Hüttenwochenende rund um das Prinz-Luitpold-Haus

luitpoldhaus_20140815_131359Das Highlight des Hüttenwochenendes im Prinz-Luitpold-Haus war natürlich die Bergtour auf den Hochvogel, von der ich schon berichtet habe. Die restliche Zeit hat es hauptsächlich geregnet, nur manchmal ein wenig geschneit, wie das in alpinen Regionen im August halt so ist. Aber zu Bergabenteuern gehört nun einmal auch dazu, stundenlang nur rumzusitzen und auf besseres Wetter zu warten (siehe meine Tipps von letztem Samstag dazu…)  – wohl dem, der eine Hütte dafür hat und kein Zelt. Das Rumsitzen habe ich diesen Sommer gelernt, und das Prinz-Luitpold-Haus ist ein guter Ort dafür gewesen.

 

Prinz Luitpold Haus im Allgäu

Aufstieg zum Prinz-Luitpold-Haus

„Der Klassiker“ ist, über Bad Hindelang nach Hinterstein zu fahren und ganz am Ende des Orts am großen Parkplatz das Auto abzustellen. Kostet zwar 2,50 Euro am Tag, dafür ist hier auch direkt die Bushaltestelle, die einen für 4,40 Euro zum Giebelhaus (1.068 m) bringt. Das dauert etwa eine halbe Stunde – zu Fuß wäre der Weg sehr eintönig, 10 km über Asphalt.

Giebelhaus mit Wolken

Von dort geht es auf einem einfachen Weg – gut auch bei Dauerregen machbar – in etwa 2 Stunden zum Prinz-Luitpold-Haus. Zunächst über Asphalt, dann links ab über einige glitschige Stellen über den Bach, am Wasserfall vorbei, an der gemütlich aussehenden Unteren Bärgründelealpe vorbei und die restlichen Höhenmeter über Wiesen- und Latschenpfade zum Prinz-Luitpold-Haus.

Auf dem Wanderweg zum Prinz Luitpold Haus

Übernachten im Prinz-Luitpold-Haus

Um es gleich vornweg zu nehmen – das Prinz-Luitpold-Haus heißt Haus und nicht Hütte, und es ist einfach viel zu groß. 296 Leute finden Platz (260 im Lager, 20 in Betten und 16 im Lager im Winterraum) und sie fanden bei unserer 2. Nacht dort Platz. Lager, Speiseräume und Trockenraum waren völlig überfüllt und es war lange nicht mehr so entspannt und gemütlich wie eine Nacht zuvor, als vielleicht die Hälfte der Menschen im Haus übernachtet hat.

Gamsbraten im Prinz-Luitpold-Haus
Gamsbraten

Hüttenwirte und Personal sind sehr freundlich und das Essen war durchweg köstlich, von der Suppe über den Kuchen bis zu Gamsbraten und Käseplatte. Der Trockenraum ist riesig und war am ersten Abend perfekt – am zweiten Abend war er mit der Menge an Menschen und der Menge an nasser Kleidung schlicht überfordert.

Terrasse Prinz-Luitpold-Haus

Die Terrassen rund ums Haus bieten wundervolle Blicke – wenn man denn Glück mit dem Wetter hat. Und Hund Alois ist der Chef von allem und hat alles unter Kontrolle.

Sobald es frostig wird in den Bergen schließt das Haus bis zum nächsten Sommer – weil sonst die Wasserleitungen von der Quelle zum Haus zufrieren.

Mehr zum Haus und Reservierungs-Formular auf www.prinz-luitpoldhaus.de/

 

Wiedemerkopf
Wiedemerkopf

Wanderungen rund ums Prinz-Luitpold-Haus

Der „Hausberg“ der Hütte ist der Wiedemerkopf, 2.163 m hoch und nur etwa 1 Stunde entfernt. Es gibt ein paar Kletterstellen auf dem Weg zum Gipfel – es war bei unserem Versuch einfach zu nass und dadurch gefährlich dafür, weshalb wir relativ bald umgekehrt sind. Hämisch beobachtet von 10 Gämsen, die natürlich keine Probleme bei ihrer Kraxelei hatten. Aber getreu dem Motto „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ haben wir uns am gleichen Abend dann einen Gamsbraten schmecken lassen…

Eis-Blumen an der Bockkarscharte

Trotz Regen und Schnee am Samstag sind wir mittags eine kleine Runde gelaufen, die zwar ungemütlich war, die Schönheit der Region war aber deutlich zu erkennen. Von der Hütte ging es zunächst mäßig steil auf dem Jubiläumsweg entlang zur Bockkarscharte (2.164 m), auf dem Höhenweg, der einen in 7 Stunden nach Hinterstein geführt hätte (bei gutem Wetter wäre das unser Aufstieg am 1. Tag gewesen). Es gibt eine seilversicherte Stelle, das Seil voller Schnee und nass, die eigentlich hilfreichen Metallplatten ebenfalls voller Schnee und glitschig – aber auch so etwas muss man mal üben und am besten an einer nicht absturz-gefährdeten Stelle wie hier.

Alles halb so wild

Unscheinbar und leicht zu verpassen ist die Kreuzung, wo der Jubiläumsweg Weg 421 auf den Weg 427 trifft, auf dem wir Richtung Balkenscharte und zurück zur Hütte weiterwandern. Highlight ist eine riesige Schafherde, auf die wir treffen, und es ist ein wohl einmaliges Erlebnis, wenn 200 Schafe auf einen zugerannt kommen. 200 krakelende Schafe mit Glöckchen machen einen Höllenlärm!

Und sie folgen uns auch auf dem Weg zur Balkenscharte (2.172 m), stoppen aber, als die Wiese in Geröll übergeht. Geröll ist nie angenehm zu gehen, aber es gibt schlimmere Stellen als hier, man rutscht nicht allzuviel zurück. Schnee ist hier auch keiner mehr, es hat sogar aufgehört zu regnen. Zur Balkenscharte werden wir am folgenden Tag zurückkehren, hier beginnt der spannende Teil des Wegs zum Hochvogel.

Balkenscharte nach dem Schnee

Möglich wäre auch der Übergang zur Kemptener Hütte, zum Laufbacher Eck oder zum Nebelhorn. Die Kemptener Hütte ist meist die erste Übernachtung bei der klassischen Alpenüberquerung auf dem E5, siehe Artikel dazu hier.

Oder man spielt halt Kniffel und isst noch einen Gamsbraten auf der Hütte…

See am Luitpoldhaus

Rückweg nach Hinterstein

Hier sollte man unbedingt beachten, dass der Bus nur 1 x pro Stunde fährt. Und durchaus sehr voll sein kann. Es ist ratsam, alle Kraft und Kondition zusammen zu nehmen und zu rennen, wenn es knapp zu sein scheint. Wir kamen auf die Abfahrtsminute pünktlich am Bus um 16.10 Uhr an.

Und haben dann noch 2 Minuten auf andere Wanderer gewartet, die sich auch noch reingequetscht haben…

 

Alles in allem eine tolle gemütliche Hütte – nur nicht, wenn sie voll belegt ist.

Weiterlesen: Packliste für eine Hüttentour

 

*Alle Höhenangaben aus der Kompasskarte 24, Lechtaler Alpen Hornbachkette

Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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