Virtuell Wandern (13) – mit Michaela und Johannes auf die höchsten Gipfel aller europäischen Länder

Comapedrosa - auf dem höchsten Gipfel in Andorra
Comapedrosa – auf dem höchsten Gipfel in Andorra

Zu manchen Interview Partnern führt einen jahrelanger Twitterkontakt. Oder der Zufall. Oder ein Nebensatz bei einem Treffen, beim Verabschieden flüchtig erwähnt, von Claudia, die ihr Leser hier schon vom Gleitschirm-Interview kennt.

Durch sie hörte ich von dem tollen „Projekt“, mit dem sich Michaela und Johannes beschäftigen: Sie wohnen zwar im „Flachland“ (eigene Aussage, als ob München nicht flach wäre hehe) und haben sich vorgenommen in jedem Land Europas den höchsten Berggipfel zu ersteigen. Von den bisherigen Gipfeln, künftigen Plänen und Herausforderungen für die kommenden Jahre erzählen sie euch heute:

 

1) Stellt euch bitte kurz den Gipfelglück Lesern vor, damit jeder weiß, mit wem ich heute virtuell wandere.

Hallo Stefanie, wir sind Michaela und Johannes. Ein junges Pärchen aus dem Flachland, welches die Berge für sich entdeckt hat. Wir sind 25 bzw. 27 Jahre alt und kommen gebürtig aus Brandenburg und Thüringen. In unserer Jugend hatten wir mit Bergsteigen noch nichts zu tun, obwohl wir beide das schon immer spannend fanden.

Wir lernten uns beim Klettern im Hochschulsport kennen, aber der wirkliche Drang des Bergsteigens kam in uns erst später auf. Jetzt haben wir uns ein langjähriges Ziel gesetzt, von dem wir gleich noch ein wenig erzählen möchten.

Der höchste in Österreich - Michaela und Johannes auf dem Weg zum Großglockner
Der Höchste in Österreich – Michaela und Johannes auf dem Weg zum Großglockner…

2) Ihr habt einen tollen Plan – jeweils den höchsten Gipfel der europäischen Länder zu besteigen, erzählt mal davon!

Die Idee der Besteigung des höchsten Berges jedes europäischen Landes entstand erst ziemlich spät. Wir sind oft in den Alpen wandern gewesen und waren schon immer von Bergen angezogen. Der eigentliche Anstoß dazu kam allerdings erst 2012 in unserem gemeinsamen Griechenlandurlaub. Nachdem der Myticas (der höchste der Olymp-Gipfel) erklommen war, suchten wir nach neuen Herausforderungen und so wurde die Idee geboren, in anderen Ländern auch auf „Dem“ höchsten Punkt zu stehen.

Der Grundstein war gelegt und wir flogen wenige Monate später nach Schottland, um den höchsten Berg von Großbritannien, den Ben Nevis zu besteigen. Immer noch gepackt von dieser Idee folgte wenige Monate später die Zugspitze. Mittlerweile sind 6 weitere Gipfel hinzu gekommen und das Jahr 2014 beendeten wir mit der Besteigung des Großglockners, dem höchsten Berg Österreichs.

... und auf dem Gipfel des Großglockners
… und auf dem Gipfel des Großglockners

Dieser Leitgedanke wurde immer spannender für uns und je mehr wir uns in dieses Thema einlasen, umso mehr Herausforderungen stellten sich uns. Wir stellten aber langsam auch immer mehr fest, dass neben den eigentlichen Erschwernissen der Gipfelbesteigung auch politische Hindernisse hinzu kommen. Zum Beispiel ist auf dem höchsten Berg Zyperns, dem Olympos, ein militärisches Sperrgebiet. Dort muss man zuvor Lösungen finden, damit man diesen Berg überhaupt besteigen „darf“.

Ein anderes schönes Beispiel ist auch der höchste Berg der Niederlande. Entgegen der vielen Meinungen ist nicht der Vaalserberg der Höchste, sondern der Mount Scenery auf der karibischen Insel Saba, da diese zum Hoheitsgebiet der Niederlande zählt. Folglich liegt die Schwierigkeit unseres „Projektes“ weniger in der Besteigung einiger Berge, sondern vielmehr in den politischen und geografischen Hintergründen.

Es fragen uns öfters einige Leute, wann wir alle Berge der europäischen Länder bestiegen haben. Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn einerseits gibt es wie oben schon erwähnt viele politische Erschwernisse und zum anderen ist die europäische Grenze nicht eindeutig definiert. Das beste Beispiel hierfür ist, wie oben bereits erwähnt, der Mount Scenery, oder aber auch der Elbrus.

Politisch ziemlich eindeutig - der höchste Gipfel in Deutschland ist die Zugspitze.
Politisch ziemlich eindeutig – der höchste Gipfel in Deutschland ist die Zugspitze.

3) Auf welche Tour nehmt ihr mich und die Leser heute mit?

Heute möchten wir euch gern auf einen von unseren Lieblingsbergen mitnehmen, dem „Alt de Comapedrosa“. Dieser Berg ist mit seinen 2942m der höchste Berg Andorras. Er ist für viele Bergsteiger noch unbekannt und wenig bestiegen, aber genau deshalb auch so reizvoll für uns.

Wir starten in Barcelona und fahren von dort aus direkt in Richtung Nord-Westen nach Andorra. Nachdem wir die Hauptstadt Andorra la Vella durchquert haben, geht es sofort nach Arinsal, unserem heutigen Startpunkt der Gipfeltour. Dort packen wir unsere Rucksäcke für einen 8-9 stündigen An- & Abstieg durch schneebedeckte Berglandschaften.

Winterwandern in Andorra
Winterwandern in Andorra

Nach den ersten 3 Stunden entspanntem Wandern durch den Schnee kommen wir an der einzigen Hütte auf diesem Weg vorbei (Refugi de Coma Pedrosa). Da wir uns gerade in der Winterzeit befinden, hat diese Hütte selbstverständlich geschlossen, was uns sehr zusagt, denn wir sehen weit und breit keinen anderen Bergsteiger. Die bisherige Route sieht noch wenig begangen aus und oberhalb der Hütte sind plötzlich keine Spuren mehr vorzufinden. Gepackt von der Freude, seit längerer Zeit mal wieder die ersten auf dem Gipfel zu sein, ziehen wir unsere Gamaschen über die Stiefel und beginnen mit dem Spurengehen.

Einsames Wandern in Andorra
Einsames Wandern in Andorra

Nach weiteren 2 Stunden im Spuren gelangen wir zu dem mit Eis bedeckten See Estany Negre (Schwarzsee). Das immer steiler werdende Gelände und der immer tiefer werdende Schnee erschweren uns den Aufstieg sehr, aber der Blick in die grünen Täler wird mit jedem Schritt faszinierender. Das Gipfelkreuz bereits fest im Blick erreichen wir dann auch den Comapedrosa und genießen von hier den Blick nach Frankreich, Spanien und Andorra. Wir schieben eine kurze Mittagspause auf dem Gipfel ein und dann geht’s auch schon wieder an den Abstieg.

Andorra Comapedrosa im Winter

Rasch verlassen wir den Tiefschnee und sehen in der Ferne bereits die Hütte der Zwischenstation. Nachdem wir diese erreicht haben, steigen wir schnellen Schrittes abwärts zum Parkplatz zurück. Dort treten wir den Rückweg nach Barcelona an, jedoch mit einer tollen Erinnerung und wieder einem Gipfel mehr im Reisegepäck.

4) Was sind eure “Begleiterscheinungen” beim Wandern?

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Wir planen unsere Touren immer lange im Voraus und ziemlich genau. Von daher möchten wir uns auf der eigentlichen Besteigung auch nicht mit andern Sachen beschäftigen. Aber vielleicht ist genau das unsere Begleiterscheinung. Durch die langen Vorbereitungen für jede Tour wissen wir immer wann wir zeitlich an welcher Hütte, welcher Scharte, welchem Kreuzungspunkt oder welchem Gipfel sein möchten. Da kann es natürlich auch zu Verschiebungen kommen, aber unsere eigentliche Begleiterscheinung ist die, dass wir den vorher langzeitlich geplanten Aufstieg nun auch direkt erleben.

Wir fotografieren nebenbei auch viele Dinge und freuen uns über die herrlichen Landschaften und Ausblicke, doch das eigentliche Reiseziel: „Den Gipfel“, verlieren wir dabei nie aus den Augen.

Der Höchste in Spanien: auf dem Gipfel des Pico de Teide auf Teneriffa
Der Höchste in Spanien: auf dem Gipfel des Pico de Teide auf Teneriffa

5) Zeit für eine Pause, woher kommt bei euch die Energie zum Weiterwandern?

Das ist für uns leicht zu beantworten. Die Energie kommt aus dem Drang heraus, etwas Neues zu entdecken, aus dem Wunsch unbekannte Wege zu gehen. Genau wegen diesem Drang sind wir keine Fans von Massentourismus und manchmal auch sehr enttäuscht, vor einem Gipfel in der Schlange zu stehen, um später ein Einzelbild auf dem Gipfel machen zu können. Unser Blick richtet sich dabei klar in Richtung Osteuropa, zu den noch nicht so sehr „touristisierten“ Bergen, wie man sie so oft in den Alpen vorfindet.

Mit griechischer Flagge: der Myticas Gipfel im Olymp
Mit griechischer Flagge: der Myticas Gipfel im Olymp

6) Wenn alle europäischen Gipfel bestiegen sind, und wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen, wo möchtet ihr gerne mal wandern?

Ich glaube unter diesen Umständen (keine Zeit und Geldnot) ist von vielen Bergsteigern ein großer Wunsch die „Seven Summits“, die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente zu besteigen. Liest man sich intensiv in dieses Thema ein, dann merkt man schnell, wie überlaufen diese Berge eigentlich sind. Angefangen vom Kilimandscharo, der seit Jahren zum Massenbesteigungsziel ausgebaut wird, bis hin zum Everest, bei dem „all-inklusiv-Besteigungen“ gebucht werden können, falls es am bergsteigerischen Können fehlt.

Wie oben bereits erwähnt, suchen wir das Unbekannte…und was wenige wissen: es gibt noch eine lange Liste an bis heute unbestiegenen Bergen, sogar 7000er. Leider sind diese Berge meist schwer zu erreichen und die Besteigung oftmals aus politischem oder religiösem Hintergrund verboten. Da bei uns, in diesem Fall, das Geld und die Zeit keine Rolle spielen, ließen sich da sicherlich Wege finden. Liegt es nicht in der Natur des Bergsteigers, neue Wege zu finden und Unbekanntes zu entdecken, als immer und immer wieder den Normalweg eines jeden bekannten Berges zu gehen?

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Vielen Dank für das Beantworten der Fragen, ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht und hoffe, dass dieses Blog noch existiert, wenn ihr alle Gipfel geschafft habt. Und wer weiß, welche Länder in ein paar Jahren noch zu Europa gehören werden?

 

Hier gibt’s noch die Facebook-Links zu Michaela und Johannes – vielleicht kann jemand helfen, das Zypern Problem zu lösen?

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Alle Virtuell-Wandern-Interviews:

Folge 16 mit Sabrina und Christian „skiwandern“

Folge 15 mit Nadin in Bad Gastein

Folge 14 mit Tamina Kallert und ihrem WDR-Fernsehteam über die Alpen

Folge 13 mit Michaela und Johannes auf die höchsten Gipfel aller europäischen Länder

Folge 12 mit Wibke in der Eifel

Folge 11 minimalistisch unterwegs mit Christof

Folge 10 mit Claudia auf dem Jakobsweg

Folge 9 mit Alix auf nahe und ferne Berge

Folge 8 mit Claudia durch die Lüfte

Folge 7 mit Robert in Südtirol

Folge 6 mit Bettina in Kroatien

Folge 5 mit Zwerg am Berg in Südtirol

Folge 4 mit Hendrik in Finnland

Folge 3 mit den Luftschubsern in den Chiemgauer Alpen

Folge 2 mit Jens auf den Halden rund um Dortmund

Folge 1 mit Rebecca zur Aiplspitz

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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2 Comments

  1. Ich glaube das Zypern-Problem wird man nicht so schnell lösen, da haben sich von viele die Zähne ausgebissen. Aber wenn man es mal zum Zaun der Radarstation geschafft hat, ist man fast auf der Höhe des höchsten Punktes. Nicht zu viele Fotos schießen, sonst kommen die Militärs. ;)

    • Stefanie Dehler

      Also am besten mit der Google Brille fotografieren, dann merken es die Aufpasser gar nicht ;-) So traurig, dass einem Militär den Zugang zu einem Berg versperrt!

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