Gipfelbuch: Bodenschneid-Überschreitung

Kuh BodenschneidalmFür die Bergtour zur Bodenschneid und zum Bodenschneidhaus haben wir uns spät am Samstag Abend entschieden; der Wetterbericht ist nicht gut, aber auch nicht ganz schlecht, ein Tag, wo man nicht einfach einen langweiligen Spaziergang machen will, aber auch nicht zu viel Risikio durch Regen und Kälte eingehen. Und auch die Anfahrt soll nicht zu weit sein – für eine mittlere Tour, die vielleicht doch ins Wasser fällt, will ich nicht zu lange unterwegs sein.

 

 

Also ab auf die Salzburger Autobahn bis zur Abfahrt Weyarn, dann Richtung Schliersee bis nach Fischhausen-Neuhaus, dort am Bahnhof gibt es kostenlose Parkplätze- und wir sind gerade rechtzeitig um den Bus Richtung Spitzingsee zu erreichen. Unser Wanderstartpunkt ist am Spitzingsattel auf 1127 m; es geht auf einem Forstweg (= im Winter die Schlittenbahn) kontinuierlich bergauf durch den Wald, an der Flanke der Brecherspitz entlang. Erster kurzer Stop: die Obere Firstalm.

Wanderweg Bodenschneid

Noch ist es auch trocken, etwa 15 Grad sind es am Parkplatz in Neuhaus gewesen. Aber grau und wolkig rundum, kaum Aussicht, die Firstalm wie ausgestorben. Wenigstens wird der Weg nach der Alm etwas spannender und um einiges anspruchsvoller: ein kleiner Pfad, durchsetzt mit Wurzeln und rutschigen, nassen Steinen bringt uns durch Wald und Almwiesen höher, es fängt natürlich an zu regnen und der Gipfel der Bodenschneid ist wolkenverhangen.

Warnschilder Bodenschneidhaus

Es gibt einen Sommerweg, der direkt zum Bodenschneidhaus führt, nicht  über den Gipfel- aber erstens wollen wir das eh nicht und wenn hätte uns sicher das Schild davon abgehalten. Es ist nicht die schönste Wanderung der Welt, für Ungeübte wären die nassen Steine kein Spaß, aber für mich ist es eine „Hauptsache unterwegs, Hauptsache draußen“-Tour mit Training der Trittsicherheit durch tiefe Wolken.

Gipfelgrat Bodenschneid

Am Bodenschneid-Gipfel

Der Gipfelgrat kommt in Sicht und zack, um eine Kurve gegangen, sehen wir plötzlich das Gipfelkreuz, dahinter der Schliersee in relativ gutem Wetter, die Wolken hängen rechts unten, wo wir hergekommen sind, links sieht man die Tegernseer Berge wie den Leonhardstein – und es weht ein eisigkalter Wind, der für August irreal erscheint. Der Weg am Grat ist matschig – immer habe ich Gamaschen dabei und oft umsonst, heute hätte ich sie gut gebrauchen können, aber so muss halt die Waschmaschine bessere Arbeit leisten.

 

 

 

Die Sicht nach Westen ist vom Gipfel auf 1669m gar nicht so schlecht, wir finden einen Cache, plaudern mit ein paar anderen Wanderern, essen etwas im Stehen – zum Hinsetzen und Gipfel genießen ist es viel zu ungemütlich. Und die Hütte ruft! Der Weg nach unten ist steinig, rutschig, ein paar kleine Kletter-Kraxel-Stellen, in weiten Serpentinen geht es Richtung Bodenschneidhaus. Aber der Wind hat aufgehört, der Regen auch, der Magen knurrt.

Bodenschneidalm
Bodenschneidalm

 

Einkehr am Bodenschneidhaus

Vor der Hütte liegen mampfende Kühe, die Gaststube ist voll und zu unserer Überraschung brennt ein Feuer im Ofen. Angenehm ist das schon, aber es ist August und ich stelle mir vor, draußen auf der Terrasse zu sitzen, zur Brecherspitz rüberzuschauen und Eis zu essen. Statt dessen gibt es frische Buttermilch und eine Portion Schmorpfanne mit Gemüse und Hackfleisch.

Mittagessen Bodenschneidhaus

Der weitere Weg zurück eher wieder unspektakulär- Fahrstraße, Wiesen und Wald durchs Dürnbachtal, aber es kommt sogar ein wenig die Sonne raus und schon bald sind wir wieder am Auto.

Fazit und Alternativen

Schliersee von der Bodenschneid aus
Tegernsee von der Bodenschneid aus

Im Nachhinein gar keine schlechte Tour, genau das richtige für dieses Wetter. Man kann die Tour auch in der anderen Richtung machen; vom Bahnhof loswandern Richtung Spitzingsattel- aber es fährt nur 1 Bus pro Stunden, man muss entweder Glück haben einen zu erwischen oder halt warten oder die Spitzingstraße nach unten wandern.

 

Ich finde unsere Variante perfekt; abwechslungsreich, nicht langweilig und an einem Tag wie heute wenig los. Gutes Essen und gute Atmosphäre auf der Hütte. Einzig die Aussicht hätte besser sein können – aber man kann halt nicht alles haben.

 

 

wandern ohne Gamaschen
wandern ohne Gamaschen

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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