Virtuell Wandern (11) – Alpenüberquerung und mehr mit Christof

Christof Herrmann in den Salzburger Schieferalpen
Christof Herrmann in den Salzburger Schieferalpen

Eine Alpenüberquerung habe ich zwar auch schon gemacht, aber ich habe ein Auto, esse Fleisch und habe auch schon Mücken getötet. Dass das auch alles anders geht, erzählt Christof heute im Virtuell Wandern Interview und eröffnet damit die „3. Staffel“ dieser Serie, bei der in den nächsten Wochen wieder ganz verschiedene Wanderer zu Wort kommen werden.

1) Stell dich bitte kurz den Gipfelglück-Lesern vor, damit jeder weiß, mit wem ich heute virtuell wandere.

Ich heiße Christof Herrmann, bin 42 Jahre alt, war lange von Beruf Informatiker, habe aber vor zwei Jahren – also etwa zur statistischen Mitte meines Lebens – entschlossen, fortan meiner Berufung zu folgen. Seitdem schreibe ich Wanderbücher und blogge auf Einfach bewusst über Minimalismus, Nachhaltigkeit, Wandern und vegane Ernährung. Mittlerweile sind zu diesen Themen 105 Artikel zusammengekommen. Großer Beliebtheit erfreut sich auch mein Newsletter, den ich alle ein bis zwei Wochen verschicke. Neben meinem aktuellen Blogartikel teile ich darin auch immer interessante Links rund um den minimalistischen, nachhaltigen und veganen Lebensstil. Mal sehen, ob ich auch dieses Interview ebenfalls verlinke ;-)

In den Hohen Tauern wird der Alpenhauptkamm überquert.
In den Hohen Tauern wird der Alpenhauptkamm überquert.

2) Wenn jemand bisher noch nichts mit „Minimalismus“ zu tun hatte – wie würdest du dieser Person erklären, um was es dabei geht?

Ich verstehe unter Minimalismus, sich vom Ballast zu befreien. Jeder Mensch trägt seinen individuellen Ballast mit sich herum. Meist sind es jedoch materieller Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen. Das Leben zu vereinfachen, wird von vielen als Befreiung empfunden. Anstelle sich durch die Fußgängerzone zu schieben, um nach Klamotten zu jagen, die sowieso nicht mehr in den Schrank passen, geht man mit Freunden wandern oder liest ein Buch. Ich habe mich im Laufe der letzten Jahre von tausenden Dingen getrennt. Dieser Schwenk vom Haben zum Sein hat mir privat wie beruflich ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

Die Alpenüberquerung Salzburg-Triest ist ein unvergessliches Erlebnis.
Die Alpenüberquerung Salzburg-Triest ist ein unvergessliches Erlebnis.

3) Kürzlich hast du eine Alpenüberquerung gemacht, aber nicht wie „üblich“ auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran sondern eine andere Strecke. Erzähl doch mal davon.

Als ich im Sommer 2012 meinen Job als Informatiker hingeworfen habe, habe ich mir den Traum erfüllt, von München nach Venedig zu gehen. Genauer gesagt, bin ich direkt vor meiner Haustür in Franken gestartet. Im letzten Jahr hatten meine Freundin Stephi und ich die Idee, die Ostalpen auf einer eigenen Route zu überqueren. Daraus entstand die Alpenüberquerung Salzburg-Triest. Auf dieser wunderschönen Tour hat man die Alpen nach etwa drei Wochen hinter sich gebracht. Bis ans Mittelmeer und nach Triest ist es noch einmal eine Woche. Dann hat man 500 km und 25.000 Aufstiegshöhenmeter in den Beinen und viele unvergessliche Erinnerungen im Kopf. Ich werde im nächsten Sommer wieder von Salzburg nach Triest marschieren. Mein Wanderführer soll im Frühjahr 2016 erscheinen. Wer schon mal in den Bergen war und sich Karten besorgt, muss nicht so lange warten. Diesen Sommer waren bereits rund 30 auf der neuen Route unterwegs. Vier von Ihnen haben sogar die gesamte Fernwanderung gemacht.

Wasser ist ein bestimmendes Element auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest.
Wasser ist ein bestimmendes Element auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest.

4) Was sind deine “Begleiterscheinungen” beim Wandern?

Für mich ist das Wandern perfekt, um die minimalistische Lebensweise kennenzulernen. Das gilt für eine Tagestour im Mittelgebirge, auf der man ruhig mal das Handy zuhause lassen kann. Und das gilt natürlich auch für eine Alpenüberquerung. Alles, was man für diese vier Wochen benötigt, passt in einen 30- oder 35-Liter-Rucksack. Da ich ein Buch über die Tour schreibe, muss ich mir natürlich hin und wieder etwas notieren und Fotos machen. Ansonsten sind meine Aufgaben sehr beschränkt, ja fast schon archaisch: Wandern, essen, trinken, Wäsche waschen, Körper pflegen, regenerieren, schlafen. Als Luxus leiste ich mir abends vielleicht ein Weizen und unterwegs ein paar gute Gespräche.

Natur pur in den Julischen Alpen.
Natur pur in den Julischen Alpen.

5) Pausen sind wichtig, egal ob minimalistisch oder nicht, was gibt es bei dir?

Da ich mich vegan ernähre und es auf den Berghütten noch nicht immer pflanzliche Kost gibt, picknicken wir und ich mache für uns einen Couscoussalat. Einen Kocher braucht man dafür nicht, denn der Couscous quillt auch mit kaltem Wasser. In den Couscoussalat kommt, was ich gerade im Rucksack habe. Sehr lecker schmeckt er zum Beispiel mit Oliven, getrockneten Tomaten, Nüssen, etwas Olivenöl, Kräuter der Provence und etwas Salz.

Couscoussalat ist eine ideale vegane Wanderkost.
Couscoussalat ist eine ideale vegane Wanderkost.

6) Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielt, wo möchtest du gerne mal wandern?

Zeit und Geld spielen keine Rolle! Minimalistisch und nachhaltig zu leben, eröffnet mir schließlich fast alle Möglichkeiten. Da ich zum Beispiel auf eine große Wohnung und ein Auto verzichte, sind
meine monatlichen Fixkosten recht niedrig. Das bedeutet, dass ich weniger arbeiten kann und mich um weniger Kram kümmern muss. Demnach habe ich auch viel mehr Zeit, was ich sowieso für das wertvollste Gut halte. Ich wandere also solange und sooft ich mag. Nächsten Sonntag mache ich eine Tour mit Freunden, am Montag eine Radwanderung mit Stephi. Nächstes Jahr werde ich wieder von Salzburg nach Triest gehen, um den Wanderführer fertig zu stellen. Und 2016 würde ich gerne mit Stephi ein paar Wochen durch Skandinavien laufen. Nur das Mückenproblem dort macht mir Sorgen. Als Veganer kommt Töten für mich nicht in Frage ;-)

 

 

Am Mittelmeer, dem Ziel der Alpenüberquerung Salzburg-Triest.
Am Mittelmeer, dem Ziel der Alpenüberquerung Salzburg-Triest.

 

Vielen Dank für das Beantworten der Fragen – und Couscous-Salat auf einer Bergtour ist eine gute Idee, die ich bald einmal ausprobieren werde!

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Alle Virtuell-Wandern-Interviews:

Folge 16 mit Sabrina und Christian „skiwandern“

Folge 15 mit Nadin in Bad Gastein

Folge 14 mit Tamina Kallert und ihrem WDR-Fernsehteam über die Alpen

Folge 13 mit Michaela und Johannes auf die höchsten Gipfel aller europäischen Länder

Folge 12 mit Wibke in der Eifel

Folge 11 minimalistisch unterwegs mit Christof

Folge 10 mit Claudia auf dem Jakobsweg

Folge 9 mit Alix auf nahe und ferne Berge

Folge 8 mit Claudia durch die Lüfte

Folge 7 mit Robert in Südtirol

Folge 6 mit Bettina in Kroatien

Folge 5 mit Zwerg am Berg in Südtirol

Folge 4 mit Hendrik in Finnland

Folge 3 mit den Luftschubsern in den Chiemgauer Alpen

Folge 2 mit Jens auf den Halden rund um Dortmund

Folge 1 mit Rebecca zur Aiplspitz

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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