Winter-Kurztrip nach Interlaken: Vom Schlittenfahren mit Chinesen am Niederhorn

Warnschild Rodelbahn Niederhorn… oder wie ich versuchte einer chinesischen Familie das Schlitten fahren beizubringen.

Mein erster Abend in Interlaken ist ein Freitag, und Vollmond noch dazu. Deswegen ist klar, ich muss zum Sternenschlitteln am Niederhorn. Das Niederhorn ist der 1.949 m hohe Hausberg des Ortes Beatenberg, der gut mit dem Bus von Interlaken aus zu erreichen ist. Das Sternenschlitteln wird im Paket mit Busfahrt, Gondelfahrt (shame on me…), Fondue-Essen, Glühwein und Schlitten-Miete angeboten und so lande ich in der Gondel bei einer Familie aus China, die dieses Paket gebucht haben.

Die 3 sind auf Europaurlaub und haben nicht wirklich einen Plan, was sie an diesem Abend erwartet. 2 von 3 sprechen auch nicht so wirklich gut Englisch, aber wir haben von Beginn an viel Spaß zusammen. Ich ahne schon, was auf mich zukommen wird, als sie in der Gondel fragen: „Liegt dieser Schnee hier das ganze Jahr über oder taut der irgendwann?“ Hätte ich sie nicht am Kragen zurück gezogen, wären die 3 schon an der Mittelstation in die Dunkelheit entschwunden, stattdessen schiebt sich die Interlakener Dorfjugend in die Gondel dazu (eigentlich für 6 Leute, die Kids hatten natürlich schon die Schlitten dabei) und weiter gehts.

Die Chinesen an meinem Rockzipfel entsteige ich ein paar Minuten später der Gondel – und bin erst mal platt. Den ganzen Tag habe ich im Nebel verbracht, nun, auf dem Niederhorn, bin ich plötzlich über den Wolken. Und im Vollmondlicht, im Schnee, zum Greifen nahe, liegen mit einem Male Jungfrau, Mönch und Eiger vor mir. Majestätisch und gespenstisch und eben platt machend.

Meine neuen Bekannten können die Faszination nicht so ganz teilen, sie sind tagsüber schon am Jungfraujoch gewesen, wo auch sonst. Also hinein ins gemütliche Bergrestaurant Niederhorn, zu Käsefondue, Brot und Kartoffeln. Bei Tag muss der Blick durchs Fenster grandios sein, nachts ist leider alles nur schwarz. Dadurch kann man sich aufs essen konzentrieren, dabei mit den Chinesen über die Handhabung der Fondue-Gabeln plaudern und allerlei andere Fragen beantworten, die sie jetzt endlich mal jemandem stellen können. Ich finde das Käsefondue äußerst lecker, die Chinesen finden, es ist zu viel Wein darin. Hm.

Käsefondue am Niederhorn Interlaken

Draußen holen wir uns dann endlich die himmelblauen Schlitten  und treffen wieder auf die Jugend von Interlaken. Alle ausgerüstet mit ordentlicher Daunenkleidung, Skibrille und Helm! Und richtigen Stirnlampen… Mit einem Ticket kann man freitags so oft die Strecke zwischen Mittelstation und Bergstation Niederhorn fahren wie man möchte und mit dem Schlitten den Weg nach unten fahren. Das dauert etwa 15 Minuten, die Strecke ist mit ein paar Lampen markiert. Und die Interlakener Kids fahren wie die Wahnsinnigen.

„Meine Chinesen“ und ich warten bis alle Kids in der Dunkelheit verschwunden sind, setzen uns nebeneinander auf die Schlitten und ich demonstriere lenken und bremsen und immer das Seil festhalten – was soll man schon groß erklären? Ich fahre ein Stück vor, warte, die 3 kommen zögerlich einer nach dem anderen hinterher. Auch beim nächsten kurzen Halt schaue ich noch mal zurück, es scheint alles zu klappen.

Schlitteln am Niederhorn Schweiz

Ja, und dann denke ich ehrlich gesagt nur noch an mich selbst und wie ich wohl heil ohne Helm diesen Berg hinunter komme, denn es geht jetzt richtig steil hinab, enge Kurven, Rillen und Bodenwellen sind nicht zu erkennen im Dunkeln und wenn man die Strecke nicht kennt, klopft das Herz ganz schön schnell plötzlich. Was für ein Spaß! Vor mir keine Interlakener mehr zu sehen, hinter mir auch keine Chinesen, die hatten aber auch keine Stirnlampen. Alles geht gut, ich bin froh, dass ich die Gamaschen über der Hose habe, bei der ersten Fahrt bremst man doch noch ganz schön. Oder redet sich ein, dass man nur kurz anhält, um die mächtigen Schweizer Viertausender im Mondlicht anzuschauen…

Von der Mittelstation wieder nach oben mit der Gondel, bei der zweiten Abfahrt traut man sich schon mehr, nimmt viel mehr Fahrt auf, vertraut drauf, dass man die Kurve schon bekommt und nicht Richtung Thunersee davon fliegen wird. Weit und breit keine Chinesen. Nur Wald, Wiesen, Schnee, Schatten, Mond, Sterne, 3 Kilometer lang. Und Ruhe. Die dritte Abfahrt dauert geschätzt nur noch halb so lange wie die erste, plötzlich überhole ich sogar Leute. Und an der Mittelstation dann die traurige Nachricht, dass es jetzt keine Bergfahrt mehr gibt. Aus, Feierabend, erst morgen wieder. Gerade jetzt…

Also noch schnell ein Glühwein im Bergrestaurant Vorsass und dann mit der Gondel hinab nach Beatenberg. Große Wiedersehensfreude, alle drei Chinesen sind heil heruntergekommen, aber wohl öfter ungewollt in den Schnee gefallen. Wenn ich sie richtig verstanden habe, hatten sie nach einer Fahrt genug, aber zu Hause in China werden sie auf jeden Fall etwas zu erzählen haben!

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Leider habe ich so gut wie keine Fotos, es war durch den Vollmond und den Schnee zwar relativ hell, aber unmöglich für eine normale Kamera brauchbare Bilder zu machen. Das Sternenschlitteln findet jeden Freitag bis zum 17. März statt, Buchung des beschriebenen Pakets bei Interlaken Tourismus, Abfahrt in Interlaken um 19.02 Uhr.

Der Artikel ist jetzt länger geworden als ursprünglich geplant, ich erzähle später noch hier, warum die Begegnung mit den Chinesen zu einem zentralen Thema geworden ist.

Die Alpine Pearls und Interlaken Tourismus haben mich auf die Tour eingeladen, vielen Dank dafür!

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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