Gipfelbuch: Schmittenhöhe

Berge in Österreich
Ausblick auf Kitzsteinhorn und Großglockner vom Glocknerhaus auf der Schmittenhöhe

Manchmal muss man Wanderungen völlig unvorbereitet und ohne jede Ausrüstung machen. Besser als gar keine Wanderung ist eine Wanderung vor dem Frühstück, mit Jeans, Baumwoll-T-Shirt, Sneakers und Handtasche, ohne Gipfel und ständig mit Blick auf die Uhr. Aber schon 3 Stunden können tiefste Tiefenentspannung und absolute Zufriedenheit hervorrufen.

 

Ich war am Wochenende auf dem Castlecamp, einem grandiosen Touristiker-Barcamp. Dass an diesem Wochenende das fantastischste Wanderwetter seit Monaten herrschen würde, konnte niemand wissen vorher, und so manch einer, nicht nur ich, hat zumindest mit dem Gedanken gespielt zu schwänzen. Aber andererseits mag man sich so ein Camp auch nicht entgehen lassen!

Also blieb es am Samstag bei sehnsüchtigen Blicken aus den Burgfenstern in Kaprun Richtung Kitzsteinhorn und seinen Nachbarn, aber irgendwann war der Punkt gekommen, wo es bei mir nicht mehr ging. Ein kurzer Hilferuf auf Twitter, eine kurze Beratung durch einen kompetenten Mit-Camper und ich hatte meine Vorbereitungen erledigt- Schmittenhöhe, Sonntag morgen, egal wie.

 

Talblick Zell am See-KaprunAlso klingelt am Morgen um 6 der Wecker, es wird gerade hell und Nebel hängt über dem Tal, Bauern sind schon an der Arbeit auf dem Feld, vor einer allseits bekannten Bar am Ortsrand, die keinen Link verdient hat, stehen noch Gestalten herum, und kurze Zeit später bin ich auf dem Weg Richtung Schüttdorf, einem Ortsteil von Zell am See.

Die Areitbahn (auf 757 m) hat einen großen kostenlosen Parkplatz,von dort geht ein asphaltierter Weg den Berg hinauf (den ich eigentlich – siehe Nicht-Ausrüstung oben- nehmen wollte aber übersehen habe) und auch ein schmaler steiler Pfad, ein wenig matschig zwar aber gut mit normalen Schuhen machbar. Der Gipfel des Kitzsteinhorns liegt bereits strahlend in der Sonne, kaum ein Geräusch ist zu hören, und obwohl das Auto-Thermometer nur 8 Grad angezeigt hat, ist die Jacke bald unnötig.

 

Sonnenaufgang KitzsteinhornEs geht durch den Wald, der Pfad kreuzt irgendwann auch den Asphaltweg und die Seilbahn. Man kommt an der Schoberalm vorbei, die ich links liegen lasse, an grünen Almwiesen mit Kühen, ab und an ein Blick auf den Zeller See, der dunkel unten liegt.

Und plötzlich tritt man aus dem Wald, vor einem knallgrüne Wiese unter darüber ein knallblauer Himmel; spätestens jetzt sind Weckerklingen und seltsame Ausrüstung völlig vergessen. An der Mittelstation der Areitbahn kommt mir dann tatsächlich eine andere Wanderin entgegen! Den kleinen Geocache hatte ich zu dem Zeitpunkt zum Glück schon gefunden (geht ohne GPS Gerät)…

 

 Tagesziel: Glocknerhaus zum Glockner gucken

GlocknerhausVon der Mittelstation ist es nicht mehr weit zur Bergstation, über einen breiten Forstweg, ein paar Serpentinen in der Sonne, an ein paar Kunstwerken vorbei, dann sieht man rechts unten einen See völlig glatt schimmern und erreicht das Glocknerhaus auf 1.583 Meter- leider alles geschlossen, eine Buttermilch wäre jetzt perfekt gewesen. Stattdessen lugt der Großglockner neben dem Kitzsteinhorn hervor. Ein wundervoller Ausblick, nur für mich da, manchmal will man gar nicht teilen…

Für den Gipfel der Schmittenhöhe ist keine Zeit – über Twitter lese ich wie die anderen Barcamper langsam erwachen und sich auf den Weg zur Burg machen. Deswegen nur schnell ein bisschen Wasser trinken, Selbstportrait knipsen und dann flott den Weg wieder hinab und ach – keine Wanderstöcke! An den Knien merkt man ja schon, dass man älter wird ;-)

 

See

Inzwischen fährt die Seilbahn, Wanderer und Mountainbiker kommen mir entgegen und die Blicke sind eindeutig – ein wenig neidisch, da ich ja schon wieder auf dem Weg ins Tal bin obwohl es erst 9 Uhr morgens ist, aber auch verwirrt – warum rennt eine in Straßenklamotten den Berg runter und sagt preußisch Guten Morgen statt Griaß di? Noch dazu mit einem breiten Grinsen im Gesicht? Unheimlich…

Gipfelglück

Beim Weg ins Tal habe ich dann den Abzweig auf den kleinen Pfad irgendwie verpasst und bin länger doch den Asphaltweg gelaufen, geht auch schneller, und das war ja keine normale Wanderung… Nach knapp 3 Stunden war ich jedenfalls wieder am Auto und auf die Minuten pünktlich zum Beginn der Castlecamp Sessions, und auf der Burg gabs zum Glück auch vorzügliches Frühstück… Ich danke für das Verständnis dafür, dass ich die Sessionplanung geschwänzt habe. Aber schlechte Laune wegen Wandersehnsucht hätte auch keinem genutzt ;-)

Fazit: Ab sofort stehen meine alten Wanderschuhe immer im Auto, ab sofort bin ich allzeit bereit zu einer richtigen Bergtour. Unter diesen Umständen war die kleine Tour aber das beste, was mir passieren konnte, einfach gut für die Seele. Die Vor-dem-Frühstück-Tour war ein kleiner Appetithappen, ein kleiner Blick in ein Wandergebiet, das ich bisher noch gar nicht kenne, das für eine Tagestour von München aus auch zu weit ist, aber unbedingt mal weiter erforscht werden muss, allem voran das Kitzsteinhorn. Viele interessante Artikel zum Wandern, anderen Outdoor-Aktivitäten und sonstige Geschichten gibts übrigens im Salzburger Land Magazin, sehr lesenswert!

Noch ein Tipp für Abendessen in Kaprun: Direkt im Ort, an der Kapruner Ache gelegen ist der Auhof, mit fantastischem Essen, freundlichem Personal und sehr fairen Preisen. Ich empfehle das Lamm und vor allem den Schokokochen mit flüssiger Schoki drinnen an Holundereis… Meiden sollte man die Baumbar, sie ist sozusagen das Gegenteil vom Auhof, einzige Ausnahme ist, wenn die legendären Russian Icedivers dort spielen, aber das ist eh nur einmal im Jahr.

Zum Castlecamp

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Und schließlich noch was zum Barcamp selber, da wird es leider keinen separaten Artikel geben, dafür ist keine Zeit… Sucht auf Twitter nach #cczk12 da gibt es Berichte und Fotos, oder geht einfach selber auf ein Barcamp denn:

 

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
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10 Comments

  1. Liebe Steffi,
    toller Bericht, jetzt wissen wir auch, was wir verpasst haben. Respekt vor Deiner Leistung um 6 Uhr früh aufzustehen. Da kommen andere Barcamper gerade erst ins Hotel. Doch Du zeigst uns, dass es auch anders geht. Und dass Du bei der Sessionplanung gefehlt hast, ist nicht aufgefallen, denn Du hast ja alles perfekt delegiert und Deine eigene Co-Moderations-Session gehabt.
    Ganz lieben Dank für das schöne Wochenende und den perfekten Shuttle-Service.
    Auf bald und alles Liebe,
    Götz

  2. Der Herbst ist ja ohnehin eine wunderbare Zeit um wandern zu gehen.
    Darf ich mich da mit ein paar Empfehlungen anschließen, betreffend Herbstwanderungen im Zillertal, vorzugsweise in der Nähe von Gerlos? Ich habe da einen kleinen Blogeintrag, der da von Relevanz sein könnte. Es handelt sich dabei natürich um keine großen und besonders anspruchsvollen Runden, aber dennoch eignen sie sich hervorragend, um die herbstliche Landschaft zu genießen:

    Liebe Grüße

    Markus St.

  3. Pingback: CastleCamp mit Video von der Session Bildsprache von Achim Meurer | Nicole @ 0511web

  4. Pingback: Castlecamp - für die Work-Hike-Balance

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