Mit den Bergen vor der Haustür habe ich zwangsläufig auch jede Menge Radlstrecken vor der Haustür. Und heutzutage ist es fast nötig zu erwähnen – ich fahre ein normales Mountainbike, ohne Strom-Unterstützung. Nicht alle Berge rasend schnell hinauf, aber von mal zu mal gehen die schweren Strecken einfacher und schneller. Übung macht Oberschenkel und Bergab-Fahren ist so toll! Von Feierabend Runde bis tagesfüllende Tour, wenn das Wetter nur halbgut ist – hier gibt es 12 Tipps für große und kleine Fahrradtouren im Chiemgau, getestet in 12 Monaten Chiemgau-Dasein.
Schwarzachenalm
Lieblingsstrecke, wenn es nur eine kurze Feierabend Tour sein soll, mit kaum 100 Hm, mit Aussicht, Almgebiet, Einkehr bei freundlichen Hüttenwirten, ideal zum Abschalten. Erst ein wenig die Traun entlang, flussaufwärts leicht bergauf, dann links hoch, der Schwarzach folgend, etwas steiler. Ohne brutal steil zu sein aber so, dass man am Rückweg richtig flott voran kommt.
Jochberg
Ein Klassiker von Reit im Winkl aus, mit länger Variante durchs Dreiseengebiet oder Kurzvariante nur Weitsee und dafür länger auf die Pötschalm. Ausführlich gebloggt habe ich darüber dienstlich, auf dem Reit im Winkl Blog.
Seegatterl – #biketowork
Das #biketowork, das ich zu Münchner Zeiten hatte, wird wohl einmalig und unerreicht bleiben (siehe hier meine “Hommage”). Mein jetziger Arbeitsweg ist einfach zu lang zum Radlfahren, im Winter wird der Radlweg sogar zur Loipe. Aber da wenig besser ist als nix, stelle ich manchmal das Auto am Parkplatz Seegatterl ab, hole das Radl aus dem Kofferraum und habe so wenigstens 2 mal 6 km #biketowork. An der Schwarzlofer entlang, ein schöner, einsamer Weg, sehr viel besser als nix.
Wappbachtal
Alles andere als ein Geheimtipp aber vielleicht eine der schönsten Mountainbike Strecken im Chiemgau. Das Wappbachtal verbindet auf einem leichten, nicht allzu steilen Forstweg das Dreiseengebiet mit den Röthelmoosalmen, beides für sich Naturschätze von großer Schönheit, wo man immer wieder Zeit verbringen kann. Durchs Wappbachtal plätschert der Wappbach, an bemoosten Steinen vorbei und an wild wachsenden Bäumen, hindurchschleichende Sonnenstrahlen malen feine Muster auf Bach und Ufer. Immer überlegt man, sich am Ufer mal eine gemütliche Stelle für eine Pause zu suchen, und dann fährt man doch immer weiter bis zur Dandlalm oder zur Langerbaueralm. Ausführlich beschrieben hier.
Zinnkopf
Ein Labyrinth aus breiten Forstwegen, mal mehr mal weniger steil. Zu Fuß kann man auch zum Gipfel rauf, wo es aber wenig zu sehen gibt. Die Wege sind gut zum Training für Oberschenkel und Lunge, aber sie scheinen ab einem gewissen Zeitpunkt kein Ende zu nehmen, sehen alle gleich aus, und die Wegweiser, die man sieht, führen nie da hin, wo man hin will. Außer man will nach Hammer. Manchmal kommt man am Zinnkopfsee vorbei, manchmal an Brombeerhecken. Gibt’s hier schon als ausführliche Tourenbeschreibung.
Stoabergrunde
Von Lofer aus im Uhrzeigersinn um die Loferer und Leoganger Steinberge, ein lange schöne Runde. Ca 30 km leicht bergauf, dann ca 30 km immer leicht bergab. Über Saalfelden, Leogang, Hochfilzen, am Pillersee vorbei, über Waidring zurück nach Lofer. Asphaltierte Radwege oder Forstwege, alles gut zu fahren. Und fast immer die herrlichen Steinberge im Blick, wenn man nicht gerade einen trockenen Schlechtwettertag für die Tour nutzt…
Staubfall
Eine großartige Tour, etwas wirkliches Besonderes. Am besten bei schlechtem Wetter zu fahren, wenn es nicht zu voll ist und man die wilde Landschaft nicht mit zu vielen anderen teilen muss. Der Wasserfall ist natürlich das Highlight aber auch der Rest macht Spaß! Ausführliche Tourenbeschreibung hier.
Chiemsee
Muss man mal gemacht haben – die Chiemsee Umrundung sieht gewaltiger aus als sie ist und eigentlich ganz entspannt. So lernt man neben den bekannten Lieblingsstellen auch neue Lieblingsstellen kennen, Buchten, Stege, Ausblicke, Cafés… Hier ausführlich nachzulesen.
Simssee
Der kleine Nachbar des Chiemsees, die Umrundung (20 km) startet man z.B. in Stephanskirchen bei Rosenheim. Große Teile des Ufers sind Privateigentum, deswegen freut man sich oft schon über schöne Blicke auf den See. Es gibt Highlights: die Esel am Campingplatz Stein, eine lange knackige Steigung auf der Straße bei Hirnsberg und ein herzliches Stück Radweg durch Moor und Schilf bei Ecking. Ideal für Pause, Snack und Baden: das Strandbad in Baierbach.
Traunstein
Will man was erledigen und “in die Stadt” fahren, dann fährt man nach Traunstein. Am Land machen ja alle alles mit dem Auto (fast…), und wenn ich die 14 km nach Traunstein fahre (mit dem Auto), denke ich oft daran, dass ich “früher” morgens und abends je 10 km zwischen Wohnung und Arbeit geradelt bin. Jeden Tag. Also fahre ich jetzt auch ab und zu mit dem Radl nach Traunstein. Die Traun entlang, über Miesenbach und den Edergraben nach Eisenärzt rechtsseitig, dann aufs linke Ufer wechselnd, durch Siegsdorf, unter der Autobahn durch und die letzten km der Stadt zu. Auf dem MTB ist es schwierig Zeug zu transportieren, früher mit Satteltaschen war das einfacher. Auf dem Rückweg kann man theoretisch auch den Zug nehmen, auf der Strecke Traunstein-Ruhpolding der Südostbayern Bahn fahren Fahrräder kostenlos mit!
Rauschbergrunde
Eine große Runde um den Hausberg der Ruhpoldinger herum. Nach Inzell und Weißbach, über Kaitlalm, Harbachalm und, siehe oben, die Schwarzachenalm zurück. Einige steile Stücke drin, viele Einkehrmöglichkeiten, viele Varianten, auch eher was für mittelmäßiges Wetter – einen Sonnentag verbringe ich doch lieber am Berg.
Thoraualm
Die Thoraualm wird noch für lange Zeit ein unvollendetes Projekt bleiben – der Weg hinauf ist einfach brutal steil, endlos anstrengend. Ich müsste mich wohl jeden Tag hinauf quälen um irgendwann mal ohne zu schieben an der Alm anzukommen. Natürlich entscheide ich mich in 99% der Fälle dann lieber für die Schwarzachenalm. Aber man muss ja auch Radl-Träume haben.
Dies ist der 2. Teil einer kleinen Chiemgau Serie, mit Radltouren heute, Bergtouren im 1. Teil und allerlei weiteren Empfehlungen in den kommenden Wochen.
Weiterlesen
Mehr Mountainbike Touren
Mehr Chiemgau Artikel
Herausgeberin des Gipfelglück Blogs – seit 2011 eine Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Kaffee, Bücher, Yoga und Weit-Weg-Unterwegs-Sein.