„Meine“ Alpenrosen-Wanderweg-Brücke in Saalbach-Hinterglemm

Neue Brücke am AlmrosenwegBeim Wandern hat man im allgemeinen ja hauptsächlich den Gipfel, eine Hütte und die Aussicht im Blick, der Weg selber ist halt einfach da. Wenn es mal einen Bach zu überqueren gibt, freut man sich kurz über eine Brücke, weil man keine nassen Füße bekommt – aber viele Gedanken darüber, wer die geplant und gebaut hat und wie wohl das Baumaterial an der Ort gekommen ist, machen sich die wenigsten.

Ich hatte nun letzte Woche (die Vorgeschichte kennt ihr) die Möglichkeit, in Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Land mit den Baumeistern unterwegs zu sein, die sich um die 400 km Wanderwege im Tal kümmern. Zufällig war es der Brückentag nach Fronleichnam, in Österreich nennt man das aber Fenstertag und ich habe leider ganz vergessen, angemessene Witze dazu zu machen…

Praktischerweise hatten Hans und sein Team den größten Teil des Baumaterials schon vorher an die Stelle des Almrosenwegs gebracht, wo es etwa auf 1.400 m einen Bergbach zu überqueren gibt. Das Werkzeug brachten wir mit, zu Fuß, denn mit dem Auto kommt man hier nicht mehr hin, und das noch fehlende Material war eh vor Ort: ein paar Felsbrocken auf beiden Seiten des Baches, auf denen die Brücke aufliegen würde, und dann brauchten wir noch zwei lange Fichtenstämme als Unterlage.

Hier brauchen Wanderer eine Brücke.

Zunächst fällten wir also ganz in der Nähe des Baches erst einmal zwei Bäume, 7 Meter lang mussten sie sein. Äste und Zweige wurden abgesägt, dann wurde die Rinde entfernt (schepsen ist das Fachwort, bitte unten noch die Erklärung dazu lesen!*). Das ist wichtig, weil sich die Stämme dann zum einen leichter zum Bach ziehen lassen aber auch, damit das Holz nicht so leicht fault.

Stämme schepsen

Die Stämme werden übers Wasser gezogen und auf die Steine gelegt, man kann schon erkennen, was es mal werden soll:

Hier kommt die Brücke hin.

 

Fichtenstämme für die neue Brücke

Als nächstes werden die Bretter längs und quer genagelt, über die man später wandert. Links stehen die Bretter über, weil hier das Geländer befestigt wird.

Brücke für Wanderer am Almrosenweg

Ja, da hinten liegt Schnee. 31. Mai 2013.

Brückenbau Saalbach-Hinterglemm

Nächster Bauabschnitt: Stämme und Querbalken fürs Geländer, festhalten auf einer Seite reicht, die Urlauber wollen ja auch ein bisschen Abenteuer erleben.

Rohbau der Brücke

Zur Stabilisierung des Geländers kommen noch Latten schräg nach oben und fertig ist die Brücke:

Gipfelglück auf der neuen Brücke

Normal sind die Wegebauer zu zweit oder zu dritt und brauchen dann etwa einen halben Tag für so eine Brücke. Im Frühling werden die 400 km Wanderwege abgelaufen um zu prüfen, wo Brücken und Wege erneuert oder wo Wegmarkierungen ausgebessert werden müssen. Wenn man als Wanderer irgendwo bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist, sollte man das ruhig melden (bei den Wegebauern, beim Tourismusverband, beim Alpenverein…), dann kann es schneller in Ordnung gebracht werden.

Wie lange so eine Brücke steht: manche über viele Jahre, aber unsere wird, wenn es gut geht, bis zum Herbst begangen werden und dann wieder abgebaut. Wenn es weniger gut geht, kommt ein schlimmer Gewitterregen und reißt sie schon nächste Woche weg in die Tiefe. Wer weiß, ob sie in diesem Moment überhaupt noch steht, ich hätte eine Webcam montieren sollen!

Und zum Schluss haben wir dann tatsächlich noch dieses lustige Schild aufgestellt. Ich bin gespannt, wann es der erste schlaue Wanderer als Souvenir einpackt:

Die Gipfelglück Brücke

Und ganz zum Schluss saßen wir dann noch in der Lindlingalm, nach getaner Arbeit im Trockenen. Denn…

Mittagessen Lindlingalm

… falls jemand wissen will, wie das Wetter war: Es war entsetzlich. Es hat vielleicht 10 Minuten nicht geregnet. Zwischendurch auch Schnee und Schneeregen. Aber jammern hilft ja nix, bei gutem Wetter kann es bekanntlich jeder, und ehrlich gesagt, beim Arbeiten merkt man den Mist von oben gar nicht so sehr. Am Ende waren aber die Arbeitshandschuhe durchgeweicht und es wurde kalt, aber da stand die Brücke dann eh und wir konnten ins Trockene.

Anfahrt zur neuen Gipfelglück-Brücke

Wenn ihr in der Nähe seid, wandert mal hin und schickt mir ein Foto von euch mit der Brücke! Aber wehe es klaut einer das Schild ;-) Die Anfahrt von München: Über die Salzburger Autobahn bis Traunstein, dann die Bundesstraße über Inzell, Lofer, Saalfelden, Richtung Zell am See, vorher rechts ab nach Saalbach-Hinterglemm. Bis zum Talschluss durchfahren, in Lengau ist ein Parkplatz. Von dort ist es ein kurzer Spaziergang auf breitem Weg bis zur Lindlingalm, wo es auch einen Hochseilgarten und anderen Schnickschnack gibt. Am Weg noch ein Stück weiter sieht man links am Hang dann bald die Brücke. Der Almrosen Rundweg, von dem die Brücke ein Teil ist, ist etwa 4 Kilometer lang, besonders schön im Juni, wenn die Almrosen blühen (siehe Foto unten). Auf der Website der Lindlingalm gibt es ein paar Webcams aus der Gegend, die werde ich in den nächsten Wochen mal beobachten und hoffe meine Brücke bekommt bald ein wenig Sonne ab.

Fazit

Der Brücken-Tag war eine schöne Abwechslung zum Büro-Alltag und es hat viel Spaß gemacht mit meinen 4 Kollegen. Danke, dass ihr mich mitgenommen habt!

Angesichts der Regenlage in den Alpen werden sich in den nächsten Tagen wahrscheinlich einige Wege und Brücken verabschieden, wer beim Neu-Bauen helfen will, fragt am besten mal bei den Alpenvereins-Sektionen nach, da gibt es immer wieder Arbeitseinsätze, zu denen man sich melden kann. Auch wenn die der Sektion München-Oberland oft leider ganz schön schnell ausgebucht sind…

Danke ans Salzburger Land und den Tourismusverband Saalbach-Hinterglemm für die Organisation und für das Bezahlen meiner Übernachtung in der Pension Aberger in Saalbach.

Alpenrosen
Wir waren zwar am Alpenrosenweg, da hat nur leider nichts geblüht. Meine Souvenir-Alpenrosen fangen jetzt in der Blumenvase aber langsam an zu blühen :-)

 

 

*Anekdote am Rande: Ich habe am Tag des Brückenbaus das Wort Schepsen zum 1. Mal im Leben gehört. Nicht lange danach, genauer 1 Tag später, war ich im Museum in München, im neuen Lenbachhaus. Was an Werken von Joseph Beuys nun Kunst ist, ist schwer zu sagen, aber in einem Kunstwerk standen doch tatsächlich zwei Schepser! Und das Wort Schepsen wurde in der Beschreibung des Kunstwerks auch noch erklärt. Auch noch zu sehen und nachzulesen auf der Museums-Website! Schöne verrückte Welt :-)

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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