Wenn die Hauptperson in einem Buch eine Frau ist, dann wird das Buch von Männern nicht, oder kaum, gelesen. Dann ist es ein Frauenbuch. Das gleiche gilt für Bücher, die von einer Frau geschrieben wurden. Puh. Für Frauen ist es doch ganz normal, Bücher von und über Männer zu lesen? Haben wir in der ganzen Schulzeit nicht lauter „Männer-Bücher“ gelesen?
Ich hoffe, diesen Artikel lesen ganz viele neugierige Männer, die dann auch Lust auf die 3 vorgestellten Bücher haben. Alle von Frauen geschrieben, die Hauptpersonen sind Frauen. Interessant für alle, die sich für die Berge, für Sport, fürs Wandern, für Psychologie interessieren. Sehr interessant und unterhaltsam, und alle sehr sehr unterschiedlich! Viel Freude dabei!
Werbehinweis: Die Bücher sind Rezensionsexemplare der Verlage. Der Artikel enthält Affiliate Links*. Findest du Inspiration, findest du Gefallen an diesem Artikel und diesem Blog? Lade mich auf einen Kaffee ein! Und abonniere gerne auch den kostenlosen Newsletter und folge Gipfelglück auf Komoot.

Inhaltsverzeichnis
Buchtipp 1: Whiteout von Mollie Hughes
Der Untertitel zu Mollie Hughes“ Buch „Whiteout“ ist Mein Weg durchs ewige Eis, Lektionen über Belastbarkeit, Mut und mentale Stärke. Im englischen Original lautet der Titel „Breathe“ – und damit weißt du schon ganz schön viel. Mollie ist Bergsteigerin und Abenteurerin aus Devon/ England.
In ihrem Buch schreibt sie von ihren beiden Expeditionen zum Mount Everest, einmal von Nepal aus, einmal von Tibet, sowie von einer Solo-Expedition in der Antarktis. Zwischen diesen detailreichen, spannenden Reiseberichten geht es dann um psychologische Aspekte, und das sind die Abschnitte, die richtig spannend sind. Jedes Kapitel endet mit einem Interview mit anderen Abenteurerinnen und Abenteurern, die zum jeweiligen psychologischen Thema eine Verbindung haben.

In den Kapiteln geht es um Angst und um Selbstvertrauen, um Trauma und Resilienz, umd die Kraft des positiven Denkens und den geistigen Freiraum, und diese Themen unterscheiden das Buch von Mollie Hughes von anderen Abenteuer-Berichten aus dem Himalaya und der Antarktis. Ich habe mir so viele Stellen angestrichen! Und während ich ja viele Bücher nach dem Rezensieren über meinen Newsletter verlose, werde ich dieses sicher selber behalten, um es im Blick zu haben.
Anhand von wissenschaftlichen Studien, ihren eigenen Erlebnissen und in ihren Interviews zeigt sie die große Wirkung unserer mentalen Stärke, unserer inneren Stimme, unserer Erfahrungen, und zB auch von Affirmationen auf, die zum Erfolg unserer Outdoor-Abenteuer ob groß oder klein beitragen können. Was Mollie Hughes am Everest lernt, können wir auf unser Leben übertragen und damit unseren Alltag und Herausforderungen bei Outdoor Aktivitäten besser meistern.
Infos zum Buch: Whiteout von Mollie Hughes, erschienen 2025 im Goldmann Verlag. ISBN 978-3-442-18064-6. Hier kannst du Whiteout bei Amazon bestellen* oder hol es dir in deiner Lieblingsbuchhandlung.

Buchtipp 2: Aufgeben können die anderen von Lena Johannson
Wenn man an einem x-beliebigen Samstag im Radio Sport-Nachrichten hört, geht es oft zu 100% um Männer Sport, ist dir das schon einmal aufgefallen? Auch hört man immer wieder von Sexismus im Sport, ob Hobby- oder Profi-Sport, immer wieder müssen sich Frauen doofe Sprüche anhören, immer wieder sollen wir „zurück an den Herd“. Soso.
Auch Alice Milliat im Jahr 1898 muss sich viel Mist anhören, dabei ist die Gesellschaft in Frankreich noch restriktiver als unsere jetzigen 20er Jahre. Während in London Frauen schon in der Öffentlichkeit Sport treiben und sogar in Vereinen organisiert sind, ist dies in Frankreich undenkbar. Alice passt das so gar nicht. Sie will arbeiten, sie will die Welt entdecken, sie will schwimmen und rudern und joggen und Fahrrad fahren. Und ihre größter Traum: Frauen sollten doch auch an Olympischen Spielen teilnehmen dürfen, warum denn auch nicht?
Lena Johannson schreibt ihn ihrem Roman von Personen, die wirklich existiert haben, und sie dichtet noch ein wenig dazu. Sie erzählt von einer bemerkenswerten Frau, die es wahrlich nicht leicht hat im Leben, und die trotz allen Hindernissen zu Olympia will. Sie stößt dabei auf rückständige Idioten, aber auch auf viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter, viele bemerkenswerte Leute. Das Stück Sportgeschichte ist sehr unterhaltsam geschrieben, man will immer noch ein Kapitel und noch ein Kapitel und nur noch ein paar Seiten… lesen, fasziniert davon, dass Alice einfach nicht aufgibt. Denn „Aufgeben können die anderen“!
Alice Milliat hat es wirklich gegeben, hier ist ihre Wikipedia Seite. Nach dem Lesen des Romans über Alice bin ich wieder einmal in ein Internet „Rabbit Hole“ gefallen und habe über alles mögliche gelesen, von dem ich noch nie gehört hatte… Bei Wikipedia heißt es abschließend:
Die durch Alice Milliat erstmals veranstalteten Frauen-Weltspiele vom 24. bis zum 31. März 1921 fanden in Monte Carlo statt. Es nahmen um die 100 Sportlerinnen aus England, Frankreich, Italien und der Schweiz teil.
Viele Sportstätten in Frankreich tragen heute ihren Namen. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris wurde eine Statue von ihr enthüllt und anschließend der Stadt übergeben.
Infos zum Buch: Aufgeben können die anderen von Lena Johannson. Erschienen 2025 im atb Verlag, ISBN 978-3-7466-4136-2. Hier kannst du Aufgeben können die anderen bei Amazon bestellen* oder hol es dir in deiner Lieblingsbuchhandlung.

Buchtipp 3: Rebellinnen zu Fuß
Eine respektable Frau im Freien mutterseelenallein in einer Landschaft – oder gar auf einem Berggipfel – war dagegen undenkbar.
Schließlich zu etwas ganz anderem, nicht thematisch aber vom Stil des Buches. „Rebellinnen zu Fuß“ ist nichts, was man in einem Rutsch durchliest. Ich fand es zwar super interessant aber dennoch anstrengend, oft habe ich zwei oder drei Seiten gelesen und es dann wieder zugeklappt.
Der Untertitel von Anneke Lubkowitz’s Buch ist „Auf den Spuren von elf literarischen Wanderinnen“ und in der Art eines akademischen Textes erzählt sie von ihrer eigenen Wander-Leidenschaft und der von Autorinnen und Dichterinnen, von denen man das bisher nicht wusste. Was laut Lubkowitz auch kein Zufall ist – die männlich bestimmte Welt hat sich jahrzehnte- und jahrhundertelang darum bemüht, Frauen weder wandern zu lassen noch davon zu berichten.
Glücklicherweise gab es Frauen, denen die Vorgaben der Männer egal waren, die trotzdem in der Natur unterwegs waren und ihre Gedichte, Romane und Briefe veröffentlichten.
Diese feministisch-literarisch-historische Sammlung stellt elf Frauen vor, ihr Leben, ihr Outdoor-Aktivitäten, ihre Veröffentlichungen. Wer du dich für so etwas interessiert – es ist schon sehr nerdig – dann greif zu diesem Buch, auch wenn du dich vielleicht wie ich über lange Zeit mit ihm beschäftigen wirst. Ein paar Beispiele:
Annette von Droste-Hülshoff hat sich sehr für Geologie und Fossilien interessiert. Auch wenn es oh so unschicklich war, ist sie mit Begeisterung mit einem Hammer in Steinbrüchen herumgekrabbelt um Fossilien zu suchen. Vielleicht hast du auch in der Schule ihr Gedicht „Oh schaurig ist’s übers Moor zu gehen“ gelesen? Das gibt’s auch auf Wikipedia.
Mary Shelley ist die Autorin von „Frankenstein“. Den Titel kennt man natürlich, ich selbst habe es nie gelesen aber sofort als E-Book downgeloadet, als in „Rebellinnen zu Fuß“ davon die Rede war, dass der Mont Blanc und das Mer du Glace eine große Rolle spielen. Mary Shelley unternahm Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts abenteuerliche Reisen von England aus durch Europa bis nach Chamonix, neben dem bekannten Horrorroman hat sie auch ihr Reiseberichte veröffentlicht.
Einen Absatz möchte ich noch zitieren, der die Idee des Buches zusammenfasst, und uns noch heute verzweifeln lässt! Laut Lubkowitz schrieb 1803 ein Johann Gottfried Seume: „Fahren (in der Kutsche und im Wagen) zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.“
Mit dieser Gegenüberstellung, die sich eigentlich gegen den vermeintlich verweichlichten Adel richtete, traf er eine Aussage über die Verteilung von Macht und Ohnmacht in der Gesellschaft. Denn natürlich waren es vor allem die vornehmen Frauen, die nicht zuletzt wegen ihrer unpraktischen Kleidung genötigt waren, die Kutsche zu nehmen. War die Frau, nachdem man sie mit dem Argument, dasss es unschicklich und gefährlich für sie sei, zu Fuß zu gehen, erst einmal in der Kutsche, konnte man auch gleich behaupten, sie sei im Gegensatz zum Mann körperlich nicht befähigt, weite Strecken zu laufen, und daraus wiederum herleiten, dass sie diesem auch in allen anderen Belangen unterlegen war. Und wenn man die Kutschentüren gut verschloss, konnte man ihre Proteste auch gar nicht hören.
An diesem Zitat merkst du übrigens zwei Dinge: Die Sätze sind oft echt lang und verschachtelt, das meinte ich oben mit anstrengend. Aber Anneke Lubkowitz schreibt auch mit feinem Humor, so dass man sich dafür gerne durch lange Schachtelsätze kämpft!
Infos zum Buch: Rebellinnen zu Fuß von Anneke Lubkowitz, erschienen 2025 im Kein und Aber Verlag, ISBN 978-3-0369-5060-0. Hier kannst du Rebellinnen zu Fuß bei Amazon bestellen* oder hol es dir in deiner Lieblingsbuchhandlung.

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Herausgeberin des Gipfelglück Blogs – seit 2011 eine Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Kaffee, Bücher, Yoga und Weit-Weg-Unterwegs-Sein.
