Mountainbiken für Anfänger (5): Fahrtraining im Bikepark Lenggries

In Bikeparks werden verrückte Sachen gemacht, Fahrten wie man sie von der EOFT kennt und die MTB AnfängerInnen wie ich bestimmt nicht nachmachen. Im Bikepark in Lenggries haben sie das mal mit einer Drohne gefilmt, das sah dann so aus:

Im letzten Oktober war ich tatsächlich auch ein paar Stunden in diesem Bikepark und zwar zu einem Mountainbike Fahrtraining. Und das ist MTB Anfängern tatsächlich zu empfehlen, auch wenn die eigenen „Kunststücke“ dann lange nicht so spektakulär sind wie in dem Film. Haha. 

Der Bikepark Lenggries befindet sich an der Talstation der Bergbahn zum Brauneck, gleich neben der Skipiste. Der Schlepplift für die Skifahrer wird im Sommer tatsächlich von den Radlfahrern benutzt, was am Anfang sehr bizarr aussieht, nach 2 Stunden kommt es einem aber völlig normal vor.

Bikepark Lenggries am Brauneck
Bikepark Lenggries am Brauneck

Ein Fahrtraining in Lenggries macht man in Gruppen oder allein, zum Saisonende im Oktober war die Nachfrage natürlich nicht mehr so hoch wie im Frühling, deswegen hatte ich die volle Aufmerksamkeit von Chef Tom höchstpersönlich.

Erste Einweisung von Tom
Erste Einweisung von Tom

Als erste Aktion wird erst einmal der Sattel richtig tief gestellt, denn richtig gebiked wird im Stehen. Wo man als Anfänger gleich mal seinen Platz in der „Hackordnung“ gewiesen bekommt – die coolen Leute haben einen Knopf am Bike, mit dem sie den Sattel sogar während der Fahrt hoch und runter bewegen können!

Auch sinnvoll ist es, die Bremsgriffe etwas nach innen zu versetzen, so dass man die Hände weit außen ansetzen kann und nur mit einem Finger bremst. Mit den anderen muss man sich am Lenker festhalten und außerdem ist bremsen meist eh keine gute Idee, so wie beim Skifahren (den Vergleich werde ich noch öfter bringen!) braucht man ein gewisses Tempo, damit es richtig läuft und Spaß macht.

Anders als beim Skifahren traut man sich auf dem Bike aber schneller etwas (zumindest ich!), weil man durch normales Radlfahren schon an Sportgerät und Fahrgefühl gewöhnt ist. Ein bisschen zumindest.

 

Tom beginnt mein Fahrtraining auf dem Parkplatz, der eine ganz geringe Steigung hat. Er stellt Hütchen auf, ich fahre Slalom. Bergab im Stehen, bergauf im Sitzen. Die Abstände zwischen den Hütchen werden immer enger, langsames Fahren braucht viel mehr Balance, schnelles Fahren haut die Hütchen um. Dabei wird immer wieder die richtige Haltung kontrolliert, die Ellbogen raus, nur ein Finger an der Bremse, gucken wo man hinfährt.

Erste Lektion des Fahrtrainings auf dem Parkplatz
Erste Lektion des Fahrtrainings auf dem Parkplatz

Balance ist übrigens etwas, was man täglich auf jedem Radl trainieren kann  – “einfach” mal versuchen, an einer roten Ampel auf den Pedalen zu bleiben, ohne einen Fuß auf den Asphalt zu bringen…

Nach der Balance: die Lektion richtiges Bremsen. Wir üben Vollbremsung aus voller Fahrt an einer bestimmten Stelle, mit der Vorderradbremse, mit der Hinterradbremse, mit beiden. Natürlich im Stehen. Es kann ja nix passieren, außer dass dem Trainer der Kies ins Gesicht spritzt.

 

Und dann wird’s ernst und wir gehen auf den Trail. Wir fahren die ersten Wellen und die ersten Kurven, schieben danach die Räder ein Stück den Hang hoch, das Gefälle ist hier gering. Immer wieder erinnert Tom an die Haltung, animiert dazu schneller zu fahren. Es kann ja nix passieren. Und das Wellen fahren macht Spaß! Das ist doch echt mal was anderes als Asphalt in der Stadt oder ein Forstweg. Und je schneller man fährt, desto größer der Spaß.

Lektion: fahre die Kurve auf diesen Steinen...sieht so einfach aus.
Lektion: fahre die Kurve auf diesen Steinen…sieht so einfach aus.

Beim Skifahren empfinde ich Schlepplift Fahren alles andere als angenehm, mit dem Mountainbike fühle ich mich genauso unsicher, doch es geht besser als befürchtet. Man sitzt auf dem Sattel, die Füße auf den Pedalen, linke Hand am Lenker, mit der rechten fängt man den Schlepper, muss ihn unter den Sattel klemmen und sich dann völlig verkrampft am Schlepper festhalten, der einen hochzieht, und hoffen, dass kein Unglück passiert. Sprich, sich vor all den jungen Menschen um einen rum zu blamieren…

Schlepplift für Mountainbiker
Schlepplift für Mountainbiker

Am Anfang muss ich auf halber Strecke den Schlepper abwerfen und in den Trail einsteigen, um die schwierigsten Stellen noch auszulassen. Für die Könner gibt es einige Rampen und “Sprungschanzen” (das richtige Vokabular lerne ich später hahaha), das wilde Hüpfen konntet ihr im Video am Anfang des Artikels ja bewundern. Das Gute für Anfänger ist aber, dass sich alle Hindernisse umfahren lassen, man wird zu keinen hirnrissigen Abenteuern gezwungen.

 

Stattdessen gibt es lustiges Kurven fahren, große und kleine Wellen, das Bremsen lässt man am besten sein, sonst kommt man die großen Hügel nach dem “Wellental” nicht wieder hoch. Toms Kommandos kommen mal von vorne und mal von hinten, an die Ellbogen denken, mehr links, mehr rechts, hier bremsen, hier wieder in die Pedale treten, und ruckzuck habe ich ein breites Grinsen im Gesicht, das nicht mehr verschwindet.

 

Bevor wir mit dem Schlepplift ganz nach oben fahren, machen wir noch einen Test, der mir gar keine Probleme macht: einen steilen Hang geradeaus bergab heizen. So was kann man zum Beispiel auch gut am Fröttmaninger Berg üben. Unser Test ist auf der Wiese, die im Winter Skipiste ist, später auf dem Trail ist der Hang ähnlich steil nur ist es Schlamm statt Gras. Stürzen möchte man da nicht, aber solange man sich konzentriert, passiert nix. Wäre das beim Skifahren doch bloß auch so leicht…

Bergstation des MTB-Schlepplifts
Bergstation des MTB-Schlepplifts

Steilheits-Test bestanden, also auf mit dem Schlepplift ganz nach oben. Oben erst mal durchatmen, dass man diese Schlepperei überstanden hat. Der Trail beginnt oben mit einer schlammigen Linkskurve in einer Rinne. Eigentlich weder steil noch gefährlich – und trotzdem schaffe ich es an dem Tag kein einziges Mal diese Kurve zu fahren. Der Kopf macht da einen Strich durch die Rechnung, hält es für keine gute Idee, blockiert…

 

Die Könner fahren (oder fliegen…) hier schon eine Parallelstrecke, es ist wenig genug los, dass ich in den folgenden Kurven mein Tempo fahren kann. Zu langsam bringt gar nichts, man braucht Schwung und Geschwindigkeit und einen Flow, dafür ist die Strecke auch genial angelegt. In der Mitte der eben erwähnte steile Hang, dann die letzten Wellen und Kurven, die man schon vom Anfang kennt.

bikepark_lenggries

Und dann sofort wieder hinten anstellen und vom Schlepplift wieder hochschleppen lassen. Da ist das Wetter völlig egal, dass man nicht zum Brauneck hochschauen kann, weil die Wolken so tief hängen. Der Blick geht nur aufs Vorderrad und die nächsten 2m Strecke. Gefühlt hat jeder zweite hier eine Kamera auf dem Helm, die allermeisten sind männlich und (im Vergleich zu mir) ganz schön jung. Es werden aber wohl immer mehr Frauen und ich sehe das ganze auch überhaupt nicht als Männersportart. Du traust dich, oder du traust dich nicht…

Es ist nun nicht so, dass ich Ambitionen hätte Sprünge und andere EOFT-vorzeigbare Kunststückchen zu lernen. Das reizt mich nicht und ist mir doch auch zu gefährlich. Aber so ein Trainingstag im Bikepark bereitet einen auf das vor, was einen im Wald und am Berg, in freier Wildbahn, erwartet. Nicht so schön angelegt, nicht so im Flow, unerwartete Hindernisse wechseln sich dort vielleicht mit einer Forstweg Passage ab. Im Wald weiß man nicht, was auf einen zukommt, Wurzeln am Boden, Bäume im Weg, steile Hänge.

Genau diese Situationen kann man im Bikepark gut üben, der Lift bringt einen schnell wieder nach oben, ohne dass man ins Schnaufen gerät, der gleiche Forstweg immer wieder würde schnell langweilig, man lernt nichts dazu. Neben der Technik lernt man vor allem auch: sich trauen, überwinden, Selbstvertrauen gewinnen, wenn man eine Stelle schon einmal gefahren ist, schafft man sie auch noch mal. Wenn der Trainer sagt, machen, du kannst das, dann macht man es, auch wenn man ihm vorher erst einmal die zweifelnden, ängstlichen Blicke einer Erwachsenen zuwirft, die sich mit gebrochenen Knochen inzwischen auskennt.

Deswegen also liebe Mountainbike Anfänger und Anfängerinnen, macht euch mal den Spaß und geht für ein Fahrtraining in den Bikepark am Brauneck! Und wer weiß, vielleicht findet ihr Spaß daran und wir sehen uns auf der EOFT Leinwand irgendwann…

 

Noch ein paar Infos zum Bikepark Lenggries:

Im Winter wird der Lift natürlich von den Skifahrern genutzt, der Bikepark öffnet dieses Jahr voraussichtlich am Samstag, 23. April, je nach Wetter. Die Saison geht bis Anfang Oktober, ebenfalls abhängig vom Wetter.

Ein eigenes Mountainbike und Helm sollte man mitbringen, Schienbein- und Ellbogenschoner kann man sich ausleihen. Fotografieren ist leider schwer ohne Outdoor-Kamera, deswegen bekommt ihr den besten Eindruck durch das Video oben und deswegen gibt es so wenige Fotos.

Der Bikepark Lenggries hat samstags, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 18 Uhr geöffnet, in den bayrischen Sommerferien auch mittwochs bis freitags von 12 bis 18 Uhr. Bei trübem Wetter, wenn die Gipfel rundum in den Wolken hängen, ist das Fahren möglich, bei Dauerregen ist allerdings geschlossen. Preise: bis 2 Stunden 17 Euro, bis 4 Stunden 20 Euro, bis 6 Stunden 23 Euro. Es gibt 10er Karten und Saisonkarten. Mehr Infos: www.bikepark-lenggries.com

Fahrtrainings bei Tom gibt es für Einzelpersonen und in Gruppen bis zu 6 Personen, individuell je nach Können der Teilnehmer. Preis ab 35,- Euro pro Stunde. Und auch für alle anderen Mountainbiker ist Tom stets kompetenter und hilfsbereiter Ansprechpartner, bietet Hilfe beim Reparieren oder zumindest Werkzeug an, beobachtet und kommentiert die Fahrten der Gäste, hat Spaß an dem ganzen Spektakel, kennt und empfiehlt verschiedene Fahrräder – und fährt natürlich selber eins dieser tollen, bei denen der Sattel auf Knopfdruck auf und ab fährt…

 

Tourismus Lenggries hat mich zum Ausprobieren des Bikeparks samt Fahrtraining eingeladen, vielen Dank dafür.

 

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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4 Comments

  1. Ein Mountainbike-Schlepplift?
    Ernsthaft?

    Demnächst wollen die auch noch Gondeln mit Radhalter: Bequem mit der Gondel rauf und dann im Downhill wieder runter.

    Ich bin erschüttert. Früher hätte es sowas ja nicht gegeben.
    Und wenn doch – wir wären zu stolz gewesen, so etwas zu benutzen.
    Was sind das nur für Zeiten? ;)

    • Stefanie Dehler

      Zeiten, in denen ein Skilift nicht 3/4 eines Jahres doof rumsteht und einfach die Landschaft verschandelt. Sondern Arbeitsplätze schafft.
      Früher hätte es sowas wirklich nicht gegeben, wie toll, dass wir jetzt leben dürfen :-)

  2. Elias

    Wow, also das mit dem Schlepplift bin ich auch ein bisschen krass! aber der Park sieht ansonsten auch echt cool aus! Gerade für Anfänger ist das ne coole Sache zum Üben, aber ich denke, da kommt man auch auf seine Kosten, wenn man schon mehr drauf hat? Liebe Grüße vom Fahrradhelm-Experten Elias

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