Bücherglück – die neue Art Heimatromane (6)

“Maries Konzept war es, möglichst viele heimatliche Begriffe darin [in ihren Romanen] unterzubringen, welche den Touristen, die ja in erster Linie ihre Leserschaft bilden, vertraut waren. Wallberg, “Bachmair” oder “Angermair”. Die Touristen sind doch entzückt, wenn sie das lesen und dann sagen können, da waren wir doch auch.”

Dieses Zitat ist aus dem Roman “Schwanenschrei” von Manfred Eichhorn, Untertitel “Ein Tucholsky-Roman”. Der Roman spielt – sicher haben es einige erkannt – rund um den Tegernsee.

Ja ich bekenne mich offen dazu, Leserin solcher neuer “Heimatromane” zu sein. Romane, insbesondere Krimis, wo man Orte, Straßen, Gipfel wiedererkennt. Wo ich selbst gewandert bin, gegessen habe und fotografiert. Hier im Blog werden solche Buchtipps gerne gelesen, vermutlich weil viele von euch beim Planen des Urlaubs in den Bergen auch den passenden Krimi einpacken oder auf den eBook Reader laden wollen.

Alternativ freut man sich in der urlaubslosen Zeit auf der Couch über ein Buch, das einen an eine vergangene Reise oder ein Bergwochenende erinnert. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Autorinnen und Autoren von bekannten Berghütten, Cafés und Sehenswürdigkeiten schreiben und man zwischen Fernweh, guten Erinnerungen und Krimi-Grusel schwankt.

Heute deswegen wieder ein paar Buchtipps, die an exakt beschriebenen (Urlaubs-) Orten in Oberbayern spielen, sowie ein Wanderführer, der beim Planen des nächsten Urlaubs im Chiemgau hilft.

Werbehinweis: die mit **markierten Bücher sind Rezensionsexemplare der Verlage, das andere ist selbst gekauft. Der Artikel enthält Affiliate Links*. 

Neue Buchtipps aus dem Hause Gipfelglück
Neue Buchtipps aus dem Hause Gipfelglück

Buchtipp 1 für den Tegernsee: Schwanenschrei**

Neben bekannten Schauplätzen weckt ein bekannter Name bei mir das Interesse ein Buch zu lesen. Bei Schwanenschrei war dies der Name Tucholsky im Untertitel, aber ich sage gleich vorweg, dass man über Tucholskys Leben am Tegernsee nicht viel erfährt. Da hatte ich mir mehr erhofft als nur Zitate, mit denen ich wenig anfangen konnte.

Davon abgesehen ist es ein packender Roman, mit jeder Seite, die man umblättert, wird es verwirrender, benehmen sich die Figuren mysteriöser und skurriler. Der pensionierte Polizist Klaus Lott wird von seiner Jugendliebe Ilse Strasser kontaktiert, die in Rottach-Egern lebt und ihre Tochter Marie vermisst. Marie ist oben zitierte Heimat-Roman-Schreiberin, Lott soll helfen sie zu finden.

Eine Rolle spielen dann noch die Polizei in Bad Wiessee, Klüngeleien im Tal und ein geheimnisvolles unveröffentlichtes Manuskript von Kurt Tucholsky.

Ein seltsames Buch, mal ist es Krimi, mal Schnulze. Gut geeignet, in einem Café am Ufer des Tegernsees gelesen zu werden, bei Kaffee und Kuchen. Und immer, wenn es zu mysteriös wird, schaut man hoch vom Buch auf den See und die Berge und schüttelt verwundert den Kopf.

Infos zum Buch

Schwanenschrei von Manfred Eichhorn, erschienen 2018 im Gmeiner Verlag, 246 Seiten im Taschenbuch (ich habe die Kindle Ausgabe gelesen), ISBN 978-3-8392-5838-5. Hier kannst du Schwanenschrei bei Amazon bestellen*.

Buchtipp: Schwanenschrei
Buchtipp: Schwanenschrei von Manfred Eichhorn

 

Buchtipp 2 für das Berchtesgadener Land: Der Watzmann und der Tod**

Frauke Schuster hat mit “Der Watzmann und der Tod” wieder einen Krimi um den Journalisten Paul Leonberger in Bad Reichenhall geschrieben. Es geht in dem Krimi nicht um Bergsteiger, die am Watzmann abstürzen, auch wenn man das bei dem Titel denken könnte. Der Berg hat tatsächlich wenig mit dem Inhalt zu tun, dennoch ist das Buch bestens geeignet um sich Lust auf einen Urlaub ins Berchtesgadener Land zu machen, oder sich während der Reise abends im Bett noch ein wenig zu gruseln.

Wenn du zuerst zurückblicken willst: den ersten Teil der Serie um Paul Leonberger, Watzmanns Erben, habe ich hier kurz vorgestellt.

Wie der 1. Band ist auch Der Watzmann und der Tod wieder sehr brutal und beängstigend. Paul Leonberger hat sich in Reichenhall ganz gut eingelebt, mit seinem Vater, seiner Freundin und seinem Job ist aber alles nicht so einfach für einen, der lange weg war. Es geht um eine schreckliche Serie von Kindesentführungen. Der Sohn von Leonbergers Freundin ist verschwunden, er recherchiert um ihn zu finden aber auch um in seiner Zeitung darüber berichten zu können. Wieder ist die Arbeit mit den örtlichen Polizisten alles andere als einfach.

Die Erzähl-Perspektive im Buch wechselt, man erfährt, wie ein unbekannter Mann die Kinder zu sich lockt, einsperrt, quält. Wodurch man noch dringlicher hofft, dass Leonberger den Fall schnell lösen kann. Er ist schon sympathischer als im ersten Buch, aber dennoch bin ich noch skeptisch ob ich ihn als Figur mag. Die Lösung wird einem erst ganz am Ende klar, in Leonbergers Umfeld tauchen einige spannende Personen auf, die man sich so tatsächlich gut in Reichenhall vorstellen kann, ebenso die Schwierigkeiten, die Leonberger mit manchen von ihnen hat (er hat lange in Paris gelebt). Nur der Titel ist bis zum Ende unklar- Reichenhall hat einen viel größeren Bezug zum Staufen, der Watzmann ist gefühlt weit weg und kommt in der Geschichte kaum vor.

Infos zum Buch

Der Watzmann und der Tod von Frauke Schuster, erschienen 2018 im Gmeiner Verlag, 344 Seiten im Taschenbuch (ich habe die Kindle Ausgabe gelesen), ISBN 978-3-8392-5768-5. Hier kannst du Der Watzmann und der Tod bei Amazon bestellen*.

Buchtipp: Der Watzmann und der Tod von Frauke Schuster
Buchtipp: Der Watzmann und der Tod von Frauke Schuster

Buchtipp 3 für den Chiemgau: Harte Tage, gute Jahre

Bei vielen Wanderungen in den Alpen kommt man an kleinen Almhütten vorbei. Im Winter schaut vielleicht gerade noch der Schornstein heraus, im Sommer sitzen Sennerin und Senner auf der sonnigen Bank vor der Tür, verkaufen dir einen Kaffee, pflegen einen kleinen Kräutergarten. Man winkt und grüßt und plaudert übers Wetter, geht weiter und vergisst meist die Begegnung wieder.

Eine alte Sennerin im Chiemgau, von der Oberkaseralm am Geigelstein, hat es zu ein wenig “Berühmtheit” gebracht. Sie verbrachte fast ihr ganzes Leben auf der Alm, auch die Winter, fast immer allein. Die Autorin Christiane Tramitz hat die Lebensgeschichte der Sennerin Mare aufgeschrieben und im Knaur Verlag veröffentlicht. Der Titel ist sehr passend “Harte Tage, gute Jahre”. Auch beim Lesen wechselt das Gefühl zwischen “Wie kann sie dieses harte Leben ertragen” und “Eigentlich schon schön, so ein Leben am Berg”.

Unvorstellbar für mich, dass Mare in ihrem Leben kaum über Rosenheim hinaus gekommen ist. Sie hatte offenbar kaum Interesse daran, die Welt zu entdecken. Und traf dann auf Menschen wie den Reiseschriftsteller Bruce Chatwin, der sich die Welt anschaute, von Patagonien über Australien bis zum Geigelstein. Oder die “typischen Münchner”, dies jedes Wochenende auf einen anderen Berg gehen, mal im Allgäu, mal am Achensee, mal auf den Geigelstein.

Man könnte das Buch von Christiane Tramitz in einem Rutsch durchlesen. Ich habe mich tatsächlich gezwungen, immer nur ein paar Seiten am Stück zu lesen, um länger etwas davon zu haben. Im Sommer 2017 ist die Oberkaser Mare mit 92 Jahren in ihrer Almhütte am Geigelstein gestorben. Mit ihrem Buch wird sie lange in Erinnerung bleiben.

Infos zum Buch

Christiane Tramitz, Harte Tage, gute Jahre, erschienen 2017 im Knaur Verlag. Gebundene Ausgabe mit 272 Seiten, ISBN 978-3-426-21431-2. Hier kannst du Harte Tage, gute Jahre bei Amazon bestellen.*

Buchtipps: Harte Tage Gute Jahre von Christiane Tramitz, und Buchtipp Chiemsee
Buchtipps: Harte Tage Gute Jahre von Christiane Tramitz, und Buchtipp Chiemsee

Buchtipp 4 für Wanderurlaub in Bayern: Chiemsee**

Diesen Wanderführer benutze ich selber zugegebenermaßen nur in einer Jahreszeit – im Frühling. Wenn auf den Bergen noch Schnee liegt (gerade im Frühling 2019 wird dies noch sehr lange der Fall sein), wenn die Seele aber schon Frühling braucht, dann ist das Gebiet rund um den Chiemsee, zwischen Rosenheim und Traunstein, ideal.

Zwar gibt es wenig Höhenmeter zu absolvieren dafür aber viele kleine schöne Ecken zu besuchen, die wieder uninteressanter werden, wenn die hohen Berge schneefrei(er) werden.

Wer Urlaub am Chiemsee macht, wird die Wanderungen viellteicht das ganze Jahr interessant finden, viele der Touren sind auch bei schlechterem Wetter machbar, wenn es lieber etwas Flacheres sein soll.

Einige der 55 beschriebenen Touren lassen sich gut mit dem Fahrrad machen, allen voran die “Lieblingstour” aus dem Wanderführer, Tour Nr 17: von Gstadt führt sie nach Prien/ Stock, von dort mit dem Schiff zur Fraueninsel und zurück nach Gstadt. Die Radltour rund um den Chiemsee ist mein persönlicher Frühlingsklassiker!

Von Grabenstätt an den Tüttensee führt Tour Nr 42, der See gehört für mich im Sommer zu den schönsten Badeseen der Gegend.

Wanderung zum Tüttensee im Chiemgau
Wanderung zum Tüttensee im Chiemgau

Über die Kendlmühlfilzen habe ich hier schon einmal berichtet. Dort lohnt sich immer, zu jeder Jahreszeit, ein Spaziergang oder eine kleine Wanderung. Filz ist übrigens ein anderer Name für ein Hochmoor, und ein Hochmoor hat im Gegensatz zum Niedermoor keine Verbindung zum Grundwasser – das habe ich durch diesen Wanderführer nun endlich einmal gelernt – Tour 32 und 33.

Der Hochberg bei Traunstein ist wirklich ein für die Umgebung hoher Berg, besonders zu empfehlen bei Sonnenuntergang – Tour 45!

Jede der 55 Touren hat neben der Beschreibung ein Höhenprofil, einen Kartenausschnitt und mehrere Fotos, dazu in Piktogrammen viele Infos zu Einkehr- und Bademöglichkeiten, Winter- und Kindertauglichkeit, öffentliche Anreise, Parkplätzen uvm.

Zum Buch gehört eine separate Karte, allerdings im Maßstab 1:40000. Dies ist nicht unbedingt wandertauglich, hilft aber bei der groben Orientierung, an welchem Ufer des Chiemsees sich die Tour etwa befindet.

Der Frühling kann kommen!

Infos zum Buch

Chiemsee, Zwischen Rupertiwinkel, Simssee und Kampenwand: Wanderführer mit Extra-Tourenkarte 1:40.000, 55 Touren, GPX-Daten zum Download, von Monika Göbl und Walter Theil, KOMPASS-Wanderführer, Band 5449, erschienen 2017 im Kompass Verlag. Inzwischen ist die 2. Auflage erschienen mit leicht verändertem Titelbild, 224 Seiten, ISBN 978-3-99044-145-9. Hier kannst du den Chiemsee Wanderführer bei Amazon bestellen*.

Buchtipp: Kompass Wanderführer Chiemsee
Buchtipp: Kompass Wanderführer Chiemsee

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - seit 2011 eine Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher, Yoga und Weit-Weg-Unterwegs-Sein.
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