Wie du ängstlichen Skifahrern helfen kannst, die Angst loszuwerden

Wenn du als Erwachsene Skifahren lernst – manchem als „Projekt Pistenglück“ bekannt – lauern Gefahren an allen Ecken. Selbst dann, wenn du schon einigermaßen die blauen Pisten herunter kommst. Gefahr kommt von Liften. Von anderen Skifahrern, solchen die skifahren können und solchen, die als Anfänger ihre Ski ebenfalls nicht unter Kontrolle haben. Von eisigen, steilen, engen, buckeligen Pisten.

Angst ist nicht rational, Angst steckt fest im Kopf.
Und Angst ist für andere nicht unbedingt verständlich.

Wenn du schon lange Ski fährst, vielleicht als Kind Skifahren gelernt hast, dann weißt du nicht (mehr) wie es ist, Angst zu haben. An Stellen, wo du einfach vor dich hinfährst, bleibt ein Anfänger vielleicht aus tiefster Panik stehen und du fragst dich warum. Mit Tipps und gutgemeinten Gesten scheinst du das Gegenteil zu erreichen und den Neuling in noch mehr Angst und Schrecken zu versetzen.

Aus meinen Erfahrung der letzten Jahre Skifahren lernen und Gesprächen mit anderen Lehrlingen kommen hier 5 Tipps, wie du als Skifahrer Anfänger dabei unterstützen kannst ihre Angst loszuwerden.

Nimm Angst ernst. Baue Vertrauen auf.

Vermeide Sätze wie “Das ist harmlos”, “Die Piste ist ganz einfach”, “das ist nicht schlimm”, denn für die Ängstlichen ist es eben nicht harmlos. Nicht einfach sondern es ist schlimm! Lob und Aufmunterung tun gut. Lass die Anfänger entscheiden, welche Pisten sie fahren. Sie wissen selber genau, was sie sich trauen und was nicht. Überrede sie nicht zu anderem.

Hinweise auf kleine Kinder, die doch so toll fahren können, helfen rein gar nichts bei der Angstbewältigung. Lustige Videos von ängstlichen Skifahrern sind nicht lustig. Frage nicht nach den Gründen der Angst, Angst ist nicht rational. Und wer keine Angst hat, versteht den Ängstlichen nicht.

Stressfaktor Skilift

Stressfaktor Skilift

Skilifte bedeuten zusätzlichen Stress. Durch viele Leute, die oft drängeln, durch einen relativ schnellen Ablauf, durch Enge, durch eisige Stellen, zu wenig Stabilität und Stellen zum Festhalten – für Anfänger sind Einsteigen und Aussteigen stressige Angst-Situationen. Auch wenn sie vom Können vollkommen in der Lage sind, mit den Liften zu fahren.

Wichtig: lass den Anfänger konzentriert ein- und aussteigen. Lenk ihn nicht ab. Wenn du Snowboarder bist, halte dich nicht am Anfänger fest! Fahr nicht zu dicht an den Anfänger heran, fahre nicht auf seine Ski, verhake dich nicht in seinen Stöcken sondern gib ihm genug Platz zum Ein- und Aussteigen. Besonders schwierig ist ein Lift, den der Anfänger noch nie gefahren ist. Vermeide Beschreibungen wie „einfach“ und „problemlos“, versuche höchstens zu erklären, wie der Ausstieg sein wird – ob ihr nach rechts oder links weiterfahren werdet, ob es einen Pistenplan als Treffpunkt gibt, mach Vorfreude auf die Aussicht.

Lift ohne Angst
Anfänger-Traum: leere Lift-Anlage am frühen Morgen

Halte Abstand

Wenn du gerne so fährst, dass der Schnee hinter dir aufspritzt, dann halte extra Abstand zum Anfänger. Schnee im Gesicht ist extra Stress. Auch wenn du Abstände und Geschwindigkeit einschätzen kannst, der Anfänger kann es nicht. Rase nicht auf ihn zu und bremse erst kurz vorher ab. Fahre nicht zu dicht an ihm vorbei, weder vor ihm noch dahinter noch rechts oder links. Drängle dich nicht durch. Der Ängstliche ist unberechenbar, halte Abstand. Dazu gehört auch der nächste Punkt:

Hab Geduld

An schmalen Pistenabschnitten nervt es dich vielleicht, dass ein langsamer Angsthase vor dir fährt. Hab Geduld und bleib hinter ihm und fahre erst an einer breiten Stelle vorbei. Vorbeidrängeln stresst extrem. Die Gefahr ist hoch, dass der Anfänger eine Kurve fährt, wo du es nicht erwartest, weil du mit deinem Fahrkönnen einfach gerade runter fährst. Zack hast du den Anfänger übern Haufen gefahren (nicht ausgedacht, ist mir genauso passiert! Und ich musste mir noch blöde Sprüche anhören!). Es geht nicht um Zeit und Pokale, also hab Geduld und bleib hinter dem Anfänger.

Auf dem Weg zum angstfreien Pistenglück

Setze Anfänger nicht unter Druck – auch nicht unbewusst

Vermeide Ratschläge wie “Langsam musst du dir mal den Pflug abgewöhnen”, “Jetzt wird es wirklich mal Zeit, dass du dich auf die rote Piste traust”, “Beim nächsten Mal nimmst du aber mal die Talabfahrt”. Der Anfänger allein weiß, was er sich traut. Mit guten Skifahrern unterwegs zu sein setzt den Anfänger eh schon unter Druck – er will sich nicht blamieren, die anderen müssen eh ständig warten, alle können es nur man selber nicht.

In den meisten Fällen ist es am besten, den Anfänger allein auf Pisten üben zu lassen, die er kennt. Ohne, dass ihn jemand unter Druck setzt, weder er sich selber noch andere. Immer wieder zwischendurch treffen ist wichtig, zum Kaffee trinken, zum Mittagessen. Zum Berichten, was man alles gepackt hat, oder zum Ausheulen. Und die Pause gehört zum Skifahren ja eh dazu.

Anti-Stress-Einheit: der Einkehrschwung

Fazit

Die Angst beim Skifahren vergeht, indem man skifährt. Indem man besser wird, und damit sicherer, mehr Kontrolle hat, und dann mit der Zeit auch schwierigere Stellen meistert, die am Anfang noch unmöglich schienen. Viel von diesem Lernprozess passiert innerlich, im Kopf.

Als gute/r Skifahrer/in kannst du diesen Angst-Abbau-Prozess unterstützen, indem du die oben stehenden Punkte beachtest, auch wenn du die Angst überhaupt nicht nachvollziehen kannst. Nimm die Angst ernst, lass den Anfänger machen, setz ihn nicht noch mehr unter Druck, nimm Rücksicht. Die Skianfänger auf dem Weg zum Pistenglück werden es dir danken!

Und du?

Hast du noch mehr Tipps für Skifahrer, wie sie helfen können, Stress, Druck und Angst zu vermindern? Schreib deine Tipps und Erfahrungen unten in die Kommentare.

PS: Dies sind meine Erfahrungen, die auch andere Anfänger gemacht haben. Vielleicht gibt es andere, die sich gerne aus dem Lift helfen lassen, oder die sofort mitkommen, wenn jemand „schwarze Piste“ ruft. Das lässt sich rausfinden.

2. PS: Natürlich gibt es zu den einzelnen Punkten keine passenden Fotos – ich bin noch immer froh, wenn ich am Ende eines Skitages mit heilen Knochen und Nerven im Tal ankomme. Deswegen nur allgemein Pistenglück-Fotos aus diesem Winter.

3. PS: Der ein oder andere mag sich hier vielleicht wieder erkennen – keine Sorge, ihr macht das zumeist gut, sonst würde ich nicht mehr mit euch skifahren gehen!

Links wird es schmal, auch wenn ein blaues Schild dasteht. Obacht, langsame Anfänger.

Mehr über das Projekt Pistenglück:

Tipps und Warnungen: Skifahren lernen für Erwachsene?

Skitag 2/ 2017: Skigebiet Kasberg Grünau im Almtal in Oberösterreich/ Österreich

Skitag 1/ 2017: Feuerkogel in Oberösterreich/ Österreich

Skitag 3/ 2016: Almenwelt Lofer im Salzburger Land/ Österreich

Skitage 1 und 2/ 2016: Lech Zürs am Arlberg in Vorarlberg/ Österreich

Skitag 5/ 2015: Gschwandtkopf in Seefeld in Tirol/ Österreich

Skitag 4/2015: Rosshütte in Seefeld in Tirol/ Österreich

Skitag 3/ 2015: Winklmoosalm in Bayern und Steinplatte in Tirol

Kino und Skifahren lernen: STREIF One hell of a ride

Skitage 1 und 2/ 2015: Sölden und Hochgurgl im Ötztal/ Österreich

Skitag 6/2014 auf der Ehrwalder Alm in Tirol/ Österreich

Buchtipp: Skifahren einfach

Skitag 5/2014 im Skigebiet Gitschberg-Jochtal im Eisacktal/ Südtirol

Skitag 4/2014 auf der Plose im Eisacktal/ Südtirol

Skitag 3/2014 in Kössen im Kaiserwinkl/ Tirol

Skifahren lernen mit Youtube?

Skitag 1/2014 im Pitztal/ Tirol

Gefallen?Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann freue ich mich, wenn du ihn über Facebook, Twitter oä deinen Freunden weiterempfiehlst. 

Hast du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Stelle sie unten im Kommentarfeld oder über das Kontaktformular.

Du möchtest künftig keine neuen Artikel verpassen? Dann empfehle ich dir den Newsletter, werde Fan auf der Facebook Seite oder folge Gipfelglück auf Twitter oder Instagram. Einen RSS Feed gibt es natürlich auch. Danke für’s Lesen!

Stefanie Dehler
Folgt mir:

Stefanie Dehler

Herausgeberin des Gipfelglück Blogs - einer Sammlung von persönlichen Erfahrungen beim Wandern, Bergsteigen, Radlfahren und Reisen, im Chiemgau, in den Alpen, weltweit.
Mit einer Vorliebe für Höhenmeter, Kuchen, Bier, Bücher und Instagram.
Stefanie Dehler
Folgt mir:

2 Comments

  1. Höchst interessant – ich kenne das Ganze viel mehr aus der anderen Perspektive, was heißt, Anfänger sicher den Berg wieder runterzubringen. Dazu gehört natürlich viel Geduld.
    Vertrauen ist hier das allerwichtigste:

    Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Vertrauen in den, der einen beim Skifahren begleitet und den Privat-Coach gibt. Der kann nämlich (Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und entsprechende Befähigung vorausgesetzt) besser beurteilen, was der Anfänger schon kann und was nicht. Denn Angst verstellt nicht selten den Blick auf die eigenen Fähigkeiten.

    Wenn ich zu jemandem sage: „Wir fahren die Schwarze runter, Du schaffst das“, dann heißt das auch, dass ich das Fahrvermögen des anderen sehr genau studiert habe und einschätzen kann, dass ich denjenigen da runter bringe, ohne, dass etwas passiert, oder dass er eine „Nahtoderfahrung“ dabei erlebt. So etwas mache ich nie, um den anderen unter Druck zu setzen – das wäre kompletter Unfug.

    Aber wenn wir dann da runter fahren – sehr konzentriert und mit viel Lotsenhilfe, wo nötig, ist das Ergebnis eigentlich immer das Gleiche. Ehrlich: Gibt es etwas Schöneres, als unten an der Liftstation wieder hochzuschauen und zu sagen: „Unglaublich – da bin ich runter…“?

    Zur Not bin ich mir auch nicht zu vornehm, verzweifelten Bremern, die sich im Nebel verirrt haben, das erste Wochenende auf Skiern sind und um Hilfe gefragt haben, den Weg zurück zur Bergstation der Gondel nicht nur zu zeigen, sondern sie auch dahin zu begleiten. Bogen für Bogen. Wenn die dann aber trotz aller Hilf- und mittlerweile Kraftlosigkeit nicht mit der Gondel ins Tal abfahren sondern die rote Piste nehmen, dann ist bei mir auch Schicht. So auch schon erlebt.

    • Stefanie Dehler

      Letztendlich ist das Lernen bei jedem anders – und nicht jeder Skifahrer kann abschätzen, ob ein anderer wirklich schon eine schwarze Piste fahren kann oder nicht. Vielleicht ist der Schritt von rot zu schwarz auch nicht so krass wie von blau zu rot? Geschichten erzählen kann am Ende jeder :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.