Rofanspitze und Erfurter Hütte: mit Schneeschuhen auf Hüttentour im Rofangebirge

Die Erfurter Hütte im Rofangebirge (500 Hm unterhalb der Rofanspitze) ist eine der wenigen Hütten in den Alpen (oder sagen wir: in den Münchner Hausbergen), die auch im Winter geöffnet haben. Einerseits ist sie einfach mit der Gondel erreichbar, um hoch über dem im Dauerschatten liegenden Achensee in der Sonne einen Kaffee zu trinken, andererseits befindet sich hinter der Hütte mit dem Rofangebirge ein hochalpines Tourengebiet, das anspruchsvolles Gipfelglück bereit hält.

Mitte Januar erwischte ich das perfekte Hütten-Schneeschuh-Wochenende im Rofan: herrliches Wetter, beste Schneebedingungen, Gipfelglück auf der Rofanspitze, ein Logenplatz zum Sonnenuntergang über den Karwendelspitzen und viele gemütliche Stunden auf der Erfurter Hütte. Eine Auszeit vom hektischen Alltag, abgehoben über den Kleinigkeiten des Lebens, die einfach wahnsinnig viel Energie für die Tage danach gibt.

Die Dalfazwände im Rofangebirge
Die Dalfazwände im Rofangebirge

Eine Hüttentour im Winter zu planen ist gar nicht so einfach, weil viele Hütten nur im Sommer geöffnet haben. Weil im Winter die Wasserleitungen zufrieren, die Hütten nicht gut geheizt werden können, die Versorgung zu schwierig ist. Du musst anders packen als im Sommer, du musst bedenken, dass es früh dunkel und spät hell wird, die Lawinengefahr vor und während deiner Tour beurteilen, deine Fähigkeiten und Tagesform noch besser einschätzen als im Sommer, da “da draußen” eine nicht ungefährliche Welt auf dich wartet.

Blick zum Rosskopf, auf den Weg mit den Schneeschuhen zur Rofanspitze
Blick zum Rosskopf, auf dem Weg mit den Schneeschuhen zur Rofanspitze

Denn so idyllisch die Zeit auf der Erfurter Hütte klingen mag, so herrlich die Tourenbilder ausschauen: ich kann eine Schneeschuhtour zur Rofanspitze nur bei Top-Bedingungen empfehlen. Niedrige Lawinengefahr, griffiger Schnee, stabiles Wetter, Erfahrung auf Schneeschuhen. Wenn alles passt – wie bei unserer Tour – , dann verlässt man das Rofangebirge mit glücklichem Herzen und einem Gefühl tiefer Dankbarkeit.

Wolken über dem Achensee und dem Inntal, vom Rofan aus gesehen
Wolken über dem Inntal, vom Rofan aus gesehen

Inhalt:

 

 

Rofanspitze mit Schneeschuhen

Zu Schneeschuhtouren auf die Rofanspitze haben wir vor der Tour ausgiebig Beschreibungen gelesen und den Hüttenwirt befragt. Doch als wir am Sonntag gegen halb 9 bei minus 4 Grad im Schatten vor der Hütte die Schneeschuhe anziehen, ist unser Ziel erst einmal die Grubascharte, bzw. die Gruba genannte Hochfläche unterhalb des Rosskopfs. Dort wollen wir uns den Schnee und die Spurenlage anschauen und entscheiden, ob wir zur Rofanspitze oder Seekarlspitze weitergehen oder umkehren müssen.

Zunächst drehen wir uns ein paar mal ungläubig um uns selbst: die Spitzen der Dalfazwände werden von den ersten Sonnenstrahlen vergoldet, über dem Achensee liegt ein wattige Wolkenschicht, der Schnee knirscht unter unseren Schneeschuhen, die Skilifte beginnen zu summen, Menschen sind fast keine zu sehen. Welch ein Privileg an diesem herrlichen Morgen hier stehen zu dürfen.

Die ersten Sonnenstrahlen im Rofangebirge, am Gschöllkopf (2.039m)
Die ersten Sonnenstrahlen im Rofangebirge, am Gschöllkopf (2.039m)

An der Mauritzalm vorbei führt ein gewalzter Winterwanderweg nach Osten, die Spur der Schneeschuhwanderer und Skitourengeher verlässt den breiten Weg am ersten Schild des Lawinenlehrpfades. Ein dunkler Fleck hoch oben auf dem Grat der Felswand links von uns entpuppt sich schnell als eine Gams, und die flitzt plötzlich den Grat entlang zu ihren 8 oder 9 Freunden. Welch ein Start in den Tag!

Station am Lawinenlehrpfad im Rofangebirge
Station am Lawinenlehrpfad im Rofangebirge
Dunkel und kalt - ein Wintermorgen im Rofangebirge
Dunkel und kalt – ein Wintermorgen im Rofangebirge

Der Skispur ist einfach zu folgen, zwischen Latschen hindurch, in ständigem Auf und Ab geht es Richtung Osten, mal in der Sonne, mal im Schatten. Im Schatten fühlt es sich stets 10 Grad kälter an… Mit einem steileren Aufstieg dreht sich der Weg Richtung Nord, über eine weite offene Fläche namens Gruba geht es relativ eben auf den Roßkopf zu, dann rechts zur Grubascharte (2.102m). Inzwischen ist es sonnig geworden, der Schnee ist griffig, hier und da sind andere Schneeschuhwanderer und Skitourengeher unterwegs – gerade so viele, dass man mit allen gerne ein paar Worte redet, ohne jegliches Gefühl von “zu voll”.

Endlich: die Grubascharte. Wichtiges Zwischenziel auf dem Weg zur Rofanspitze
Endlich: die Grubascharte. Wichtiges Zwischenziel auf dem Weg zur Rofanspitze

Von der Grubascharte aus sehen wir den Gipfel der Rofanspitze in greifbarer Nähe, sehen den anspruchsvollen Wegabschnitt zum Gipfel zum ersten Mal, und wir sehen, dass die Spur fest und breit genug ist und wir dem Gipfel wohl gewachsen sein werden.

Der erste Blick auf den Gipfel der Rofanspitze und die heikle Hang-Querung
Der erste Blick auf den Gipfel der Rofanspitze und die heikle Hang-Querung von der Grubascharte aus

“Breit” ist im weiteren Verlauf relativ. In der Spur queren wir den Hang, es ist sehr ausgesetzt, wer hier stürzt, wird zu einer langen eisigen Rutschpartie starten. Jeder Schritt erfordert Konzentration, aber mit jedem Schritt merken wir auch, wie stabil der Weg ist, wie gut wir voran kommen. Dieser Weg ist heikel, hier möchte man nur in Ruhe bei allerbesten Schnee- und Lawinenbedingungen unterwegs sein.

Spur in der Hangquerung zur Rofanspitze
Spur in der Hangquerung zur Rofanspitze

Der Weg macht 3 oder 4 enge Kehren, wird steiler, ganz am Ende sehr steil – und nach rund zwei Stunden ziehen wir kurz unterhalb des Gipfels der Rofanspitze die Schneeschuhe aus, um die letzten paar Meter über die Felsen zum Gipfelkreuz auf 2.259m zu kraxeln.

Die letzten Meter zum Gipfelkreuz der Rofanspitze
Die letzten Meter zum Gipfelkreuz der Rofanspitze

Und ich möchte am liebsten sofort wieder runter.

Der Wind pfeift uns wild und ungemütlich um die Ohren, ich denke eigentlich nur an der Abstieg und freue mich auf die Grubascharte, wenn der heikle Teil überstanden sein wird – selten habe ich mich an einem Gipfel so unwohl gefühlt. Ich esse nichts, trinke nichts, ziehe mich nicht um, hole nicht einmal die Kamera aus dem Rucksack.

Gipfelkreuz der Rofanspitze
Gipfelkreuz der Rofanspitze
Aussicht von der Rofanspitze nach Süden
Aussicht von der Rofanspitze nach Süden

Nur ein paar Handyfotos. Nur schnell in alle Richtungen schauen und halb registrieren, dass im Norden ganz viel Nebel über den Tälern hängt, im Osten und Süden die hohe Gipfelpracht der Zillertaler und Kitzbüheler ausgebreitet vor uns liegt, direkt neben uns die Karwendel Gipfel herüber winken. Der Guffert ist deutlich zu erkennen, auch das Kaisergebirge – und dennoch bin ich froh, als wir nach ein paar Minuten wieder aufbrechen, die paar Meter abklettern, die Schneeschuhe wieder anziehen, die ersten steilen harten Meter bis zur weicheren Spur gemeistert haben.

Konzentrierter Abstieg von der Rofanspitze
Konzentrierter Abstieg von der Rofanspitze
Foto: @bergundball

Vor uns in der Spur entdecken wir eine “Ameisenstraße”- es geht gegen Mittag und unzählige Schneeschuhwanderer und Skitourengeher kommen uns nun in der engen Spur entgegen. Immer wieder müssen wir als Bergab-Gehende ausweichen, meist ist der Schnee rechts von uns fest genug, um einen Moment zu warten. Wieder bin ich unendlich dankbar für die perfekten Bedingungen, den wolkenlosen Himmel, die Zeit, die wir noch bis zur Dunkelheit haben.

In der Grubascharte herrscht dann eine große Erleichterung. Alles ist gut gegangen, wir sind erfahren genug, solch anspruchsvolle Passagen zu meistern, wir haben an einem perfekten Morgen auf einem traumhaft schönen Gipfel gestanden!

Blick zurück von der Grubascharte zum Gipfel der Rofanspitze
Blick zurück von der Grubascharte zum Gipfel der Rofanspitze
Tief verschneit ist das Hochplateau der Gruba, ein Traum von einer Schneeschuhtour bei diesen Bedingungen.
Tief verschneit ist das Hochplateau der Gruba, ein Traum von einer Schneeschuhtour bei diesen Bedingungen.

Es ist nun wirklich viel los. Die “Ameisenstraße” hinter uns, aber auch an der benachbarten Seekarlspitze, vor uns in der Gruba. Die Bedingungen werden durch die vielen Bergsteiger und die warme Sonne sicher nicht besser, wir sind froh, früh gestartet zu sein. Und gehen nun gemütlich zurück Richtung Erfurter Hütte, wo wir etwa 4 Stunden nach dem Aufbruch wieder ankommen. Grinsend setzen wir uns zwischen die Skifahrer und Gondeltouristen auf die Terrasse, bestellen Skiwasser und Kaspressknödl, halten das Gesicht in die Sonne. Blicken zu den sonnigen Karwendelgipfeln, und ab und an kurz hinunter zum abschreckend schattendunklen Achensee.

Die sonnige Terrasse der Erfurter Hütte mit den Dalfazer Wänden im Hintergrund
Die sonnige Terrasse der Erfurter Hütte mit den Dalfazer Wänden im Hintergrund

 

 

Im Winter auf der Erfurter Hütte

Die Erfurter Hütte vereint vieles von dem, was mich bei Berghütten so begeistert. Sie liegt auf 1.834 m und gehört zur DAV Sektion Ettlingen. Am Abend treffen sich die letzten Tagesgäste und die Übernachtungsgäste auf der Terrasse und beobachten, wie die Sonne hinter den gezackten Karwendelgipfeln untergeht. Dann machen es sich die Übernachtungsgäste in der heimeligen Stube gemütlich, der man anmerkt, dass die Hütte 1924 gebaut wurde. Bäder, Lager und Zimmer sind dagegen modern, mit viel hellem Holz – im Winter zwar nicht geheizt, aber durch den Kamin in der Stube, die Körperwärme der Gäste und die warmen Decken muss niemand frieren.

Basislager für die Tour zur Rofanspitze: die Erfurter Hütte
Basislager für die Tour zur Rofanspitze: die Erfurter Hütte

Beim Abendessen (köstlich: Tagliatelle mit Hirschsugo, Sahne, Preiselbeeren!) setzt man dieses gewisse Grinsen auf – die Tagesgäste, die tagsüber durch Gondel und Skigebiet zahlreich sind, sind zurück im Tal, man selber darf bleiben und in aller Stille den Sternenhimmel über Rofan und Karwendel betrachten. Die gleiche Stille am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen schon die obersten Bergspitzen erreichen, über dem Achensee eine dichte Wolkendecke liegt, man sich selber am Frühstücksbuffet bedient (super: Kaffee ist im Buffetpreis mit drin und es gibt frischen Obstsalat!) und es eigentlich gar nicht erwarten kann, raus zu gehen und Richtung Gipfel zu starten. Pächterfamilie und Team sind extrem freundlich und entspannt, so dass man sich auf der Hütte richtig wohl fühlt. Absolut empfehlenswert hier zu übernachten, weil es auch jeden Zeitdruck aus einer Tour zur Rofanspitze nimmt. Ach ja, last but not least: Marillenkuchen & Cappucino am Nachmittag!

Schmankerl auf der Erfurter Hütte im Rofangebirge
Schmankerl auf der Erfurter Hütte: Abendessen (l.o.), Frühstück (l.u.), Nachmittagskaffee (r)

 

 

Aufstieg und Abstieg: zwischen Maurach am Achensee und Erfurter Hütte

Die Tour startet am Parkplatz der Rofan Seilbahn in Maurach am Achensee auf 980 m. Eigentlich direkt am Ende der Talabfahrt des Skigebietes – doch Mitte Januar 2018 liegt so wenig Schnee, dass die Talabfahrt gesperrt und der Wanderweg gut zu gehen ist! Nach den ersten paar Metern neben der Piste folgt man deshalb dem Pfad geradeaus (gelbe Schilder zur Erfurter Hütte), statt rechts weiter an der Piste entlang zu gehen, quert einen Bach und wandert mal mit etwas Schnee, mal ganz auf Waldboden, mal über eisige Stufen den Wald hinauf, bis man oberhalb der Buchauer Alm auf die Skipiste trifft.

Hier ist es ratsam, die Schneeschuhe anzuziehen und am Rand der (roten) Piste bis zur Erfurter Hütte aufzusteigen. Dabei ist der linke Pistenrand sonniger, evtl. etwas länger als der rechte, aber elendig steil und zermürbend – kommen einem doch ständig lässig gleitende Skifahrer entgegen.

Frühlingshaft: der Steig von Maurach zur Erfurter Hütte
Frühlingshaft: der Steig von Maurach zur Erfurter Hütte

Knapp 2 ½ Stunden benötigen wir für die 850 Höhenmeter bis zur Erfurter Hütte auf 1.834 m – mit einigen Fotopausen an Eiszapfen und Blicken zum Achensee hinunter.

Eiszapfen am Wegesrand, zwischen Winter und Frühling
Eiszapfen am Wegesrand, zwischen Winter und Frühling

Im Abstieg gehen wir komplett an der Skipiste entlang, die eisigen Stellen am Steig sind uns bergab doch etwas heikel. Die Serpentinen ziehen sich nach einer Weile und nerven, aber der Weg ist die meiste Zeit sonnig, die eisigen Stellen mit Schneeschuhen entspannt zu gehen. Und im Schnee ist dieser Weg immer noch angenehmer als im Sommer – bei der Tour aufs Ebner Joch Jahre vorher ist mir der Abschnitt auf dem Forstweg als sehr zäh in Erinnerung geblieben.

Wanderung entlang der Skipiste im Rofangebirge - nicht schön, aber manchmall geht es nicht anders.
Wanderung entlang der Skipiste im Rofangebirge – nicht schön, aber manchmall geht es nicht anders.

Fazit zur Tour Rofanspitze & Erfurter Hütte

Die Erfurter Hütte ist ein idealer Übernachtungsort für eine Hüttentour im Winter. Wenn du Erfahrung im Schneeschuhwandern hast, das Wetter stabil und die Lawinengefahr sehr niedrig ist, dann sei dir die Tour zur Rofanspitze sehr ans Herz gelegt. Sie ist übrigens auch im Rother Schneeschuhführer Münchner Berge beschrieben, schwarz markiert, allerdings mit Aufstiegshilfe durch die Seilbahn bis zur Erfurter Hütte.

Gipfelglück an der Rofanspitze Foto: @bergundball
Gipfelglück an der Rofanspitze
Foto: @bergundball

Abschließend noch eine Anekdote. Und ein Video.

Im Abstieg von der Rofanspitze begegneten wir einem Schneeschuhwanderer, schwer bepackt mit Stativ und einigem mehr. Die Hütten-Terrasse vor Augen grüßten wir nur kurz und gingen weiter. Einige Tage später spielte mir Facebook Fotos und ein Video von der Rofanspitze in meine Timeline – von eben jenem Wanderer, wie sich herausstellte. Das Video von Florian Ziereis könnte ihr hier ansehen (und ich muss sagen, ich bin so froh, dass wir auf der Erfurter Hütte übernachtet haben!):

Datum der Tour: 13. und 14. Januar 2018

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Die Tour ist beschrieben im Rother Schneeschuhführer Münchner Berge, du kannst ihn hier bei Amazon bestellen*.

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Tour zum Ebner Joch

Rofanspitze bei Soschy on Tour und bei Kultur Natur

Perfekter Wintertag, perfekte Bedingungen für die Rofanspitze mit Schneeschuhen
Perfekter Wintertag, perfekte Bedingungen für die Rofanspitze mit Schneeschuhen
Blick zur Erfurter Hütte und zum Karwendel
Blick zur Erfurter Hütte und zum Karwendel

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher, Yoga und Weit-Weg-Unterwegs-Sein.
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