Gipfelbuch: Ebner Joch über dem Achensee

ebnerjoch gipfelkreuzAn heißen Tag auf das Ebner Joch im Rofangebirge zu wandern hat drei Vorteile: die Astenau Alpe, die Buchauer Alm und den Achensee für das Abkühlen danach.

Denn an heißen Tag hat die Ebner Joch-Tour einen großen Nachteil: die Südausrichtung des halben Weges und die Latschen-Wälder machen die ganze Bergtour zu einer besonders heißen Angelegenheit. Insgesamt ist die Tour trotz ihrer 1000 Höhenmeter recht kurz und dennoch knackig, und letztendlich gut für heiße Sommertage geeignet, für die man eine schöne nicht allzu lange Tour sucht.

Ich habe die Tour aus dem Kompass Wanderführer Achensee (Karwendel, Brandenberger Alpen, Rofan) den ich euch demnächst noch ausführlich vorstellen werde und kann sie sehr empfehlen – allerdings würde ich sie eher in der anderen Richtung gehen, warum erkläre ich unten.

Start der Wanderung ist ganz am Ende des Achensees in Eben (964m), es gibt ein paar Parkplätze an der Straße, sind diese voll, muss man auf den Parkplatz an der Notburga Straße und dort 5 Euro bezahlen. Man überquert die Bundesstraße und folgt einem breiten Weg, sehr bald geht es rechts auf einen Pfad, auf dem Astenau Alpe und Ebner Joch ausgeschildert sind. Im Wald ist es herrlich schattig aber heiß ist es trotzdem… Und es zeigt sich eine unschöne Seite dieser Tour: am Anfang stört noch der Autolärm der Achensee-Bundesstraße und schon bald wird der abgelöst vom Autolärm, der von der Inntal-Autobahn heraufzieht. Protipp: einfach so schnell gehen und laut schnaufen, dass man die Autos nicht mehr hört!

Astenau Alpe

Es gibt keine besonderen Vorkommnisse, alle Wanderer stöhnen leise vor sich hin, auch die, die rechts von Wiesing aus heraufkommen. Etwa nach einer Stunde tritt man aus dem Wald und hinein in pure Alm-Idylle: ein paar Kühe streunen herum und bimmeln vor sich hin, das Blau des Himmels leuchtet mit dem Grün der Latschen um die Wette, vor einem der Gipfel des Ebner Jochs und davor geduckt auf einer riesigen Almwiese die Astenau Hütte (1.483m). Auch zur frühen Stunde sind schon einige Tische vor der Alm besetzt und man kann gar nicht anders als sich hier dazu zu setzen. Bei der Hitze muss man ja viel trinken – zum Beispiel kalte Hollerschorle.

Astenau Alpe am Ebner Joch

Astenau Alpe über dem Inntal

Auf der Alm ist Ruhe, herrliche entspannte Ruhe. Man blickt zwar auf das Inntal, hört aber die Autos nicht mehr. Der ach so grüne Inn ist nicht mehr als ein braunes Matschband, da schaut man lieber zu den Schnee- und Eisbergen am Horizont hinüber. Von den Nachbartischen kommt nur leises Gemurmel, die meisten Gäste halten einfach zufrieden ihr Gesicht in die Sonne. Man möchte den ganzen Tag hier sitzen…wenn da nicht der Gipfel wäre.

Blick aufs Inntal von der Astenau Alpe

Der Pfad erreicht nach ein paar Schritten über die Almwiede die Latschen, steil ist es immer noch und es wird nun noch heißer. Auch wenn die Latschen so hoch wie kleine Bäume sind, spenden Sie keinen kühlen Schatten sondern es staut sich unter ihnen die Hitze. Der Weg ist allerdings gut zu gehen, er führt unübersichtlich im Zickzack nach oben, unterbrochen von ein paar kurzen einfach Kraxelstellen.

Latschen am Ebner Joch

Der Wanderführer gibt einem 45 min bis zum Gipfel, aber das ist sehr ambitioniert, der Wegweiser im Tal hatte 2 1/2 Stunden angesagt und das passt gut, selbst mit Pause an der Alm. Kurz vor dem Gipfel schon ein kurzer Herzklopfen-Moment: zwischen den Latschen blickt man hinunter auf den türkisen Achensee und die mächtigen Karwendelberge. Ein Ausblick, für den sich jeder Schweißtropfen dieses Tages gelohnt hat, selten hat eins meiner Fotos so viel Reaktionen auf Instagram und Facebook bekommen.

Und weil man sich vorstellen kann, dass es vom Gipfel ja noch viel toller sein muss, werden noch mal Energiereserven mobilisiert, das Gipfelglück ist nah. Am Wegweiser muss man sich zwischen dem leichten und dem wohl schwereren Weg entscheiden – der Wanderführer empfiehlt den leichten, doch der am Rückweg getestete schwere Weg ist auch nicht schwer…

steiniger Wanderweg zum Ebnerjoch

Ebner Joch Gipfel

1000 Hm später, am Gipfel (1.957m) sind alle Strapazen vergessen, sobald das durchgeschwitzte T-Shirt gegen ein frisches ausgetauscht ist. Es geht sogar ein leichter Wind, von irgendwo hört man Blasmusik statt Autogeräusche, von den anderen Wanderern – für mehr als 10 Leute ist hier kein Platz – packt tatsächlich eine Seifenblasen aus, ab und an tönt die Schiffssirene vom Achensee herauf, der Rücken trocknet, Brot, Gurke und Aprikosen schmecken hier und jetzt besonders gut.

Achensee und Karwendel
Karwendel- und Achensee-Blick
Rofan-Blick
Rofan-Blick

Für den Abstieg empfiehlt der Wanderführer über den Hubersteig und die Buchauer Alm zu gehen. Man muss aufpassen, dass man den Abzweig kurz hinterm Gipfel nicht verpasst, der Weg ist weniger steil als der Hinweg aber ausgesetzter und unwegsamer, zunächst auch genauso sonnig. Der Weg ist sehr viel weniger begangen als der Weg über die Astenau Alpe. Im Wald wird es angenehm schattig, doch der Weg zieht sich in die Länge. Man gelangt zu einer Lichtung mit Wassertrog, von ihr kann man gegenüber zur Erfurter Hütte aufsteigen.

Hubersteig
Hubersteig

Mauritzalm Rofan

Bergab kommt man am still stehenden Sessellift vorbei, ein paar Minunten nach der Talstation erreicht man die Buchauer Alm (1.385m), mit schönem Ausblick, kalten Getränken im Schatten, freundlichen Leuten, tollem Kaiserschmarrn – aber auch nervig dudelnder Radiomusik und einer wild diskutierenden Urlauberfamilie. Ganz ganz anders als auf der Astenau Alpe…wie ich oben schon angemerkt habe, ich würde empfehlen, die Runde in der anderen Richtung zu wandern, der Weg ist in beide Richtungen machbar, der Aufenthalt auf der Astenau Alpe aber so viel schöner als die Buchauer Alm – erstere sollte man sich für die längere Pause nach dem Gipfel „aufheben“. Die Buchauer Alpe aber auch nicht versäumen, das nicht…

Buchauer Alm

 

Kaiserschmarrn Buchauer Alm

Schließlich wartet noch ein letztes Stündchen, zuerst auf dem Fahrweg (über den sich viele Urlauber hochquälen…), bis links ein Pfad zur Notburga Kirche abzweigt und es fast eben am Hang, durch den Wald, nach Eben zurück geht. Nun wieder mit dem Straßenlärm der Bundesstraße garniert. Und dann gibt es nur noch eins- zum See fahren, Bikini an, und im klaren Achensee Wasser den ganzen Körper wieder auf Normaltemperatur bringen und einfach nur noch treiben lassen!

Latschen Ebner Joch

Alles in allem eine schöne Tour mit herrlicher Aussicht und schönen Einkehrmöglichkeiten, leider halt mit Straßenlärm. Für geübte Wanderer einfach zu gehen, im S0mmer sehr heiß.

Alle Höhenangaben aus dem Kompass Wanderführer 5654 Achensee

Inntal vom Ebner Joch

Eigenständige Reisetipps für den Achensee habe ich nicht – am besten passen wohl die Tipps fürs Karwendel

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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