Bücherglück (9) – Bildbände über die Alpen

Bildbände – insbesondere die beiden Bildbände über die Alpen, die ich hier vorstelle – sind kleine schwergewichtige Wunderwerke. Sie bringen dich zum Staunen und Träumen, lindern Fernweh und verstärken es gleichzeitig, machen wehmütig und besorgt, lassen dich die Zeit vergessen und das Hier und Jetzt.

Diese Bildbände über die Alpen nehme ich immer wieder in die Hand, ich nehme mir Zeit für Bildbände – manchmal nur 5 Minuten, manchmal 30, aber immer ohne Ablenkung. Bildbände schaue ich zu Hause auf der Couch an, oft bei Regenwetter, aber nie unterwegs.

Ich stelle dir hier zwei wundervolle Bildbände über die Alpen vor, in denen ich in den letzten Wochen sehr viel geblättert habe, auch weil es Zeiten waren, in den Reisen und Bergtouren kompliziert bis unmöglich waren. Und ich bin sicher, ich werde beide noch sehr häufig zur Hand nehmen, nicht nur in diesem Jahr.

Update: Ich stelle noch einen dritten Bildband vor, nicht über die Alpen – er hatte urprünglich einen Artikel, den ich beim “Blog aufräumen” hierher verschoben habe.

Werbehinweis: Die vorgestellten Bildbände über die Alpen sind Rezensionsexemplare der Verlage. Der Artikel enthält Affiliate Links*. Findest du Inspiration, findest du Gefallen an diesem Artikel und diesem Blog? Lade mich auf einen Kaffee ein!

Alpengletscher - ein Bildband von Andrea Fischer und Bernd Ritschel
Alpengletscher – ein Bildband von Andrea Fischer und Bernd Ritschel

Bildbände über die Alpen: Alpengletscher – eine Hommage

Gletscher in den Alpen erscheinen so mächtig auf den ersten Blick, und zerbrechlich auf den zweiten. Vergleichsfotos zeigen, wie sie immer kleiner werden, der Blick in ihre Zukunft ist wenig optimistisch. Bei all meinen Gletschertouren (unten verlinkt) habe ich mich immer sehr wohl gefühlt, mit Steigeisen unter den Schuhen, Pickel in der Hand, mit einem Seil mit der Person vor und hinter mir verbunden, in einer anderen Welt als auf Fels, Gras, Waldboden oder gar Asphalt.

Gewaltig - der Mominggletscher in den Walliser Alpen
Gewaltig – der Mominggletscher in den Walliser Alpen

Der Bildband “Alpengletscher” versetzt mich zurück auf die Gletscher, in Österreich, in Neuseeland, in Südtirol. Die Bilder aus den Alpen machen mich gleichzeitig sehr wehmütig – ist ein Bildband über die Gletscher der Alpen bald die einzige Möglichkeit, Gletscher zu sehen?

Wehmut - bei Texten von Andrea Fischer und Fotos von Bernd Ritschel
Wehmut – bei Texten von Andrea Fischer und Fotos von Bernd Ritschel

Nach einer Weile des Betrachtens weicht die Wehmut und man versinkt geradezu in den grandiosen Bildern von Bernd Ritschel und den Texten von Andrea Fischer. Man denkt an eigene Touren auf den abgebildeten Gletschern, nimmt andere gedanklich auf die Wunschliste mit auf, schaut mit Ehrfurcht auf die vielen unterschiedlichen Blickwinkel. Jedes einzelne Foto von Ritschel kann man lange bestaunen, nicht schnell drüber blättern. Mit den Worten von Fischer vergeht die Zeit an regnerischen Wochenenden ruckzuck.

Es dauert meist nicht lang, und man holt wieder einen Hochtourenführer aus dem Regal und googelt geführte Touren auf den Gletschern der Alpen, so lange es sie noch gibt… und hofft auf ein Wunder, dass der Klimawandel die Alpengletscher doch nicht in den nächsten Jahren zerstören wird.

Inhaltsverzeichnis im Bildband Alpengletscher
Schon ins Inhaltsverzeichnis in diesem Bildband über die Alpen kann man sich vertiefen!

Infos zum Bildband

Alpengletscher – Eine Hommage von Andrea Fischer und Bernd Ritschel, erschienen 2020 im Tyrolia Verlag, ISBN 978-3-7022-3846-9 . Hier kannst du den Bildband Alpengletscher – eine Hommage bei Amazon bestellen* – oder hole ihn dir in deiner Lieblings-Buchhandlung.

Bildbände über die Alpen: Alpen – Die Kunst der Panoramakarte

Manche Leute schauen ja gerne Wimmelbilder an, andere lesen Klatsch und Tratsch über Prominente, ich betrachte Landkarten. Ob abends auf der Hütte oder daheim auf der Couch oder im Bett, immer wieder, seit ich den tollen Bildband über die Panoramakarten im Haus habe.

Tatsächlich wollte ich schon längst darüber hier im Blog etwas geschrieben haben, aber man verliert sich so schnell in diesen Karten, vor allem bei den Gegenden, die man selber kennt.

Was ist mit Panoramakarten gemeint? Das hier.

Panoramakarte Berchtesgaden und Salzburger Nordalpen aus dem Bildband Alpen - Die Kunst der Panoramakarte
Panoramakarte Berchtesgaden und Salzburger Nordalpen aus dem Bildband Alpen – Die Kunst der Panoramakarte

Panoramakarten hängen oft in Skigebieten oder an Tourist Informationen, sie sind keine maßstabsgetreuen Karten, die die Welt abbilden. Panoramakarten sind eine verzerrte Darstellung der Welt, sie zeigen das, was wichtig ist für diese Karte, aus einem unmöglichen Blickwinkel. Eine Art Vogelperspektive in eigenen Größenverhältnissen.

Autor Tom Dauer hat den Karten des Buches einen 7-seitigen Essay vorangestellt. Wollte ich alles zitieren, was ich bemerkenswert fand, müsste ich den halben Text abtippen.

Panoramakarten zeigen Wanderwege und Hütten, Loipen und Radwege, sie zeigen Wald und Seen und steile Felswände. Sie geben Orientierung und zeigen Zusammenhänge. Was liegt denn zwischen Gipfel A und Gipfel B, was erstreckt sich dahinter und was davor?

Panoramakarte Schlern und Rosengarten in den Dolomiten
Panoramakarte Schlern und Rosengarten in den Dolomiten

Ein Panorama, so Tom Dauer, bewegt Berge, um sie begreifbar zu machen. Täler werden geweitet, Bergketten begradigt, Gipfel verschoben.

Berann [ein Zeichner von Panoramakarten] (brach) mit einer weiteren kartografischen Konvention: Er ließ vor allem Felsengipfel selektiv wachsen, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ebendiese zu lenken. Die vertikale Überhöhung fällt dabei kaum auf. Im Gegenteil: Erst sie bewirkt, dass der Anblick eines Panoramas als natürlich empfunden wird. Weil der Maler es damit schafft, die Aufmerksamkeit auf Phänomene zu lenken, die einem Besucher auch vor Ort als erstes auffallen würden.

Tom Dauer, Alpen – Die Kunst der Panoramakarte

wo war ich schon, wo will ich hin? 

grün und Schnee, 3 Zinnen und Mont blanc, orte der tour de france. gardasee und Grindelwald. 

Panoramen haben nicht die Aufgabe, Natur und Landschaft möglichst exakt abzubilden. Sie dürfen, nein, sie müssen betonen, überhöhen, verzerren, vielleicht sogar weglassen. Nur so schaffen sie es, im Betrachter Empfindungen zu wecken.

Tom Dauer, Alpen – Die Kunst der Panoramakarte

Dabei sind die einzelnen Karten auch sehr unterschiedlich. Es gibt grüne Sommerkarten und weiße, schneereiche Winterkarten. Sie entführen dich beim Betrachten zu den 3 Zinnen und zum Mont Blanc, an Pässe, die man von Tour de France Berichterstattungen kennt, zum gut bekannten Gardasee und nach berühmt berüchtigten Orten rund um Grindelwald.

Um Tom Dauer ein letztes Mal zu zitieren (und damit auch festzustellen, dass meine Empfindungen beim Betrachten von Panoramakarten nicht ungewöhnlich sind):

Tatsächlich sind Panoramakarten Hybride, angesiedelt irgendwo zwischen Fotografie, Kuns, Kartografie und der Weltsicht von Menschen. Diese Mehrdeutigkeit trägt zu ihrem Zauber bei. Gute Panoramen erzeugen auf den Betrachter eine Sogwirkung, die weder Fotografien noch digitale Repräsentationen erreichen (…).

Tom Dauer, Alpen – Die Kunst der Panoramakarte
Alpen - Die Kunst der Panoramakarte. Ein Bildband.
Alpen – Die Kunst der Panoramakarte. Ein ganz besonderer Bildband.

Infos zum Bildband

Alpen Die Kunst der Panoramakarte erschienen 2019 im Prestel Verlag. ISBN 978-3-7913-8586-0 mit einem Essay von Tom Dauer und Karten von H.C. Berann, Heinz Vielkind, Ingrid Schultus-Föger, Heinz Matthias, Pierre Novat.

Hier kannst du den Bildband Alpen Die Kunst der Panoramakarte bei Amazon bestellen* – oder hole ihn dir in deinem Lieblings-Buchladen!

Bildbände über die Alpen- Buchtipps mit Gipfelglück
Gipfelglück Buchtipps: Bildbände über die Alpen, über Gletscher und Panoramen

Bildband ohne Alpen: 2×14 Achttausender

Was für ein Berg-Buch! Als ich zum ersten Mal von dem Bildband “2 x 14 Achttausender” von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits hörte, war mir klar, das ist mein Buch und ich muss es besitzen. Es ist nicht ein Buch, das man von vorne bis hinten durchliest, nein, man blättert immer wieder herum, liest ein bisschen vom K2 und ein bisschen von der Annapurna, vor meinem Nepal-Urlaub mit Aufregung, nach meinem Nepal-Urlaub mit wissendem Nicken – ja, die Berge habe ich in echt gesehen!

Am Anfang wird ganz vorsichtig umgeblättert, damit dem Buch nix passiert, und plötzlich ist man so vertieft in eine der Geschichten, dass unbemerkt der Umschlag wegrutscht, das Sofakissen fast (! nur fast!) eine Ecke umknickt und man gar nicht schnell genug umblättern kann.

Stundenlang könnte ich auf die Panoramen am Anfang schauen, die jeweils über 3 Seiten gehen, und mich wegträumen. Das Buch ist im Querformat und am besten liegend auf dem Sofa zu lesen – nichts für die U-Bahn. 160 Seiten traumhafte Fotos, interessante Berichte, Infoboxen mit trockenen Fakten.

Bevor ich nur schwärme, muss man vielleicht noch etwas zu den Autoren sagen – Kaltenbrunner und Dujmovits sind ein Österreich-Deutsches Bergsteiger Ehepaar (inzwischen aber getrennt), beide gehören zu den wenigen starken, beneidenswerten Menschen, die alle 14 Achttausender bestiegen haben, teilweise zusammen, teilweise unabhängig voneinander. Dabei liegen (Gipfel-)Glück und Tragik oft nah beieinander, und Kaltenbrunner und Dujmovits bringen dies den Flachländern sehr lebhaft und sehr sympathisch rüber. Kürzlich habe ich beide bei einem Vortrag erlebt und während der Nepal Tour Gerlindes Buch “Ganz bei mir” gelesen, der Bildband ist jetzt eine tolle Ergänzung zu allem.

Vor allem der Bilder wegen! Dieses Buch hat den Namen Bildband wirklich verdient. Die meisten Texte sind alle- so glaube ich  – aus Ralfs Sicht geschrieben, dessen Schreibweise sich sehr von Gerlindes Stil unterscheidet. Die Texte sind Lebensgeschichte und Liebesgeschichte, Berichte vom Bergsteiger-Alltag und von dem einzigartigen Moment auf einem Gipfel zu stehen, von Gefahr und Tod.

Aber auch die tiefergehende Themen werden beschrieben- warum geht man überhaupt auf Achttausender? Muss man umkehren, wenn der/die Partner*in umkehrt, oder “darf” man weitergehen? Wie viel darf man aufs Spiel setzen? Und die Wahnsinns Bilder dazu lassen einen die Erlebnisse ein wenig miterleben, Fotos aus dem Zeltinneren hat man bei der nächsten Geschichte im Hinterkopf, bei Schwärmereien von den Ausblicken über den Himalaya schwärmt man direkt mit.

Viele Beschreibung gehen relativ weit in die Vergangenheit, oft kommen Zitate aus den Tagebüchern, hoch oben über dieser Welt geschrieben. Viele Episoden kenne ich schon von anderen Gelegenheiten, das passiert einfach, wenn man sich für das Expeditions-Bergsteigen interessiert, stört aber nicht im geringsten. Und beim Betrachten der Bilder verschwimmen irgendwann eh die Buchstaben und die Gedanken wandern weg vom eigenen Sofa, hinauf in den Himalaya.

Ich kann diesen Bildband allen Outdoor- und Reiselustigen wirklich sehr empfehlen,wenn man schon nicht selber einen Achttausender besteigen kann, dann wenigstens etwas von jemandem anschauen und lesen, der dies sehr oft gemacht hat. Das Buch ist ein tolles Geschenk, bald ist Weihnachten! Die Beschenkten werden unterm Tannenbaum anfangen zu blättern und dies garantiert immer und immer wieder tun.

Ralf Dujmovits, Gerlinde Kaltenbrunner: 2×14 Achttausender, 160 Seiten, 120 Abbildungen, Format 29,8×24 cm. ISBN 978-3-7654-6093-7, Bruckmann Verlag GmbH, Verkaufspreis € 39,95, erschienen September 2012.

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Kommentare

    • Stefanie Dehler

      Wissenschaftler*innen wissen es, um die Frage zu beantworten ;-) Jedes Jahr x Meter, die abschmelzen, leider lässt sich damit berechnen, wann die Gletscher verschwinden, wenn nicht schnell große Schritte gegen den Klimawandel unternommen werden.

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