Gipfelbuch: Frühlings-Wanderung zum Rauhen Kopf 1.604 m

Im Frühling rumort es unter Wanderern und Berggehern, wie anderswo heiße  Tipps fürs Pferderennen werden in Facebook Gruppen und WhatsApp Chats Insider Information erfragt, gehandelt, ausgetauscht: welche Berge sind schneefrei, welche Touren kann man ohne Schneeschuhe und Steigeisen bereits gehen?

Besonders 2018 keine einfache Frage, da in den Bayerischen Alpen sehr lange sehr viel Schnee lag – was schnell vergessen ist, wenn man in München (und anderswo) den frühen Sommer eisschleckend unter blühenden Bäumen genießt.

Frühling im Berg-Wald, doch wo liegt noch Schnee und wo ist er weg?
Frühling im Berg-Wald, doch wo liegt noch Schnee und wo ist er weg?

Eine der ersten Frühlingstouren, die mehr zu bieten hat als nur breite Forstwege, geht zum Rauhen Kopf 1604 m im Berchtesgadener Land, oberhalb von Bischofswiesen. Kein ganz leichter Berg, einer, der auch ohne Schnee nach Bergerfahrung und Trittsicherheit verlangt, der Spaß macht, Kondition erst mal nur für 900 Hm erfordert (Thema #fitfürdieberge) und mit seiner 360 Grad Panorama Aussicht auf schneebedeckte hohe Berge und grünes Tal die Lust auf sommerliche Bergtouren in die Höhe schießen lässt.

Frühlingstag im Bergwald, schneefrei auf dem Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Frühlingstag im Bergwald, schneefrei auf dem Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen

Wie so oft gibt es 1. den Normalweg zum Gipfel (beim Rauhen Kopf: ab Kastensteiner Wand Parkplatz, steil), 2. totale Insider-Steige (halte Ausschau nach scheinbar wahllos geparkten Fahrrädern an mit Punkt markierten Bäumen…) und 3. Wege dazwischen, weniger begangen aber nach “geheimem” Losgehen plötzlich doch beschildert.

Beschilderung auf dem Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Beschilderung auf dem Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen

So ein Weg startet am kleinen Steinbruch in Hohenau oberhalb von Bischofswiesen, einem Platz mit prächtigem Watzmann-Blick (auf ca 700m). Mal raschelt es im Laub, mal hämmert ein Specht, ansonsten ist es ruhig, wenig los auf dem Weg 468, die Frühlingssonne schimmert durch die hellgrünen Blätter. Ein herrlich entspannter Weg zum Rauhen Kopf. Verpasste man den Abzweig, würde man letztendlich über den Stöhrweg am Untersberg landen, doch am entscheidenden Fleck steht ein Schild, links zum Rauhen Kopf über einen weichen Wiesenpfad.

Hier lang zum Rauhen Kopf, ohne Schnee, endlich Frühling./ Berchtesgadener Alpen
Hier lang zum Rauhen Kopf, ohne Schnee, endlich Frühling./ Berchtesgadener Alpen

Es geht angenehm über Waldboden, unterbrochen von Wurzeln und querliegenden Bäumen. Ein paar Minuten folgt man dem breiten Fahrweg 467, am Blauen Kastl geht es dann rechts ab, von hier an teilt man den Weg mit den zahlreichen Berggehern, die über die Kastensteinerwand herauf gekommen sind. Auf diesem Wegabschmitt erwarten uns einige abwechslungsreiche Kraxelstellen, wo man besser kurz die Hände zur Hilfe nimmt. Die Felsen sind zum Teil speckig, wer bergerfahren und schwindelfrei ist, freut sich dennoch über den ersten kleinen Felskontakt des Frühlings.

Kraxelei auf dem Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Kraxelei auf dem Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Trittsicher und schwindelfrei? Dann auf zum Rauhen Kopf!
Trittsicher und schwindelfrei? Dann auf zum Rauhen Kopf!

Das abschließende Schmankerl ist eine seilversicherte Stelle, wo man eine vielleicht 3m breite Felswand zu queren hat. Gut festhalten, achtgeben wo man hintritt und schon geht es weiter auf dem Pfad.

Schlüsselstelle zum Rauhen Kopf: die seilversicherte Stelle/ Berchtesgadener Alpen
Schlüsselstelle zum Rauhen Kopf: die seilversicherte Stelle/ Berchtesgadener Alpen

An einem Metallturm (Erklärung unten*) erblickt man zum ersten Mal den Gipfel, der Turm steht auf einer Art Vorgipfel, mit weitem Blick in die Berchtesgadener Berge, zum Untersberg und zum Stöhrhaus. Durch Latschen und erstem Almrausch führen die letzten felsigen Schritte zum Gipfelkreuz. Ende April ist jeder Platz rund um das Gipfelkreuz belegt, alle genießen strahlend die Frühlingssonne, die Aussicht und die Gipfelbrotzeit.

Blick vom Vorgipfel zum Gipfel des Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Blick vom Vorgipfel zum Gipfel des Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Foto: @bergundball

Insbesondere nach Süden mag man den Blick gar nicht abwenden, auf der Reiteralm, am Hundstod, am Watzmann und am Hohen Göll samt allen Nachbarn liegt noch reichlich Schnee, ein großartiger farblicher Kontrast zum blauen Himmel und zu den grünen Wiesen im Tal. Fast schon kitschig!

Das Gipfelkreuz am Rauhen Kopf, mit Blick zum Watzmann/ Berchtesgadener Alpen
Das Gipfelkreuz am Rauhen Kopf, mit Blick zum Watzmann/ Berchtesgadener Alpen

Der Gipfelglück Gipfel Geheimtipp: ein paar Meter unterhalb des Gipfels gibt es eine kleine Bank. Dort die Pause zu machen ist unbedingt zu empfehlen, denn an der kleinen Bank ist es windstill, es passen gerade zwei Leute in das kleine Eck, trotz Trubel am Gipfel hat man seine Ruhe und kann die Aussicht voll auskosten.

Die Bank knapp unterhalb des Gipfels am Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Die Bank knapp unterhalb des Gipfels am Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Foto: @bergundball

Rückweg vom Rauhen Kopf über das Blaue Kastl

Der Rückweg geht flott, knapp 1 1/2 Stunden (bei ca 3 Stunden Aufstieg mit Pause). Die Kraxelstellen bedürfen im Abstieg durchaus Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, für erfahrene Berggeher ist es Genusskraxelei und nicht schwer. Am blauen Kastl ist ein guter Ort für eine Pause, gerade bei Hitze freut man sich über das Quellwasser. Im Kastl verbirgt sich übrigens ein Marienschrein.

Das Blaue Kastl am Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen
Das Blaue Kastl am Weg zum Rauhen Kopf/ Berchtesgadener Alpen

Ein paar Schritte auf der Forststraße, dann geht es rechts auf einen Pfad Richtung Kastensteiner Wand. Auf einen sehr steilen Pfad. Entsprechend schnell kommt man aber auch voran, erreicht Parkplatz, Wirtshaus und Aussichtspunkt an der Kastensteiner Wand (auf 796 m) und den Ortsrand von Bischofswiesen.

Da keine Hütte direkt am Weg liegt, ein Tipp für den Kuchen danach: das Café der Bäckerei F.X. Neumeier in Bayerisch Gmain. Häufige Anlaufstelle für mich nach Bergtouren rund um Berchtesgaden. Gerne auch als Mitnahme zum Verspeisen auf der eigenen Terrasse.

Blick nach Nordost: Untersberg und Stöhrhaus
Blick nach Nordost: Untersberg und Stöhrhaus vom Rauhen Kopf aus

Fazit: Wie bereits am Anfang gesagt, die 900 Hm zum Rauhen Kopf sind einfach toll für den Frühling, wenn oben noch viel Schnee liegt und man etwas Besseres sucht als eine langweilige Wanderung auf Forstwegen. Frühlingswald, kleine Kraxelstellen, Mega-Aussicht – Top!

*Erklärung zum Turm: es handelt sich um die Temporäre GATE Sendestation Rauhenkopf. GATE steht für Galileo Test- und Entwicklungsumgebung, ursprünglich (ab dem Jahr 2010) die weltweit erste realistische Umgebung für das europäische Sateliten Navigationssytem Galileo, das bessere Leistungen als das amerikanische GPS System erbringen soll. Zum aktuellen Entwicklungsstand: www.gate-testbed.de. Voraussichtich im Jahr 2019 wird der Turm am Rauhen Kopf abgebaut.

Blick nach Westen: der Hochstaufen in voller Länge
Blick vom Rauhen Kopf nach Westen: der Hochstaufen in voller Länge

Alle Höhenangaben aus der Kompass Karte No 794, Berchtesgadener Land
Datum der Tour: 28. April 2018

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher, Yoga und Weit-Weg-Unterwegs-Sein.
Stefanie Dehler
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4 Comments

  1. Angela

    Hallo Stefanie,
    tolle Tour, habe ich vor einigen Jahren schon mal gemacht. Leider konnte ,an den Gipfel da nicht so genießen, wegen massiver Stechmückenattacken. Seitdem habe ich immer Antimückenspray im Rucksack. Habe aber Lust bekommen den Gipfel nochmal in Angriff zu nehmen. In zwei Wochen bin ich wieder in Bischofswiesen.
    Toller Blog übrigens. Hier hole ich mir Inspirationen für meine nächsten Urlaube im Berchtesgadener Land.
    Viele Grüße aus der Eifel Angela

    • Stefanie Dehler

      Hallo Angela,
      Ohje, Mücken können einem wirklich den Spaß verderben. Dann ist es erst recht eine gute Idee einen zweiten Versuch zu wagen, ich drücke fest die Daumen, dass es dieses Mal klappt mit dem Gipfelglück!
      Und Danke für dein Lob, das freut mich sehr. Viel Spaß noch beim Lesen und Planen und vor allem: schönen Urlaub!

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