Gipfelbuch: Ben Nevis/ Schottland

Ben Nevis SchottlandÜber die Bergtour auf den Ben Nevis, den höchsten Berg Großbritanniens, wollte ich letztes Jahr im Sommer schon schreiben – aber es war tatsächlich so viel los, ich bin einfach noch nicht dazu gekommen. Dazu kommt, dass die Tour nicht wirklich schön war… An guten Tagen kann man vom Gipfel des Ben Nevis in Schottland die Küste von Irland am Horizont sehen, an 300 Tagen im Jahr herrscht aber angeblich Nebel und wir haben (Ende Juli 2011) einen davon erwischt, und man sah folgendes vom Gipfel:

Gipfel Ben Nevis

Die Wanderung selber ist generell nicht schwierig, man hat etwa 1.300 m Höhenunterschied vor sich, es sind Menschenmassen unterwegs, auch bei schlechtem Wetter, so dass man trotz Nebel den Weg eigentlich nicht verfehlen kann. Trotzdem passieren immer wieder Unfälle, weil Wanderer vom Weg abkommen und abstürzen, an der Nordostwand geht es zum Beispiel über 600 m steil in die Tiefe. Warnschilder gibt es jede Menge, am Besucherzentrum am Parkplatz bekommt man noch ein paar Broschüren mit, in denen man die Navigation mit Kompass wiederholen und sich den Routenverlauf anhand natürlicher Wegmarken ansehen kann. Trotz aller Gefahr sind sogar Familien mit kleinen Kindern unterwegs, die auch tapfer bis zum Gipfel durchgehalten haben.

Ben Nevis Wanderung Schottland

Start der Wanderung ist beim Besucherzentrum in Glen Nevis (Parkticket 3 Pfund pro Tag), nahezu auf Meereshöhe nicht weit entfernt von Fort William. Über eine Brücke über einen kleinen Bach, zunächst eben durch die Wiese, an Schäfchen vorbei. Stetig dann bergauf, zum Teil über Stufen, das Wetter nicht wirklich schlecht, unten gibts auch noch keinen Nebel, der Weg ist breit und einfach zu gehen. Man erreicht einen See, hier ist etwa Halbzeit von der Strecke, aber es wird jetzt steiler, der Weg schotterig und anspruchsvoller, das Wetter kälter, nasser und nebliger.

Aufstieg zum Ben Nevis Schottland

In Serpentinen über Schotterwege und große Steinblöcke geht es jetzt bergauf, viel Spaß macht das nicht, vom Gipfel ist nichts zu sehen, eigentlich macht es nicht viel Sinn weiter zu gehen, aber wenn man schon mal da ist… Am Gipfelanstieg hat man mit riesigen Steinhaufen den Weg markiert, hilfreich, denn der Blick reicht gerade von einem bis zum nächsten, dazwischen in kleinen schwarzen Schatten die Mitwanderer.

Stein-Markierung Ben Nevis Schottland

Es wird flach, man sieht einige Ruinen – der Gipfel auf 1.344m ist erreicht. Sicht null. Nieselregen oder einfach nur dichter Nebel, man weiß nicht genau, was es ist, aber es ist ungemütlich. Leute drängen sich an die Wände der Ruinen um ihre Brote runter zu würgen, ein bisschen Wasser und Schokolade, zumindest ist das Gipfelplateau so groß, dass für alle Platz ist. Es ist alles steinig, nichts wächst hier, alles grau. Ich stelle mir vor, wie es wäre, das Meer und Irland zu sehen von hier. Eine blühende Fantasie zu haben kann sehr nützlich sein im Leben :)

Gipfel Ben Nevis Schottland

Sehr lange dauert unsere Gipfelpause nicht, zu ungemütlich. Recht schnell ist der Abstieg, noch immer kommen viele Leute herauf, alles keine glücklichen Gesichter. Etwas angenehmer wird es, als wir aus dem Nebel raus sind, man wieder mehr grün sieht als nur grau in diversen Schattierungen. Nach rund 5 1/2 Stunden sind wir wieder am Parkplatz- Gipfel abgehakt, man hat was zu erzählen, aber das schönste des Tages ist doch die Dusche hinterher im B&B und das Glas Whisky zum innerlich aufwärmen.

Ben Nevis Schottland

Die Tour auf den höchsten Gipfel der Highlands ist schon zu empfehlen- weil man ja die Chance auf gutes Wetter hat und dann den Rest seines Lebens mit den raren Fotos angeben kann ;-) Gutes und schlechtes Wetter liegen halt in Schottland eng beieinander, man sollte auch im Sommer mit Regen-, Wind- und Kälteschutz ausgerüstet sein, viel Schokolade dabei haben und den Mut nicht verlieren. Immerhin kann man sagen, dass man auf dem höchsten Berg Großbritanniens war (nicht Englands! Glaubt nicht alles was im Internet steht!).

——–

Mehr Schottland: Die Wanderung auf den Conic Hill, bei Sonne!

——-

Bergsee Ben Nevis Schottland

——-

Gefallen?Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann freue ich mich, wenn du ihn über Facebook, Twitter oä deinen Freunden weiterempfiehlst. 

Hast du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Stelle sie unten im Kommentarfeld oder über das Kontaktformular.

Du möchtest künftig keine neuen Artikel verpassen? Dann empfehle ich dir den neuen Newsletter, das WhatsApp Abonnement, werde Fan auf der Facebook Seite oder folge Gipfelglück auf Twitter oder Instagram. Einen RSS Feed gibt es natürlich auch. Danke für’s Lesen!

Stefanie Dehler
Folgt mir:

Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
Folgt mir:

8 Comments

  1. Petra

    Danke für den Bericht Steffi. Schottland steht schon lange auf meiner Wunschliste, aber wenn ich ehrlich bin hat mich bis jetzt vor allem die doch sehr geringe Schönwetterwahrscheinlichkeit abgehalten- ich fürchte ich werde zum beinharten Schönwetterwanderer ;) aber immer dran denken: bei gutem Wetter kann’s jeder ;)

    • Stefanie

      Das Risiko ist es bei Schottland schon wert, wir hatten letztes Jahr schon viel Regen aber auch viel tolle Sonne! In Edinburgh und Glasgow kann man bei Regen einiges machen, im restlichen Land bleiben die Pubs und Whisky Distillerien :-) Aber mir ist schönes Wetter definitv auch lieber!!!

  2. Hi Steffi,
    Erstmal vielen Dank für den Bericht! Das weckt Erinnerungen…
    Das mit dem Wetter auf dem Nevis ist natürlich immer so eine Sache. Selbst auf die Vorhersage die allerorts in Fort William aushängt kann man sich nicht unbedingt verlassen. Irgendwie erinnert er mich damit an den Brocken. Beliebtes Ausflugsziel mit unvorhersehbaren Wetterkapriolen, die jedes Jahr Leute in Mitleidenschaft ziehen. Und bei beiden gibt es einmal im Jahr als Event einen Lauf zum Gipfel…
    Zum Glück enden da aber die Ähnlichkeiten. Den Ben Nevis find ich nämlich viiiiel schöner!
    ;-)

    Uns hatte es 2011 nach einer Tour durch die Highlands (nein, nicht der WHW! Diese selbst gebastelte Route hier: http://www.beuteltiere.org/2011/05/oh-bonny-scotland.html ) am Ende noch auf den Gipfel verschlagen. Sind aber nur bis auf Höhe des Sees um dann dem Pfad links um den Berg herum zu folgen. Auf der Rückseite sind wir dann wieder ins Tal abgestiegen um im Anschluss über die Nordroute den Gipfel anzugehen. Ist aber dann wirklich nichts mehr für Kinder! Kein mit Steinmännchen ausgeschilderter Weg, Blockfelder, Gratwanderung, kleinere Kletterstellen. Dauert dann auch dementsprechend länger…
    Wer die nötige Erfahrung und Fitness am Berg mitbringt der findet hier auf jedenfall Abwechslung jenseits der Touristenströme auf dem Eselsweg (wie deine geschilderte Route dank der früheren Versorgungsart der ehemaligen Sternwarte auf dem Gipfel offiziell heißt!)
    Hab hier noch ’nen Link zu der Route die wir damals genommen hatten: http://www.shareyouradventure.com/map/os/Beuteltiere/2011-04-28
    Abgestiegen sind wir dann auch über den Eselsweg.
    Achso. Glück hatten wir mit dem Wetter auch nicht so wirklich. Einmal ist es kurz aufgeklart. Aber da waren wir auch schon wieder beim Abstieg… ;-)

    • Stefanie

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar Basti. Es gibt tatsächlich Parallelen zum Brocken, jetzt wo du es sagst… Am Ben Nevis wird man zudem auch nicht genötigt, eklige Erbsensuppe in einer Bahnhofshalle zu essen :-)

      • Christian Hens

        Die Erbsensuppe auf dem Brocken ist keineswegs eklig, sondern sehr lecker. Wir waren im Februar 2015 auf dem Brocken und konnte die Erbsensuppe mit Bockwurst bei herrlichem Wetter und viel Schnee und Eis draußen vor der Hütte essen, ohne an den Händen zu frieren. Es war ein rundum tolles Erlebnis, wir haben auch tolle Fotos gemacht.Leider haben nicht viele Besucher des Brockens so ein Glück!

  3. Werner Storch

    Hallo Zusammen,
    Die geschilderte Tour durfte ich im Sept. 2014 ähnlich erleben – langer Anmarsch, langer Abmarsch – geht wegen der vielen Höhenmeter sehr in die Knie, doch insgesamt eine interessante Konditionstour.
    Damals eine Woche vor der Unabhängigkeitsabstimmung hissten zudem junge Schotten ein YES-Schild auf dem Gipfel – und ich hätte Ihnen ihre Unabhängigkeit gewünscht, denn wieso sollen sie für den Moloch London und ein fragwürdiges Königshaus zahlen!
    Schottland ist landschaftlich ein schönes Land mit freundlichen Leuten, doch Irland wirkt lieblicher, die Leute erscheinen herzlicher und die Kneipen sind für die ganze Familie reserviert!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.