Kurt Diemberger: Vortrag einer Bergsteiger- Legende

Da sitzt ein 80-jähriger auf einer unscheinbaren Bühne in Gräfelfing, schaut auf ein Foto des Mount Everest und träumt davon, dass endlich mal jemand die Erstbegehung eines 30 Kilometer langen Grats erfolgreich bewältigt. Am liebsten ja er selber…

Dabei hat Kurt Diemberger in den letzten 60 Jahren so einige 8000er bestiegen, teilweise als erster ohne zusätzlichen Sauerstoff, und war ein Pionier bei Film- und Tonaufnahmen als Kameramann auf den Bergen dieser Welt. Bei seinem Vortrag am Mittwoch hätte ich ihm stundenlang zuhören können, er hat mit einer solchen Begeisterung von seinen Reisen und Expeditionen erzählt, Anekdoten von Weggefährten wie Herrmann Buhl, Luis Trenker und Julie Tullis, mit der er viele Filme gedreht hat, von Abstürzen, Tod, vom Wetter – und immer wieder vom Träumen!

Es war wirklich auffällig, wie oft Diemberger von seinen Träumen erzählt hat und von der Wichtigkeit des Träumens überhaupt. Mein Lieblingszitat habe ich schon getwittert:

Es ist besser, es platzt mal ein Traum, als dass man gar keine Träume hat.

Überhaupt hat er so viele gute Dinge gesagt, in seiner entspannten, charmanten Art, dass ich mir so einiges mitgeschrieben habe, fürs Gipfelglück und für mein restliches Leben ;-)

Zum Beispiel den Tipp, dass man im Biwak singen sollte. Dann ist es weniger kalt!

Die schönsten Plätze der Erde sollten hinter einer Barriere der Mühe liegen.

Wer einmal mit dem Bergsteigen anfängt, hört nie wieder auf. Und wer die ersten zwei Jahre klettern überlebt, wird voraussichtlich sehr alt werden.

Mit der Elektronik (sprich mit Powerpoint…) ist es wie mit einer Erstbesteigung, immer Überraschungen und man weiß nie was kommt. (Dem Sinn nach zitiert, habe das leider nicht ganz mitgeschrieben).

Ein Vortrag mit lauter tollen Bildern und tollen Geschichten: Wie er mit Kamelen zum Berg geritten ist. Wie er einen Geldbeutel am Mont Blanc bergen musste. Wie er Filmmaterial einer Lawine aus einem Archiv eingekauft hat, weil er davon berichten wollte, wie er am Broad Peak in eine Lawine geraten ist und leider gerade nicht selbst filmen konnte. Wie er seine Mitwanderer aufgehalten hat, weil er ständig fotografieren und filmen wollte. Und mit leuchtenden Augen hat er seinen eigenen Film vom Everest gezeigt und kommentiert.

Im Gewühl der vielen Zuhörer habe ich das letzte Buch am Verkaufstisch der Buchhandlung ergreifen können, Diemberger hat natürlich signiert, während er gleichzeitig von anderen Leuten fotografiert wurde – so ist das bei einer Legende, auch wenn sie schon 80 Jahre alt ist. Ich hoffe nun, dass das Buch von ihm, Aufbruch ins Ungewisse, genau so grandios ist wie sein Vortrag und freue mich schon aufs Nachlesen.

PS: Irgendwas habe ich mir notiert mit Daulaghiri und einem Rentierschlitten… vielleicht hat die Rechtschreibkorrektur vom Iphone da etwas eigenes zusammengebastelt, jedenfalls weiß ich wirklich nicht mehr, was da gemeint ist…

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Update 25.4.12: Die literarische Gesellschaft in Gräfelfing hat Pressestimmen zu dem Vortrag zusammengetragen. Der SZ Artikel klingt für mich enttäuschend, so als hätte die Seite noch schnell voll werden müssen. Der Merkur hat dagegen schon schön geschrieben! Und Gipfel-Glück ist auch mit dabei. Ich war aber ganz normaler Zuschauer mit ganz normaler Eintrittskarte.

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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4 Comments

    • Stefanie

      Hallo Herr Gschneidinger,
      vielen Dank für Ihre Nachricht. Die Texte hier stehen unter einer Creative Commons Lizenz und dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke und mit Urhebernennung verwendet werden. Ich schicke Ihnen aber auch noch gleich eine E-mail dazu.
      Freundliche Grüße
      Stefanie Dehler

  1. Wolfgang Buttgereit

    Sehr geehrter Herr Diemberger,

    ich bin oft in Gräfelfing in Pschorr aber ich melde mich aus anderen Gründen, nämlich ich suche den Jörg Rautenburg aus Gießen mit dem Sie wohl in der frühen 70ern in Grönland waren. Ich hatte das Glück mit ihn auf der Großen Zinne und der Delago Kante zu klettern… seitdem „Funkstille“.

    Haben Sie noch Kontakt?

    Mit ganz lieben Grüßen aus dem Westerwald,

    Ihr Wolfgang Buttgereit

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