Hochtouren Ausrüstung für Anfänger (1): Steigeisen

steigeisenWenn Wanderer zu Bergsteigern werden, ändert sich die Tourenplanung zu höher und schwieriger, und vor allem ändert sich die Ausrüstung zu mehr, spezieller, teurer.

Wer mit Hochtouren und Gletscherbegehungen anfängt, muss sich bald überlegen, ob Ausrüstung geliehen oder gekauft werden soll – und darum geht es in einer neuen kleinen Artikelserie, die heute mit einem Gegenstand beginnt, der sich gut als erstes kaufen lässt: mit den Steigeisen.

Seit meinem Gletscherkurs vor einigen Jahren (den ich jedem Neuling empfehle, siehe hier mein Bericht dazu) bin ich immer wieder begeistert und erstaunt, wie gut man sich mit Steigeisen auf einem eisigen Gletscher fortbewegen kann. Wie sicher ich mich dabei fühle, welch große Hilfe sie sind.

Natürlich kann man Steigeisen z.B. bei der eigenen Alpenvereins-Sektion ausleihen, in München geht das sehr einfach über ein Online Formular für die verschiedenen Verleihstellen. Und doch besitze ich inzwischen eigene Steigeisen. Zum einen spart man sich natürlich Zeit vor der Hochtour, die Steigeisen abzuholen und wieder zurück zu bringen. Man spart aber auch Zeit während der Hochtour, weil man genau weiß, wie die Steigeisen anzulegen sind, die Größe ist passend eingestellt und wie mit eigenen Schuhen oder im eigenen Bett fühlt man sich auch mit eigenen Steigeisen einfach besser. Sicherer.

Aufstieg zum Großglockner - hier braucht man Steigeisen (Tourenbericht folgt in Kürze)
Aufstieg zum Großglockner – hier braucht man Steigeisen (Tourenbericht hier)

Tipps zum Kaufen von Steigeisen

Was beim Kauf von Steigeisen wichtig ist, darüber habe ich mit Daniel vom Outdoorhändler Bergfreunde.de gesprochen, wo ich meine Steigeisen gekauft habe. Er arbeitet im Kundenservice und kann auch euch beim Kauf beraten (hier könnt ich euch über das Steigeisen Angebot informieren und sie bestellen)

Steigeisen auf dem Gletscher
Steigeisen auf dem Gletscher

Daniel, was ist das erste, was ich mir vor dem Kauf von Steigeisen überlegen muss?

Daniel von bergfreunde.de: „Bei der Wahl der Steigeisen muss man sich zunächst klar sein, was man damit vor hat. Für gelegentliche Firn- und Gletscherquerungen reicht ein solider 10-Zacker aus, für ambitionierte Hochtouristen ist der 12-Zacker „State of the Art“ und Steileisartisten sollten auf ein entsprechend dafür ausgelegtes Steigeisen mit deutlich längeren und auswechselbaren Frontzacken setzen.

Sobald ein möglicher Felskontakt zu erwarten ist, sollte man auf Stahl setzen. Die deutlich leichteren Alusteigeisen sind meist den Skitourengehern vorbehalten, da sie auf Fels zu schnell verbiegen.“

Das wichtigste Stück Ausrüstung bei jeder Bergtour sind wahrscheinlich die Schuhe. Die müssen passen, sonst wird jeder Schritt zur Qual, ob auf einer Alm oder am Gletscher. Meine Wahl fiel vor einigen Jahren auf die Hanwag Badile Combi GTX (siehe Testbericht hier), mit denen ich noch immer sehr zufrieden bin, auch wenn sie manchmal etwas wärmer halten können.

Was muss man noch bei der Wahl von Schuhen für Hochtouren beachten?

Daniel von bergfreunde.de: „In erster Linie muss das Steigeisen bezüglich Form und Bindung an den Schuh passen.
Je nach Aufbau der Sohle (Sohlenrand vorn, hinten oder gar keiner) muss die Bindungsvariante gewählt werden. Den besten Formschluss bietet ein vollautomatisches Steigeisen mit Bügel vorn und Kipphebel hinten.

Gerade bei leicht gewölbten, leichten Bergschuhen kann es sein, dass der Vorderfuß ein wenig von der Frontplatte absteht. Dies ist nicht sonderlich schlimm. Im Zweifel schaffen flexible Stege (optional erhältlich) Abhilfe und unterstützen das normale Abrollen beim Gehen.“

Steigeisen AustriAlpin
Steigeisen AustriAlpin Tyrol P12

Meine Wahl fiel auf die AustriAlpin Tyrol P12 Steigeisen. Gefertigt aus Stahl, mit 12 Zacken, 2 Frontalzacken und Antistollplatten inkl. Die werkzeuglose Größenverstellung ist praktisch, beim Bindungssystem fiel die Entscheidung auf das Kombi-System mit Kipphebel hinten und einer Kunststoffbindung vorne, für bedingt steigeisenfeste Schuhe. Die Schnürbänder sind extrem lang, inzwischen habe ich aber herausgefunden, dass sie perfekt passen, wenn ich sie zunächst ein Mal um die Wade wickele. Kosten: rund 100 Euro. Zu bestellen auf bergfreunde.de.

Zum Vorbereiten der neuen Steigeisen vor der ersten Tour gehört das Montieren von Antistollplatten. Diese braucht man, damit kein Schnee unter die Schuhe und zwischen Schuh und Steigeisen gerät, dient also der Sicherheit. Auch ohne Erfahrung ist das Montieren der Platten an den Steigeisen kein großes Problem, wenn man erst mal das System kapiert hat. Die Anleitung des Herstellers könnte da besser sein, vor allem kann man die Dinger durch die spitzen Zacken nicht wirklich gut anfassen.

So sehen Antistollplatten aus - vorher.
So sehen Antistollplatten aus – vorher.
Und nachher: Antistollplatten sind auf den Steigeisen montiert.
Und nachher: Antistollplatten sind auf den Steigeisen montiert.

Sind die Antistollplatten befestigt, ist anprobieren angesagt, sich vertraut machen mit der neuen Ausrüstung. Denn steht man erst mal am Gletscher ist es zu spät dafür. In der Wohnung Vorsicht mit dem Parkettboden – entweder eine alte Decke ausbreiten oder gleich draußen im Gras ausprobieren.

Auch noch wichtig vor der ersten Hochtour: eine Aufbewahrungstasche für die Steigeisen kaufen, geliefert wurden meine Steigeisen in einer Pappschachtel, die aber ungeeignet ist für den Transport bei einer Hochtour. Zum Schutz der eigenen Finger und der restlichen Ausrüstung ist eine Steigeisentasche aber wichtig, denn vor und nach der Tour muss man sie in oder am Rucksack transportieren und auch während der Tour hat man sie nicht immer unter den Füßen. Spezielle Taschen sind stabil genug bei den Zacken nicht zu reißen und leicht zu öffnen und zu schließen, um sie schnell ein- und auszupacken. Erhältlich beim Outdoor-Händler des Vertrauens (Kosten um die 15 Euro).

Zacken weg, Dreck weg - so lassen sich Steigeisen gut transportieren.
Zacken weg, Dreck weg – so lassen sich Steigeisen gut transportieren.

Tipps zu Lagerung und Pflege von Steigeisen

Was ist wichtig, wenn die Steigeisen lange halten sollen, das war meine 3. Frage an Daniel:

Daniel von bergfreunde.de: „Steigeisen sind ständig Nässe, Schmutz und Abnutzung ausgesetzt. So ist es völlig normal, dass ein neu gekauftes Produkt sehr schnell gebraucht aussieht.

Sobald einmal die Eloxierung* zerkratzt ist, rostet das Metall darunter. Hier ist mir nur Black Diamond bekannt, welche komplett auf Edelstahl setzen. Jedoch ist auch bei deren Steigeisen die Feder nicht rostfrei und sieht nach Kontakt mit Wasser ähnlich aus, wie bei Edelrid, Petzl und co.

Ich persönlich reinige und trockne nach den Touren meine Steigeisen und entferne Flugrost mit einer weichen Messingbürste. So habe ich immer einen Blick auf mein Equipment und kann Deformationen, Risse oder stumpfe Zacken sofort erkennen. Eine Anleitung zum Schleifen findet ihr übrigens hier.“

Im Gletscherkurs lernt man das Gehen mit Steigeisen.
Im Gletscherkurs lernt man das Gehen mit Steigeisen.

Schließlich noch drei Tipps fürs Gehen mit Steigeisen:
Die Hose sollte an den Beinen möglichst eng sein, damit man sich beim Gehen nicht verheddert, die Hosen kaputt macht und somit das Unfallrisiko reduziert. Sind die Hosenbeine weit: Gamaschen anziehen.

Und: zuerst den Hüftgurt anziehen, wenn es auf den Gletscher geht. Bei vielen Touren empfehlen Bergführer, schon beim Frühstück mit angelegtem Gurt zu erscheinen, dann ist das Thema erledigt.

Das Gehen mit Steigeisen lernt man am besten bei einem Hochtouren Kurs. In flachem Gelände ist es wichtig, breitbeinig zu gehen um nicht mit den Zacken in den Hosenbeinen hängen zu bleiben. In steilerem Gelände ist darauf zu achten, immer mit allen Zacken ins Eis zu treten, auch beim Bergab Gehen. Dabei in die Knie gehen und etwas nach vorne beugen. Alles halb so wild, aber es will geübt sein! Wenn es ganz steil wird , nutzt man die Frontalzacken an der Spitze der Schuhe und lässt die Fersen nach unten hängen. Auch hier: üben, bevor es ernst wird.

Der Bergführer macht vor, wie man mit Steigeisen bergab geht. (am Weißseeferner im Kaunertal, Bericht hier)
Der Bergführer macht vor, wie man mit Steigeisen bergab geht. (am Weißseeferner im Kaunertal, Bericht hier)

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Bergfreunde.de.

*Wer mit dem Wort Eloxierung auch nichts anfangen kann: hier die Wikipedia-Erklärung

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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