Nepal – um die Annapurna Teil 1

Annapurna Runde NepalWandern rund um die Annapurna in Nepal, im Himalaya, im Reich der höchsten Berge der Welt, das war ein großer Traum, und welch Glück, dass ich diesen Traum dieses Jahr realisiert habe. Ich hatte ein einziges Buch zum Lesen dabei, jeden Abend* in der Lodge gönnte ich mir ein Kapitel und genoss dies mindestens so sehr wie das Wandern tagsüber, denn das Buch war von Gerlinde Kaltenbrunner mit dem Titel „Ganz bei mir“.

Es geht darin um das Besteigen der Berge, unter denen wir entlang spazierten, um Gefahren und Unglücke, um das Erfüllen von Träumen und das Genießen des Augenblicks. Es war das perfekte Buch für die Reise, und je mehr ich über den Titel nachdachte (man hat beim Wandern durch Nepal viel Zeit zum Nachdenken, da zu wenig Luft zum Reden…), desto mehr wurde er zum Motto der ganzen Reise, auch ich war „Ganz bei mir„!

Die Erlebnisse in Worte zu fassen ist schwer, ich habe vor in 3 Teilen von der Wanderung zu schreiben, im 4. kommt dann alles, was ich noch vergessen habe… Wir waren zu zweit unterwegs, 16 Wandertage zwischen Bhulbule und Pokhara, wobei ich einen Tag mit dem Bus gefahren bin, davon später. Wir hatten einen nepalesischen Guide dabei, der unser Gepäck getragen hat (pro Person 10 kg) und sich auch sonst um alles gekümmert hat, von der Auswahl der Lodges bis zum Tee an den Tisch bringen. Zum Thema Träger/ Guides kommt ein eigener Bericht, irgendwann.

Bei der Schreibweise der Ortsnamen nicht wundern – jedes Dorf hat gefühlt drei verschiedene Namen, und irgendwie klingt alles gleich. Außerdem gibt es leider immer noch wahnsinnig viele Analphabeten, überall wird Geld für Schulen gesammelt, so dass sich das hoffentlich in Zukunft bessern wird. Bei aller Professionalität im Tourismus- Nepal ist ein armes armes Entwicklungsland!

Rund um die Annapurna Nepal

1. Teil der Annapurna-Umrundung: Busfahrt Kathmandu-Bhulbule, dann zu Fuß die Etappen Bhulbhule – Ghermu, Ghermu – Tal, Tal – Danakyu, Danakyu – Chame, Chame – Pisang.

Los geht der Spaß mit einer zähen Busfahrt, die den ganzen Tag dauert. Es gibt dabei viel zu sehen, gegen den Staub sollte man einen Mundschutz tragen, und wenn man früh in Kathmandu losfährt, kann man die Strecke zwischen Besi Sahar und Bhulbule sogar laufen, wofür wir leider keine Zeit hatten. Unser Bus transportiert außer Menschen auch eine Reihe von Matratzen und Teppichen, dadurch ist der Ausgang etwas versperrt; kein Problem, denn süße Minibananen kann man auch durchs Busfenster kaufen. Der erste Abend gleich ein kleines Abenteuer, Stromausfall, Abendessen mit der Stirnlampe im Freien zusammen mit 15.000 Mücken und strömendem Regen, so ist das halt.

Etappe 1: Bhulbhule – Ghermu

Dann endlich los, Bhulbule liegt auf 840 Metern Meereshöhe, wir wollen in ein paar Tagen einen Pass von 5.416 m überqueren. Jeden Morgen, wenn wir losziehen, meist gegen halb 8, lacht die Sonne von einem strahlendblauen Himmel hernieder, morgens thronen die Berge und „Hügel“ mächtig in der klaren Luft. Ein „Hügel“ ist in Nepal eine Erhebung niedriger als 4000 oder 5000 Meter, er wird nicht ernst genommen, ist namenlos… Die einzelnen Wanderetappen sind kein Vergleich mit einer Bergtour in den Alpen, viel kürzer – meist sind wir gegen 15 Uhr in der Unterkunft, manchmal früher-, es ist selten wirklich steil, es gibt keine Kletter- oder Kraxelstellen, man braucht weder große Trittsicherheit noch Schwindelfreiheit.

Reisfelder in Nepal

Der erste Tag ist heiß, nicht lange, und man gerade ordentlich ins Schwitzen, obwohl der Weg fast eben durch das Tal führt, durch das der Marsyangdi Fluss fließt. Rechts und links Reisfelder, Bambus wächst, alles strahlt üppig in unzähligen Grüntönen. Wir machen häufig Pausen – unser Guide muss mit allen möglichen Verwandten plaudern, die er nicht mehr gesehen hat, seit er das letzte Mal vor der Monsunzeit hier vorbeigewandert ist. Wir sehen Horden von Schulkindern in Uniform auf dem Weg zur Schule, Menschen mit riesigen Büscheln Gras auf dem Rücken, das Futter für die Tiere zu Hause ist, Büffel am Wegesrand. In den Dörfern sitzen Leute am gemeinsamen Wasserhahn, spülen ihr Geschirr, waschen ihre Haare. Immer wieder laufen Leute Zähne putzend durchs Dorf…

Wir sehen einen Berg, der Achtausendeinhundertsechsundfünzig Meter hoch ist. Der Manaslu. Man will einfach nur Staunen und Gucken und Fotos machen.

 

Etappe 2: Ghermu – Tal

Die ganze Nacht hat es gerauscht – erst vom Regen, dann vom Wasserfall, der auf der anderen Seite des Tals nach unten donnert. Von den ersten 4 Wasserfällen der Tour habe ich noch Fotos gemacht, von den restlichen 378 dann nicht mehr ;-) Frühstück im Freien, Omelette gibts meistens für mich, oder Apfelpfannkuchen, für kalte Morgen empfiehlt sich auch Apfel Porridge. Der Kaffee ist lösliche braune koffeinlose Plörre mit Milchpulver – aber morgens muss es sein, den restlichen Tag gibts noch genug Tee und Wasser.

Hängebrücke Annapurna Runde Nepal

Die Landschaft auf der zweiten Etappe erinnert mich teilweise an Jurassic Park. Grün, undurchdringlich, unberührt. An anderen Stellen wird eine Straße gebaut, Straßenbauer haben in Nepal die schlimmsten Jobs überhaupt. Auf den fertigen Straßenabschnitten fahren Jeeps, wir sehen ca. 3 an diesem Tag. Ein weiteres Highlight, das (ohne Scheiß) sogar in der Landkarte verzeichnet ist: Mariuhana Pflanzen am Wegesrand.

trekking in Nepal

Wir sehen Affen. Und riesige Schmetterlinge. Und unendlich viele Esel und Pferde, die Waren auf ihren Rücken transportieren.

Am Nachmittag geht es mal etwas steiler einen Hügel hinauf, man gelangt auf eine weite, wunderschöne Ebene mit Fluss und Wasserfall, dazu der Ort Tal mit bunten Häuschen, rechts und links eingerahmt von den Bergen. Tal ist das nepalesische Wort für See, übrigens…

Dorf in Nepal

Etappe 3: Tal – Danakyu

Manaslu, Lamjung Himal, unzählige andere schneebedeckte riesige Berge – schon am Morgen vom Bett durchs Fenster zu sehen, und immer wieder auf dem Weg. Mittags wird es immer etwas wolkig und die Gipfel verschwinden dann meist, aber der Blick am Morgen ist immer gigantisch. Geckos sind die Begleiter unterwegs, sie sonnen sich auf den warmen Steinen. Auch sie wissen: ab jetzt wird es abends kühl, Lodges werben bereits damit, dass sie einen Kamin haben. Durch unsere (ausnahmsweise wenig schöne) Unterkunft in Danakyu pfeift durch alle Ritzen der Wind. Ingwertee hilft, Mütze anziehen und früh ins Bett gehen. Selten bin ich länger auf als 20 Uhr – ab 18 Uhr ist es stockdunkel, die Dörfer sind winzig und bieten null Unterhaltung, das 1 Kapitel Kaltenbrunner ist schnell gelesen, und die Müdigkeit lässt meist nicht lange auf sich warten. Gegen 6 Uhr am Morgen ist es wieder hell und man ist wieder hellwach und bereit für eine neue Etappe. Entspannt, stresslos, offline.

Offline? Um die Mittagszeit der 3. Etappe sieht man Plakate am Wegesrand, die Das Internet für Chame ankündigen – den Ort erreichen wir aber erst am Abend der 4. Etappe!

Internet in Chame

Etappe 4: Danakyu – Chame

Recht steil geht der Tag heute los, die Blicke werden immer besser, besonders zum Manaslu. Die Teepause wählen wir so, dass wir in der warmen Sonne direkte Sicht zum Manaslu haben – der Guide wollte erst woanders hin, er hat den Berg halt schon öfter gesehen… Die Landschaft erinnert an Canada oder Alaska, obwohl ich dort noch nie war: Nadelbäume, ein Hochplateau, umrahmt von Felsen und Hüglen, staubige Wege, strahlende, klare Farben. Eine richtige Expedition kommt an uns vorbei, Seile, Eispickel und Klappstühle sind im Gepäck der Träger zu erkennen. Es sind Franzosen, die auf den Chulu West wollen (vielleicht auch Chulu East, sie wissen das selber nicht so genau). Die Chulus sehen wir später, wunderschöne Berge, 6 1/2 Tausender…

Natur in Nepal

Am Nachmittag erreichen wir Chame, das Dorf mit Dem Internet. Mitten durch das Dorf tobt und rauscht der wilde Fluss, eine Hängebrücke verbindet die beiden Ufer. Wir verbringen eine ganze Weile damit zu beobachten, wie eine Gruppe von Leuten zwei Kühe von einer auf die andere Seite zu bringen versucht. Die störrischen Kühe weigern sich die wacklige Brücke zu betreten, ihnen müssen erst die Augen mit einem T-Shirt verbunden werden, damit es gelingt.

Chame, Nepal

Auch davon hätte ich gerne aus Chame gebloggt – aber Das Internet ist eher ein Slownet. 8 Minuten dauert es, bis ich ein 3zeiliges Lebenszeichen per Mail an meine Eltern geschrieben habe, Kosten 80 Rupien, Porto für eine Postkarte kostet 30 Rupien. Ich verzichte aufs bloggen, schaue mir lieber den Gipfel des Manaslu in der Abendsonne an.

Road to Manang Nepal

Etappe 5: Chame – Pisang

Wie der Abend endet, beginnt der nächste Morgen – begeisterte Blicke zum 8000er und noch ein paar mehr Fotos, auf denen man nicht viel erkennt. Apfelplantagen säumen jetzt den Weg. Die Trekkingtour rund um die Annapurna ist berühmt für ihre Apfelkuchen und weil Sonntag ist – sagt das Tagebuch, ich habe jedes Gefühl für Datum und Wochentag verloren – gibts beim Mittagessen ein Stück zum Nachtisch. Wir sind inzwischen über 3.000 Meter hoch, man merkt es beim Atmen, rennen ist nicht mehr, aber wir haben uns bereits an ein langsames, gemächliches Gehtempo gewöhnt und passen uns nun Höhen an, die höher als alles in Deutschland sind. Wir treffen heute zum ersten Mal eine Gruppe von britischen Soldaten, Ingenieure, die in Afghanistan waren und vor der Rückkehr noch einen Trek zusammen gehen. 40 Leute – 2 ganze Lodges brauchen sie abends, deswegen schicken sie morgens immer gleich einen Nepalesen vor, der die Zimmer blockiert reserviert. Wir anderen nehmen, was übrig bleibt, führen aber unterwegs viele nette Gespräche mit der Gruppe.

Annapurna Trek Nepal

Die Felsen zu unserer rechten sind speziell, sie scheinen spiegelglatt geschliffen, sind fantastisch geschwungen, 1.500m über uns (und heißen Paungda Danda oder auch Swarga Dwar – Gateway to Heaven). Der Pisang Peak blitzt immer mal durch, auch über 6000m hoch. Auf der staubigen Piste, die z.T. noch zur Straße ausgebaut wird, überholen uns Motorräder und Yaks. Die Sonne brennt ins Gesicht, im Schatten braucht man aber gleich eine Jacke, wir sind über 3000m…Die Luft ist von unglaublicher Klarheit – außer wenn gerade ein Motorrad alle Staubkörner der Umgebung aufgewirbelt hat.

 

Zur professionellen Akklimatisierung gehören ab sofort die Nachmittags-Spaziergänge: Gepäck in der Lodge in Lower Pisang ablegen, einmal Hände und Gesicht waschen und dann noch mal ein paar Hundert Höhenmeter weiter auf- und wieder absteigen, niedriger schlafen als der höchste gewanderte Punkt des Tages.

Die Wanderung nach Upper Pisang ist etwas sehr Besonderes. Oben befindet sich ein Kloster, von ein paar Häusern und Lodges umgeben, selbst im Dorf sind alle Wege steil. Das Kloster scheint schon fast im Himmel und nicht mehr auf der Erde zu sein. Der Blick raubt einem den Atem. Das Annapurna Massiv ist zum Greifen nahe und doch noch 4000m höher als man selbst! Man findet vielleicht keine Wort um das alles zu beschreiben, aber mit jedem Atemzug füllt sich der Körper mit Energie und Lebenskraft.

Kloster in Upper Pisang mit Annapurna Gipfel
Kloster in Upper Pisang mit Annapurna Gipfel

Und Energie braucht man für die nächsten Etappen, denn jetzt wird es ernst, wir wollen schließlich noch 2.000m höher steigen! Der Weg zum Thorung La Pass, dem höchsten begehbaren Pass der Welt, folgt im 2. Teil.

 

 

*An manchen Abenden 2 Kapitel, dafür musste ich dann am nächsten Tag aussetzen…

 

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Mehr Nepal:

Kathmandu

Foto-Story Nepal

Teil 3 Trekking auf der Annapurna-Runde

Teil 2 Trekking auf der Annapurna-Runde

Essen und Trinken in Nepal

Wissenswertes für Nepal-Reisende

Packliste Nepal

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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12 Comments

  1. Hallo Stephanie,

    traumhafte Bilder die Lust machen sofort hin zu fliegen. Ich glaube es ist auch für dich eine einzigartige Erfahrung in einer grandiosen und einmaligen Gebirgswelt.

    Bin auf deine weiteren Berichte gespannt! Werde nächstes Jahr mit freunden zum Bergsteigen dort sein.

    Viele Grüße Pierre

  2. Es klingt alles sehr verlockend, vorallem wenn man nicht schwindelfrei sein muss… Vielleicht doch ein Passion Project? Ich bin jedenfalls schon gespannt auf die nächsten Teile :-)
    Viele Grüße
    Maren

  3. ….den Gipfel in der Abendsonne geniessen… :-)
    Geckos am Wegesrand, Berggipfel so nah und doch so fern…

    Klingt sehr interessant, danke, dass Du andere daran teilhaben lässt, an Deinen tagtäglichen Erlebnissen, dem Alltag und Deinen Touren…

    Wie geht es weiter? :-)

    Liebe Grüße, Kerstin

  4. Danke für´s teilhaben lassen! Schöner Bericht mit tollen Fotos. Mal eine ganz andere Welt mit richtig, richtig hohen Bergen. Unglaublich. 16 Tage Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen in drei Artikel packen wird bestimmt nicht einfach. Ich freue mich schon auf die nächsten Teile!

  5. Stefanie

    Danke für alle eure Kommentare – ich lasse euch gerne teilhaben und versuche mich zu beeilen mit dem 2. Teil. Seid froh, dass die Sonne nicht scheint und ich eh zu Hause sitze :-)

  6. Hi Steffi,
    ein toller, erster Bericht. Ich freue mich auf die Fortsetzungen. Macht Lust nicht nur zum Weiterlesen, sondern auch Mut zum Selbstwandern. Hört sich so an, als ob ein normal geübter Alpenwanderer diese Tour auch machen könnte. Oder täuscht das?
    Liebe Grüße,
    Götz

    • Stefanie

      Ja, normale Fitness und ein wenig Training in den Alpen und man schafft die Tour ohne Probleme – lediglich die Höhentauglichkeit kann man vorher schwer feststellen, das kann jeden treffen.

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