Gipfelbuch: Hike & Swim Hausgrabenkopf & Weitsee

Gipfelkreuz Hausgrabenkopf
Gipfelkreuz Hausgrabenkopf

Gipfelglück erlebe ich ja ziemlich häufig. Doch für die Bergtour auf den Hausgrabenkopf Mitte Mai reicht dieses Wort nicht aus.

Manchmal ist das Gipfelglück nämlich noch ein wenig größer als an “normalen” Bergtagen: Wenn man am ersten richtigen Sommer-Sonntag einen einsamen Berg aussucht, „allein zu zweit“ am Gipfel die Aussicht genießt, unterwegs gerade einmal 5 andere Menschen trifft und sich dann noch überwindet in einem noch-ganz-schön-kalten Bergsee zu schwimmen.

Der Hausgrabenkopf befindet sich zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl im Chiemgau, ist ein Nachbar des Dürrnbachhorns. Die Tour ist sehr steil, aber auch schön schattig an heißen Tagen, und wie schon gesagt sehr einsam.

Parkplatz in der Wildbachfurt
Parkplatz in der Wildbachfurt

Start ist (auf ca 800m) in der Wildbachfurt, in der man links (auf der B 305 aus Ruhpolding kommend) das Auto parkt. Rechts vom Graben gelangt man auf einen Radlweg bzw einen kleinen Pfad, nicht beschildert, aber immer deutlich zu erkennen.

Waldweg im Dreiseengebiet
Waldweg im Dreiseengebiet

Auf weichem Waldboden unter hellgrünen Bäumen geht es in ein kleines Tal hinein. Braunes Laub raschelt unter unseren Füßen, die Vögel singen, von der Bundesstraße hört man ein Motorrad nach dem anderen – der Sommer ist da.

Bachquerung auf dem Weg zum Hausgrabenkopf
Bachquerung auf dem Weg zum Hausgrabenkopf
Wandern am Bach entlang
Wandern am Bach entlang

Wir queren einen Bach, die Felswände rücken immer mehr zusammen und der Weg wird ordentlich steil. Er ist auch nur noch knapp 2 Füße breit, Serpentine um Serpentine arbeiten wir uns den Hang hoch. Ja, es ist extrem steil, aber wir haben den Wald fast für uns alleine und endlich muss man in T-Shirt und kurzen Hosen nicht mehr frieren!

Steiler Weg zum Hausgrabenkopf
Steiler Weg zum Hausgrabenkopf
...und immer noch steiler...
…und immer noch steiler…

Wir erreichen eine Art Plateau, auf dem wir erst mal verschnaufen, der nächste Wegabschnitt ist weniger steil. Wir sehen immer mal rüber zum Dürrnbachhorn…

Blick zum Nachbarberg, dem Dürrnbachhorn
Blick zum Nachbarberg, dem Dürrnbachhorn

…aber auch hinüber zu Gurnwandkopf, Hörndlwand und Unternberg, die wir am Tag zuvor überschritten haben (Tourenbericht folgt). Von gegenüber sieht alles friedlich aus, aber wir können uns in unserer Ruhe und Einsamkeit den Hörndlwand-Trubel schaudernd vorstellen…

In leichtem Auf und Ab geht es weiter durch den Wald. An einer ausgesetzten Stelle müssen wir den Hang queren; für erfahrene Berggeher unproblematisch, lediglich eine niedrige Latsche am Anfang dieser “Schlüsselstelle” macht für große Leute den Einstieg etwas schwer.

Ausgesetzte Hangquerung Foto: @bergundball
Ausgesetzte Hangquerung
Foto: @bergundball

Unerwartet spektakulär ist der Blick hinunter auf der Südseite, Richtung Dürrnbachhorn. Das Tal sieht aus wie ein wilder kleiner Canyon, mit tiefen Gräben, Felsnasen und Wasserfällen.

Der Canyon am Fuße des Dürrnbachhorns
Der Canyon am Fuße des Dürrnbachhorns

Auf dem Hausgrabenkopf-Gipfel

Im Endspurt kommt ein matschiges Stück Hang, immer noch unter Bäumen, noch einmal wird es steil, dann stehen wir mit durchgeschwitztem Shirt und großem Grinsen auf unserem kleinen Gipfel – auf 1.409m, nach etwa 2 Stunden und rund 600 Höhenmetern. Weit und breit keine anderen Menschen zu sehen.

Unter uns leuchten herrlich blau Weitsee, Mittersee und Lödensee. Um uns herum viel Wald in unzähligen Grüntönen und weiter höher Wilder Kaiser, Chiemgauer Berge, die Hörndlwand mit ihren Nachbarn und das Dürrnbachhorn.

See 1 im Dreiseengebiet, der östlichste: Lödensee
Eingang zum Dreiseengebiet mit dem Förchensee
See 2 im Dreiseengebiet: der Mittersee
Dreiseengebiet: Lödensee 
See 3 im Dreiseengebiet, der westlichste: Weitsee
See 3 im Dreiseengebiet, der westlichste: der Weitsee

Zwei andere Wanderer nähern sich – der Gipfel des Hausgrabenkopf ist zu klein für 4 Leute und wir können auch den anderen ihr einsames Gipfelglück. So brechen wir auf und merken im flotten Abstieg, wie steil der Weg wirklich ist. Herrlich, wie schnell man voran kommt, wenn man bergab geht…

Enzian. Jetzt ist Sommer!
Enzian. Jetzt ist Sommer!

Im Tal angekommen fahren wir ein paar Minuten hinüber zum Weitsee. Die ausgewiesene Badestelle liegt an der Radlstrecke Ruhpolding-Reit im Winkl und ist im Sommer damit äußerst beliebt bei Urlaubern. Heute jedoch räkelt sich nur ein Dutzend Leute im Gras, jede Menge nach der Einsamkeit am Gipfel aber wohl kein Vergleich zum Trubel am Chiemsee oder Waginger See. Blauer Himmel, grüner Wald, grüne Wiesen, blaues Wasser – Bayern-Idylle wie auf einer Postkarte.

Der Weitsee zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl
Der Weitsee zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl

Ins Wasser zu gehen kostet dennoch Überwindung – vor ein paar Tagen hat es noch geschneit, es ist erst Mai. Noch dazu liegt meine Badekleidung zu Hause, die Unterwäsche dient heute als Bikini. Schritt für Schritt wate ich tiefer ins Wasser, die Badestelle ist perfekt dafür. Arme nass machen, Wasser ins Gesicht spritzen, sogar dass tut schon gut nach der schweißtreibenden Wanderung zuvor. Als das Wasser bis zur Hüfte reicht, werden die Füße bereits eisig, es hilft nur noch – ganz rein.

Baden im Bergsee im Mai. Kostet Überwindung. Foto: @bergundball
Baden im Bergsee im Mai. Kostet Überwindung.
Foto: @bergundball

Brüllen. Nach Luft schnappen. Schnelle Schwimmbewegungen um irgendwie wieder warm zu werden. Freuen. Und nach zwei Minuten wieder raus, grinsend, zu Handtuch, Salamibrot und der Wärme einer menschlichen Umarmung.

Infos

Die Tour ist übrigens auch mit dem Bus machbar, die Linie 9506 hält an den Haltestellen Weitsee Badeplatz oder Mittersee.

Höhenangaben aus der Kompass Wanderkarte 14, Berchtesgadener Land Chiemgauer Alpen

Datum der Tour: 22. Mai 2016

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Berg-Aktivitäten im Chiemgau

Alle Gipfelglück Berge von A bis Z

 

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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2 Comments

  1. Jürgen Hülswitt

    Hallo
    Stefani, bin zufällig auf Deine Seite “ HIKE & SWIM HAUSGRABENKOPF
    & WEITSEE “ gelandet! Toller Bericht mit schönen Bildern ! Bin zwar
    nur ein “ Zuagroaster “ ( jetzt 10 Jahre Inzell ) aber auch ich liebe
    die einsamen Wege und kenne mich in der Gegend ganz gut aus. Habe die
    Tour auf den Hausgrabenkopf vor ca. 2 Jahren gemacht. Mein Tipp : Man
    muß nicht den selben Weg zurückgehen! Vom Gipfelkreutz aus südlich und
    weglos eine steile Wiese runter( besser zur Sicherheit Steigeisen
    einpacken),später südwestlich halten danach wieder südlich, bis man auf
    einen Weg trifft der in den Chiemgauradweg mündet!( keinesfalls in die
    Gräben absteigen!) Zum
    Weitsee : Von Deiner Badestelle aus den Uferweg südlich weitergehen bis
    Du zu einem Kiesstrand kommst! Dort wunderschöne Bademöglichkeit auch
    ohne Klamotten; wir machen dort alle seit Jahren FKK ! Viele Wanderer
    und Biker kommen vorbei um dort ein zwangloses Bad zunehmen.
    Weitere interresante und einsame Bergtouren : Der Saurüsselkopf oder die
    Adlerkopfüberschreitung in wilder einsamer Landschaft in der Gegend
    zwischen Rauschberg und Sonntagshorn gelegen ! Einfach mal googeln !
    Servus, und viel Freude bei Deinen weiteren Touren !

    • Stefanie Dehler

      Hallo Jürgen, danke für deine Tipps, ich lerne die vielen „geheimen“ Wege im Chiemgau gerade Dank eines Einheimischen kennen :-)
      Mein nächster Bericht hier im Blog geht übrigens über eine Inzeller Tour, Gamsknogl und Zwiesel. Hat mir sehr gefallen, der Bericht kommt am Montag oder so.
      Auch dir viel Spaß bei den Touren und beim Weiterlesen hier :-)

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