Gipfelbuch: Partnachklamm und Winterwanderung zum Eckbauern

Partnachklamm im Winter

Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen an einem zapfigen sonnigen Winter-Tag – das ist eins der schönsten Naturschauspiele in Bayern!

Noch Monate vor dieser Tour hätte ich mir dies nicht vorstellen können: am Sonntag morgen aufwachen und als erstes den Lawinenbericht für Bayern anschauen… Ein super Wetterbericht und recht hohe Lawinengefahr trafen zusammen, keine einfache Wahl des Wanderzieles. Die Entscheidung war aber eine richtige, denn die Tour nach Garmisch-Partenkirchen durch die völlig vereiste Partnachklamm und anschließend in einen Liegestuhl am Eckbauern war grandios!

Wanderweg zur Partnachklamm

Das Thermometer steht auf Minus 8 Grad, als ich am Parkplatz am Skisprungstadion von Garmisch-Partenkirchen Richtung Partnachklamm losmarschiere (Kosten für Tages-Parkticket 2,50 Euro). Zapfig sagt man in Bayern dazu. Die Sonne wärmt zwar schon aber es geht ja Richtung Klamm, wo eher wenig Sonnenstrahlen hinfinden werden. Der Wanderweg ist breit und bequem zu gehen, knalligblauer Himmel ohne jede Wolke, glitzernder Schnee, Kitsch hoch 10 als eine Pferdekutsche vorbeikommt…

Pferdekutschen frei

Der Eingang zur Klamm ist ähnlich wie an der Höllentalklamm, schattig, ein letztes Klo und 3,50 Eintritt. Erstaunlich wenige Leute sind hier, vielleicht ist halb 11 noch zu früh für die meisten? Mit 5 oder 6 Leuten, die sich gegenseitig immer wieder überholen und immer wieder zum Fotografieren stehen bleiben, kann man aber zufrieden sein, kein Gedränge, keine fremden Körperteile im Foto, kein Lärm außer dem Rauschen der wilden Partnach.

Gipfelglück in der Partnachklamm

Zum Eingewöhnen ein paar Eiszapfen und ein dunkler, niedriger Tunneldurchgang und dann beginnt das Natur-Spektakel. Riesige herabhängende Vorhänge aus Eis, meterlange Eiszapfen, vom Eis völlig umschlossene Felsen, spitz und bizarr und unwirklich. Ein wenig als wäre die Zeit stehen geblieben, als hätte ein Zauberer hier neue Zaubersprüche ausprobiert. Unglaublich beeindruckend, schwer in Worte zu fassen, deswegen lieber mehr Bilder:

Partnachklamm im Winter

Partnachklamm im Winter

Partnachklamm

 

Partnachklamm im Winter

Und dann ist der Spuk nach 700 Metern vorbei, die Schlucht weitet sich, der Bach tost nicht mehr sondern plätschert nur noch, das dunkle düstere der Klamm wird zum sonnig-hell-glitzerndem breiten Tal. Plötzlich merke ich auch die Kälte, durchs Fotografieren war ich fast die ganze Zeit mit nur einem Handschuh unterwegs und ohne Sonne war es ganz einfach – zapfig. Aber Bewegen hilft ja, vor allem bergauf gehen. Also links abgebogen Richtung Graseck, der Weg ist relativ steil aber mit Schotter gestreut, so dass es nur an wenigen Stellen etwas glatt ist. Kaum noch Menschen zu sehen oder zu hören! Ein wenig durch den Wald geht es aber bald scheint die Sonne durch die Bäume.

 

Winterwanderweg

Am Forsthaus Graseck könnte man einkehren, aber mir ist noch nach weiterlaufen, also geht es hinter den Häusern rechts auf einen breiten Fahrweg. Noch weniger Menschen  zu sehen. Immer wieder kommen kleine Lawinen von den Bäumen herunter, ganz feiner Powder, als hätte jetzt nicht mehr der Zauberer von der Schlucht das Sagen sondern eine Gruppe von Feen, die auf den Bäumen sitzen. Die Ausblicke beginnen jetzt so richtig. Zugspitze und Alpspitze erst einmal. Wunderschön.

Alpspitze Wetterstein

Weg vom Fahrweg geht links dann ein kleiner Pfad zum Eckbauern ab, aber auch dieser Weg ist gut gespurt, man braucht weder Grödel noch Gamaschen. Viel Wald zwar aber immer gibt es Lücken zwischen den Bäumen, durch die die Sonne durchscheint. Viel Gegenverkehr – lauter preußische Touristen, die wohl mit der Gondel zum Eckbauern gefahren sind und nicht mal grüßen…

Welch ein Ausblick dann auf der Terrasse des Eckbauern (1236m). Links Menschen, die sich in Liegestühlen sonnen und am Bier und am Kaffee nippen. Geradeaus Tische und Bänke mit lauter Alpenspezialitäten darauf. Und rechts das gesamte Wettersteingebirge ohne Sichthindernis, ohne jede Wolke, ohne Zeichen von Zivilisation, bis rüber zu den Anfängen des Karwendel. Genau gegenüber soll das Schachenaus sein, erkannt habe ich es nicht wirklich, aber das werde ich mir dieses Jahr auf jeden Fall aus der Nähe anschauen, es ist ja eine der 13 Ideen für 2013. Update: so war es dann!

Und dann liege ich im Liegestuhl, schaue auf die Berge, trinke mein alkoholfreies Weißbier und würde wohl einschlafen, hätte der Wirt nicht seine Lieblingsjodelmusik auf voller Lautstärke laufen.

Gipfelglück am Eckbauer

Der Rest ist schnell erzählt. Der Weg führt an der Bergstation der Eckbauer-Gondelbahn vorbei, rodelnde Kinder en masse, die Gondeln schauen aus wie vom Riesenrad einer Kirmes. Der Wanderweg wird zu einem ganz schmalen Pfad, rechts an der Gondelstation vorbei, eine Mischung aus Rodelspur, Skispur und Wanderspur, steil und rutschig zum Teil, Gamaschen helfen, ein Schlitten wäre am besten.

Wettersteingebirge

Links abbiegen und vom Blick aufs Wettersteingebirge verabschieden, aber es dauert nicht lange bis der Wald sich lichtet und den Blick freimacht auf den Wank und die Häuser von Garmisch-Partenkirchen, auf Kramerspitz und viele mehr. Vor einem liegt der winzige Ort Wamberg, eine Idylle wie aus dem Bilderbuch. Über dem Wank hängt eine einzelne dicke Wolke, die den Wanderern dort oben wohl nicht viel Freude macht. Gut ausgeschildert immer Richtung Skistadion. Bei der Ankunft dort zeigt das Autothermometer nur noch Minus 1 Grad an.

 

Wamberg Oberbayern
Wamberg

Diese Wanderung ist keine für Leute, die Einsamkeit suchen, hier ist Touristen-Terrain mit Seilbahnen, Gondeln, Rodelbahnen und plattgewalzten Wegen. Früh genug losgehen hilft und zwischendurch kann man immer wieder ruhige Zeit genießen. Und die vereiste Schlucht ist ein absolutes Berg-Highlight!

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Mehr zur Region in den Gipfelglück Reisetipps für Garmisch-Partenkirchen

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Stefanie Dehler
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Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
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20 Comments

  1. Uli

    Hallo Steffi,

    was für ein Tag, Du hattest ja Traumwetter!
    Wenn ich im Winter in der Partnachklamm war, war es immer eher grau, daher kenne ich Wamberg im Winter auch noch nicht.

    Ich wollte auch lange schon mal meine Eiszapfen-Fotos aus der Klamm online stellen, aber irgendwie komme ich nie dazu.

    Super Fotos, das ist wirklich wie aus der Fremdenverkehrswerbung :-)

    Viele Grüße,
    Uli

  2. Wir waren letzten Sommer mit gefühlten 800 anderen Personen in der Klamm. Das war nicht besonders schön, weil man einfach nur „durchgeschoben“ wurde. Und stehen bleiben, Fotos machen und genauer gucken, war mit dem ganzen Gegenverkehr kaum möglich.
    Im Winter wollen wir auch noch unbedingt hin. Da ist es hoffentlich dann nicht ganz so überlaufen. :-)

        • Stefanie

          Hallo Elke, ich würde mal schätzen 20 min vom Parkplatz zur Klamm, dann eine halbe Stunde in der Klamm- je nachdem wie viel Betrieb dort ist, wie oft man stehen bleibt etc. Und dann etwa 1 1/2 Stunden bis zum Eckbauern.

  3. Pingback: Winterwanderung durch die Partnachklamm zur Partnachalm | auf-den-berg.de

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