwegs gibt es keinen Schatten
– Zwischen Mitterfeldalm und Matrashütte gibt es keinen Brunnen, keinen Bach, kein Wasser. Auf dem Matrashaus kann/muss man Wasser kaufen, es gibt nicht mal welches zum Händewaschen.
– es liegt viel Schnee und Eis, inbesondere auf dem Gletscher der Übergossenen Alm.

Deswegen: Viel Wasser mitnehmen! Am besten ein 50-Liter-Fässchen oder so. Und jede Stelle des Körpers gut mit Sonnencreme einschmieren, der Schnee reflektiert ganz extrem, ich zum Beispiel bin mit höllisch schmerzenden verbrannten Kniekehlen zurückgekommen… Expeditionsgerät wie Gamaschen oder Grödel sind dagegen nicht notwendig.

Tourenbeschreibung Hochkönig Normalweg

Wir sind Samstag mittag gemütlich in München losgefahren bis zum Arturhaus, dort kann man für pauschal 2,50 Euro parken. Auf einem breiten Weg (der übrigens zum Salzburger Almenweg gehört, den ich auch schon immer mal wandern wollte) spaziert man dann in ca 30 Min zur Mitterfeldalm, wo das lauteste Geräusch der Klang von Löffel auf Suppenteller und das Rascheln der Kaninchen im Gras ist. Den Hochkönig im Rücken genießt man die Abenddämmerung bei Weißbier und Zirbenlikör im Liegestuhl, um 10 schlafen alle. Der clevere Wanderer wählt das Lagerbett mit praktischer Steckdose ;-)

Mitterfeldalm
Mitterfeldalm bei Sonnenaufgang

Vorteil der Mitterfeldalm: schon kurz nach Sonnenaufgang ist man auf dem Weg zum Gipfel, kann die ersten Meter schon im T-Shirt, aber noch ohne brennende Sonne genießen. Früh losgehen bietet sich aufgrund der Länge der Tour und der Hitze auf jeden Fall an, Frühstück bekommen wir vom Hüttenwirt um halb 6! Kurz hinter der Alm schnell einen Geocache einsammeln (oder wie wir schon am Abend vorher). Noch geht es relativ flach, ein wenig auf  und ab auf schmalem Pfad am Fuß des Hochkönig-Massivs dahin. Auf den Almwiesen blühen hundert verschiedene Blumen und bald kommt die eindrucksvolle Torsäule ins Blickfeld, während es im zickzack über Stock und Stein langsam bergauf geht. Bis man den Gipfel sieht, dauert es noch!

Torsäule
Richtung Torsäule und Hochkönig, der Weg führt links davon vorbei

An der Torsäule sind viel Kletterer unterwegs, man geht ihnen zu Füßen entlang Richtung Schnee, unten blöken plötzlich ein paar Schafe, viele Schmetterlinge sind in der Luft. Die ersten kleinen Altschneefelder sind zu queren, sie sind in perfekter Konsistenz: nicht so weich, dass man einsinkt, aber auch nicht so eisig-fest, dass man rutscht. Der Weg steigt nun deutlich an, immer wieder auch kurze Stücke bergab, auf dem felsigen Grund ist nicht unbedingt ein Weg erkennbar – er ist aber sehr gut mit Stangen und gemalten Zeichen ausge“schildert“.

Gletscher
über den Gletscher zum Hochkönig

An einer Stelle muss man sich zwischen Felsenweg und Gletscherweg entscheiden – in der Wegbeschreibung bei Outdooractive hatte ich Sommer- und Winterweg gelesen, was die Entscheidung nicht einfacher macht. Wir sind jedenfalls rechts den Gletscherweg gegangen, über die Übergossene Alm. Das bedeutet ein paar längere Schneefelder, aber einfach zu gehen, ohne Steigeisen oä. Hauptsache Haut eincremen! Immer mal wieder gibt es kleine Kraxelstellen, wo man mal die Hände zur Hilfe nehmen kann, aber mit Bergerfahrung und Trittsicherheit kein Problem. Eine Tafel am Fels weist auf den Schweitzer Weg hin – hier verbirgt sich noch ein Cache, er ist nicht zu verfehlen. In der Cache-Beschreibung könnt ihr nachlesen, wie Franz Eduard Matras, der Kaiser, eine Gams und der 1. Weltkrieg zusammen hängen…

Schilder
Schilder auf dem Weg zum Hochkönig

Man schleppt sich eine Anhöhe hinauf, rechts unten ein leuchtend blauer Gletschersee – und dann sieht man zum ersten mal den Gipfel des Hochkönigs mit dem Matrashaus. Ab hier noch 1 1/2 Stunden, hatte uns jemand unterwegs gesagt, und das passt. Es geht noch ein wenig auf und ab über Fels und Gletscher, dann folgen 2 kurze Leitern und ein paar Halte-Ketten, Schwenk nach links und nach ziemlich genau 6 Stunden seit der Mitterfeldalm stehen wir am Matrashaus und am Gipfel auf 2.941 m!

Matrashaus auf dem Hochkönig
Matrashaus auf dem Hochkönig

Hochkönig-Gipfel, Matrashaus und Rückweg

Die 360° Aussicht mit Watzmann, Großglockner, Großvenediger uvm kann man mehr erahnen als wirklich sehen, es ist windig und diesig und das Innere der Hütte lockt. In der Stube ist es recht dunkel, es gibt köstliche Erbsensuppe und Hollerschorle  – doch der Wirt hat für uns und die wenigen anderen Gäste nur mäßig beruhigende Wetteraussichten. Wir sollen nicht trödeln auf dem Rückweg – aber positiv sei zu bewerten, dass er seine Frau heute den langen Weg auch noch gehen lasse, er würde da nichts riskieren, so am Anfang der Saison…

Pulli und Handschuhe gegen den Wind ziehe ich nach 10 Minuten Rückweg wieder aus – Wind ist weg, der Himmel blauer als je zuvor, die Sonne brennt! An einigen Stellen empfinde ich den Weg als zäh und langatmig, die Euphorie vor dem Gipfel ist doch höher als am Rückweg. Entschädigung sind die vielen Schneefelder, die sich auf den Schuhen steil hinunter-surfen oder auf dem Hosenboden abrodeln lassen. Die Wegmarkierungen immer im Auge gehen auch durch die Schneefelder so viele Spuren, dass man den rechten Weg nicht verlieren kann. Insgesamt kommen bei dieser Tour wohl um die 1.700 oder 1.800 Höhenmeter zusammen- es gibt immer wieder Gegenanstiege.

Den Rückweg kennt man ja, über Felsen und Schnee, an der Torsäule vorbei, rechts runter auf die Wiesen, am Fuß der Mandelwand Richtung Hütte. Zwischendurch ein paar Regentropfen, aber sie bringen nicht mal die Erfrischung, die man sich erhofft. An der Mittelfeldalm sind wir etwa um 17 Uhr, nach 11 Stunden zurück. Nun geht die Apfelschorle fast auf ex runter, am Brunnen an der Viehtränke lässt es sich herrlich erfrischen. Aber Donner grummelt, der König ist voller dunkler Wolken – wir eilen lieber Richtung Auto. Alles rechtzeitig. Denn während wir den Stau auf der A8 umfahren, klatschen Regen und Hagel so richtig runter, wehe dem, der noch unterwegs ist…

Für die Bergtour auf den Hochkönig braucht man Kondition und Trittsicherheit und Durchhaltevermögen – praktisch ist es, vorher eine 24-Stunden-Wanderung gemacht zu haben, denn dann sind 11 Stunden gar kein großes Ding ;-)

Weiterlesen

– 5 Stunden dauert der Weg über den Königsjodler Klettersteig. Hier gibts ein Video dazu:

– woher die Übergossene Alm ihren Namen hat

Aktuelle Infos vom Wirt am Matrashaus

– Mehr Salzburger Land bei Gipfelglück

– Mehr 3000er bei Gipfelglück

-Mehr Hüttentouren

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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13 Comments

  1. Danke für diesen tollen Bericht.
    Der Hochkönig steht für dieses Jahr auch noch auf meiner Liste; mal schauen ob es zeitlich passt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diesen Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen bisher komplett vernachlässigt habe.

  2. Danke für den Bericht.
    Als ich den Königsjodler gegangen bin und am nächsten Tag beim Abstieg die Anderen den Weg hinaufschnaufen sah, war ich ehrlich froh, den Klettersteig genommen zu haben.

    Und jetzt lese ich noch ein wenig im Blog vom Matrashauswirt…

  3. Kathi

    Hallo,

    bin gerade auf deine Homepage gestoßen!! Finde sie sehr toll und werde sie gleich in meine favoritenleiste setzten…. ich bin aus tirol (nähe kufstein) und bin eine begeisterte berggeherin; morgen werde ich mit meinem freund auf den hochkönig gehen; wir werden auch den normlweg übers arthurhaus gehen!! wünsche dir noch viel spaß bei deinen weiteren bergtouren!!!

  4. Ewing

    Hi , wir waren jetzt schon 2mal in der Region Hochkönig aber haben uns etwas gescheut zum Matrashaus zu wandern, nach deiner sehr guten Beschreibung werden wir es nächstes Jahr in Angriff nehmen. Mach weiter so.

    • Stefanie Dehler

      Ja, auf jeden Fall mal probieren – ihr müsst halt früh genug losgehen und bei gutem Wetter, es ist ein so toller Berg und eine so toll gelegene Hütte!

  5. Günter Wittke

    Ich bin jetzt 86 Jahre alt und marode. Ich bin froh das ich von BGD aus den Hochkönig und das Matrashaus gemacht habe.
    Für einen Kohlenpottler ganz schön beschwerlich – weit – aber nicht gefährlich. Aber alles wunderbar, das Haus, die Landschaft, Übergossene Alm, der letzte Aufstieg. Einfach wunderbar, ich schärme heute noch.

    • Stefanie Dehler

      Dann freue ich mich, dass ich dich ins Schwärmen gebracht habe, meine Berichte sind ja nicht nur dazu da Pläne zu schmieden. Viel Freude weiterhin beim Lesen und Schwärmen und viele Grüße aus München!

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